Auf geht’s zum Nordkapp

07.06. – 06.07.2019

Peter bekommt Freitagmittag das OK seines Arztes und abends sitzen wir schon auf einem netten Campingplatz in Schwerin. Langsam wieder im Reiseleben ankommen. Am Montag nehmen wir wie bei unseren letzten Skandinavientouren die Fähre von Rostock nach Trelleborg und nach 6 Stunden Schaukelei werden wir an Schwedens Südküste ausgespuckt. Wir halten kurz in Ystad, flanieren durch das nette Örtchen und landen nachmittags bei einer alten Steinsetzung der Wikinger, dem sog. Ales Stenar. Die 59 Steine stehen in Form eines Schiffrumpfs auf einer Anhöhe direkt an einer steilen Abbruchkante zur Ostseeküste und wurden vermutlich 600 n.Chr. errichtet. Die Bedeutung ist bis dato umstritten. Abends, als wir die Anlage nochmal für uns alleine haben, ist die Stimmung im aufziehenden Nebel sehr besonders.

Da unser eigentliches Ziel dieser Reise Norwegen ist, machen wir am nächsten Tag einen großen Satz zum Store Mosse Nationalpark. Den 13 Kilometer Rundweg durch Schwedens größtes Moor teilen wir uns nur mit ein paar Mücken. Leider liegt der Park direkt an einer vielbefahrenen Straße, so dass wir am Nachmittag noch das Weite suchen.

In den nächsten Tagen spielt das Wetter mit und so bleiben wir in Torsviken am Vänernsee für zwei Tage hängen. Aus einer 10 Kilometer Radtour im Naturschutzgebiet werden 20 – selber schuld wer keine Karten lesen kann! Mit Gert und Gitti aus der Steiermark verquatschen wir ein paar nette Stunden ehe sich unsere Wege wieder trennen.

Bei Regen und Nebel kommen wir nach einer Woche Schweden am Holmenkollen in Oslo an. Direkt an der Skisprungschanze können wir kostenfrei bleiben und sparen uns so 45 Euro/Tag für den schlechten Campingplatz. Wir entscheiden, früh schlafen zu gehen, kaum versuchen wir jedoch die Augen zu schließen reißt der Himmel auf und die helle Sonne scheint um 23 Uhr durch alle Ritzen unserer Jalousien. Die weißen Nächte haben echt auch Nachteile 😉

Oslo ist eine sehr moderne, aufgeräumte Stadt. Wir spazieren an der langen Hafenpromenade entlang bis zur Oper und setzen anschließend mit der Fähre zur Museumsinsel über. Das Fram-Museum hat sehr gute Kritiken und so entscheiden wir uns für einen Besuch. Das hätten wir uns sparen können – das Museum hat uns so gar nicht angesprochen und wir sind schneller wieder draussen als wir dachten. Als wir wieder beim Dicken aufschlagen, bekommen wir von unseren Stellplatznachbarn ein eiskaltes Franziskaner Weizen in die Hand gedrückt. Perfekt! Die 4 Baierbacher sind mit zwei Wohnmobilen in zwei Wochen von Niederbayern ans Nordkapp und zurück gefahren. Respekt – mal schauen, ob wir das mit unserem Zeitbudget diesmal auch schaffen. Wir verbringen einen sehr netten Abend miteinander und am nächsten Morgen geht’s für alle weiter.

In den nächsten Tagen dümpeln wir langsam an der Südküste Norwegens entlang – wir warten auf Post aus Deutschland (unsere Fährenrabattkarte ist leider nicht rechtzeitig angekommen) – und so haben wir etwas mehr Zeit als ursprünglich geplant. Wir fahren zum „Ende der Welt“, ins schöne weiße Städtchen Risor, wandern am Hamborsund, besuchen den Zimtstrand in Mandal und parkieren uns und den Dicken für eine Nacht am Südkapp ein. Sehr spannend wird unsere Wanderung aufs Brufjell und zu den Brufjellhalene (Gletschertöpfe und Höhlen). Dabei lernen wir: Wenn die Norweger bei einer Wanderung schreiben, es ist schwer, dann ist es sakrig schwer! Und wir haben uns wieder erinnert, dass Adrenalin zwar ein geiles Zeug ist, aber leider Gummibeine macht. Es geht kletternd eine sausteile Steinrinne hinab und man mag nicht über Steinschlag nachdenken! Nach so viel Action haben wir uns wieder etwas Ruhe verdient und so bleiben wir am Camping am Fluss in Egersund für zwei schöne Tage. Der Fluss ist sehr lachsreich und die Fische versuchen über die Stromschnellen zurück zu ihren Laichgründen zu kommen. An einer Stelle etwas flussaufwärts kann man diese Bemühungen vom Ufer aus verfolgen und so sitzen wir gebannt und schauen großen Lachsen beim Springen zu. Passenderweise kommt auch unsere Post an und so können wir anschließend weiter ins Landesinnere. Bei unserer ersten Tour in Norwegen in 2016 waren wir schonmal am Lysefjord und sind damals auf den Preikestolen gewandert – diesmal wollen wir ans andere Ende auf den Kjerag. Den Abend und die Nacht verbringen wir aber erstmal noch im Nebelloch auf dem Fjell, wir können kaum die Hand vor Augen sehen. Am nächsten Morgen ist jedoch alles vorbei und wir ziehen wie geplant los. Beim Kjeragbolten staunen wir über die vielen Wagemutigen, die auf den eingeklemmten Felsen in 1000 Meter Höhe klettern müssen – kaum den Berg hochkommen, aber jetzt für ein instagramtaugliches Foto alle Zähne zusammen beissen. Danke – wir verzichten und genießen fast alleine lieber die Aussicht vom Gipfel des Kjerag 1000 m senkrecht hinab in den Fjord.

Um auch einen Blick auf die der Westküste vorgelagerten Inseln zu werfen fahren wir raus nach Haugesund. Dabei nutzen wir zwei Tunnel, die unter dem Meer durchführen (eine etwas gruselige Vorstellung) und eine, trotz Fährenrabattkarte, sauteure Fähre. Wir treffen auf Ole, einen sehr sympathischen Dänen, der zwar am Aufbau seines Zeltes fast scheitert, am nächsten Tag aber den Ironman in seiner Alterklasse gewinnen und damit das Ticket nach Hawaii lösen wird. Nice to meet you guy – we´ll keep our fingers crossed – you will made it!

Die Wanderung auf die Hochfläche über dem Wasserfall Langfossen finden wir durch Zufall. Nach 640 knackigen Höhenmetern kommen wir oben an und sind begeistert bzw. eher still und andächtig. Manche Orte sind einfach magisch und dieser zählt ganz bestimmt dazu. Zum krönenden Abschluss finden wir noch einen schönen Übernachtungsplatz an einer alten Straße und können das Belohnungsbier am Fluss in der strahlenden Sonne genießen.

Als wir am nächsten Morgen den Wetterbericht checken schmeissen wir alle Pläne über den Haufen. Für den Westteil Norwegens sind sehr kühle Temperaturen und mehrere Tage Regen angesagt. Das brauchen wir jetzt nicht so unbedingt. Auf der Suche nach Alternativen sehen wir 20 Grad in Rjukan – „nur“ 180 Kilometer (auf norwegischen Straßen und mit unserem Dicken = mind. 5-6 Stunden) entfernt. Also los geht’s – fahren wir eben zurück nach Osten und drehen eine „kleine“ Schleife. So kommen wir in den Genuss einer Wanderung auf den Gaustatoppen, den höchsten Berg Südnorwegens. Da sich der Gute den ganzen Tag in Wolken hüllt, gehen wir erst gegen 17 Uhr los. Die grandiose Aussicht genießen wir nur kurz – einstellige Temperaturen und ein eiskalter Wind lässt uns gerne die 700 Höhenmeter wieder absteigen. Gegen 21 Uhr sind wir wieder unten und kochen uns erstmal einen großen Berg Nudeln. Die Nacht auf dem Pass wird etwas stürmisch, wir halten uns mit Jammern aber zurück, schließlich liegen um uns herum einige in ihren Zelten…

Nach den beiden Wandertagen gönnen wir uns einen Ruhetag in Sandviken. Wir waschen Wäsche, feudeln mal wieder durch und backen leckere Pizza. Damit müssen wir uns aber sehr beeilen, die Sonne verschwindet gegen 20 Uhr hinterm Berg und sobald sie weg ist wird es zapfig kalt.

Auf unserem Weg zum Gaularfjellet verbringen wir eine Nacht auf einer Hochebene im Schneegestöber und so müssen wir Anfang Juli tatsächlich die Heizung anschmeissen. Auch die Panoramastraße über das Aurlandsfjell ist (vermutlich wegen Schnee) gesperrt und wir nehmen den 25 Kilometer langen Tunnel unten durch. Auf unserem Lieblingsplatz verbringen wir einige schöne Tage mit Grillen, Wandern und, nach fünfzehntausend Kilometern auch mal wieder nötig: Reifendurchtauschen.

4 Gedanken zu „Auf geht’s zum Nordkapp

  • 3. August 2019 um 21:41
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    Schön zu sehen, dass es Euch gut geht!
    Wir haben Euch vor 1 Jahr in Finnland kennen gelernt, da waren wir in Elternzeit mit unserer damals 1-jährigen. Den Tipp mit dem Omina-Backofen haben wir beherzigt, ist jetzt fester Bestandteil in unserem grünen Bus 🙂 Danke! Euch weiterhin ein schöne Zeit !!
    Vielleicht sieht man sich mal wieder zufällig auf einem Campingplatz 😉

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    • 4. August 2019 um 6:18
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      Hallo Irene, na die Überraschung ist Euch gelungen – wir freuen uns von Euch zu lesen! Zudem werden gleich tolle Erinnerungen an das schöne Plätzchen in Finnland wach. In den See möchte man gleich wieder springen.

      Gerne auf ein Wiedersehen irgendwann und irgendwo auf dieser Welt – wir halten nach einem grünen Bus Ausschau!

      Liebe Grüße von Michaela und Peter

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  • 21. Juli 2019 um 17:59
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    Euch eine gute Fahrt. Schöne Grüße vom Elektrofuchs Ingo von damals Öland jetzt gerade in Stockholm. Grüsse Ann und Ingo.

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    • 21. Juli 2019 um 18:36
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      Hallo Ingo, an Dich haben wir beim Reifendurchtauschen gedacht – das letzte Mal war ja auf dem coolen Platz auf Öland wo wir Euch kennen gelernt haben. Die Sicherung ist übrigens eingebaut 🙂
      Euch auch noch eine tolle Zeit in Schweden, liebe Grüße auch an Ann von Michaela und Peter

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