Back on the road – back at home

17.01.2022 – 13.02.2022

Nach 8 Monaten in Deutschland landen wir am 17.01.2022 nach einem gefühlt ewig langen Flug in Denver. Mental gut gerüstet treten wir zum Grenzbeamten an den Schalter und staunen nicht schlecht als uns dieser, nur nach ein paar wenigen und noch dazu sehr freundlichen Fragen 6 Monate Aufenthalt in den Paß stempelt. Bei unserer mittlerweilen fünften Einreise in die USA haben wir es endlich geschafft – keine 2nd Inspection, kein Gefühl etwas falsch gemacht zu haben und schon mit einem Bein in Abschiebehaft zu stecken! Wir sind drin – ein tolles Gefühl! Auch unser Gepäck kommt zügig und wird nicht weiter kontrolliert (vielleicht ganz gut dass wir unseren Koffer voller Ersatzteile nicht erklären müssen) und schon sind wir mit dem Mietwagen unterwegs zu unserem ersten Date. Wir treffen Denise und Iain in Castle Rock zum Abendessen und verbringen zu Viert einen herrlichen Abend mit sehr viel frittiertem Essen und Bier mit Mangogeschmack in der Local Brewery. Jetlagbedingt purzeln wir bereits sehr früh am nächsten Morgen aus dem Hotelbett und so machen wir uns nach einer ausgiebigen Walmart-Shoppingtour zeitig auf den Weg nach Pueblo – unser Dicker wartet. Von Brett, in dessen Obhut sich der Dicke in den letzten Monaten ausgeruht hat, werden wir herzlich empfangen. 

Alle freuen sich, der Dicke bestimmt auch, aber anspringen mag er trotzdem nicht. Eigentlich haben wir fast damit gerechnet, aber andererseits kann es gar nicht sein, dass die Starterbatterien schon wieder die Grätsche gemacht haben. Haben wir sie doch diesmal komplett abgeklemmt und so sollten sie eigentlich nur wenig Spannung verloren haben. Aber alles wundern hilft nix, also stöpseln wir Bretts Ladegerät für ein paar Stunden an. Auch danach gibt der Dicke keinen Mucks von sich bis Peter spätabends noch eine Idee hat. Vielleicht hängt der Anlasser? Und tatsächlich, nach einem kleinen Schlag mit dem Hammer springt er an. Da das Prozedere auch am nächsten Morgen funktioniert, sagen wir Tschüß zu Brett, sagen Danke dass wir die Nacht in der Halle verbringen durften (unser vielleicht romantischster Stellplatz ever!) und machen uns auf den Weg nach Süden. Endlich wieder back on the road.

Für unsere erste Nacht suchen wir uns ein schönes Plätzchen am Lake 6 im Maxwell Wildlife Refuge. Sehr, sehr ruhig, weit, weit weg von der nächsten Ortschaft verbringen wir eine eiskalte Nacht. Unsere Heizung läuft bei minus 12 Grad Aussentemperatur die ganze Nacht durch. Als wir am späten Vormittag weiterfahren wollen, tut der Dicke: genau nix. Er springt wieder nicht an. Da auch unser Bitten mit dem Hammer am Anlasser nichts bringt denken wir, verflixt, sind es jetzt etwa doch die Batterien? So weit weg von Infrastruktur (je 60 km bis zur nächsten Ortschaft in beide Richtungen) echt blöd. Doch bevor wir so richtig überlegt haben, wie es weitergehen könnte steht Leo vor uns. Leo mit seinem 2,5 Tonnen Pickup. Und Leo mit seinem 2,5 Tonnen Pickup zieht uns mal eben quer über den Platz und schleppt uns an. Hurra – der Dicke läuft! Vielen Dank an Leo und natürlich seinen Pickup! Wir beschließen den Dicken jetzt auch weiterlaufen zu lassen und binden zur Erinnerung extra ein Halstuch an den Schlüssel. Bevor einer von uns aus Gewohnheit den Zündschlüssel dreht soll uns das Tuch einen kleinen Denkanstoß geben. Wir schauen auf die Karte und entscheiden bis nach Santa Fe durchzufahren. Dort kann man etwas außerhalb der Stadt auf BLM-Land gut stehen und wir können mit dem Klapprad alle ggf. erforderlichen Läden gut erreichen.

Bevor wir jedoch auf das öffentliche Land fahren, statten wir Advanced Autoparts, der Kette, bei der wir unsere Batterien gekauft haben, einen Besuch ab. Schließlich haben wir 3 Jahre Garantie denken wir uns optimistisch, aber auch mit großen Zweifeln ob diese auch etwas wert ist. Aber, let´s give it a try. Peter springt in den Laden, der Dicke tuckert draussen vor sich hin. „Natürlich sei es kein Problem, die Batterien zu prüfen. Und selbstverständlich geht das auch bei laufendem Motor!“ Peter ist zwar verdutzt über die Aussage des Mitarbeiters, aber als dieser mit seinem Werkstattwägelchen mit Prüfgerät vor dem Dicken auffährt, sind wir doch gespannt was da so geht. Aber typisch Amerikanisch – am Ende geht es natürlich nicht. „Den Motor müssen sie schon ausmachen“ – achne, wir wollen aber nicht direkt an der Hauptstraße stranden und übernachten, falls die Batterien nicht das Problem sind. Also schlagen wir das Prüfangebot aus und fahren weiter zu unserem vorher auserkorenen Platz. Wir parkieren strategisch günstig, sodass wir bei Bedarf wieder angeschleppt werden könnten.

Nach einer wiederum saukalten Nacht widmen wir uns am nächsten Morgen unserem Problem. Da wir eigentlich nicht glauben, dass es tatsächlich die Batterien sind, entscheiden wir uns, den Anlasser auszubauen. Bevor wir den Dicken im letzten Mai im Storage abgestellt haben, haben wir ihn in einer Waschanlage gründlich mit pinkfarbenem Spezialschaum (gegen Streusalz) eingeschäumt. Und genau diesen Schaum haben wir nun im Verdacht – vielleicht ist etwas in den Anlasser gelangt und hat ihn so während der langen Standzeit verklebt? Ob es der Schaum schlußendlich war oder nicht, wissen wir nicht – auf jeden Fall haben wir den Anlasser in alle Einzelteile zerlegt, gründlich gesäubert (er hatte es wirklich nötig) und neu gefettet. Und tada – das war wirklich das Problem: der Magnetschalter hatte nicht mehr genügend Power um den Zündvorgang abzuschließen, nun ist alles wieder ok.

Aber weil wir uns und den Dicken gut kennen, wissen wir, dass irgendwo noch ein zweites Problem schlummern muss (eins kommt bei uns nämlich eigentlich nie allein). Und da ist es auch schon. Während wir mit zwei anderen Campern schnacken hören wir ein leises Plätschern. Hat es uns doch bei der Kälte tatsächlich eine Abwasserleitung zerrissen. Und das nur, weil wir vergessen hatten am Abend den Hahn zu öffnen… Mist. Aber da wir zwei Tanks haben können wir uns gut behelfen ohne in der Gegend rumzusauen. Und wollten wir nicht eh in den Baumarkt um Isolierung für die Kupferrohre zu kaufen? Na dann kaufen wir eben auch ein Stück Kupferrohr dazu (Später werden wir dann noch feststellen, dass sich der deutsche und der amerikanische Kupferrohrdurchmesser um 2/10 mm unterscheidet, nicht viel, aber genug, dass es nicht passt!). Glücklicherweise haben wir das Gas zum Löten noch vom letzten Mal dabei, das ist nämlich aus, und wird es in den Baumärkten auch in den nächsten Wochen bleiben. Auch bei manch anderen Gütern herrscht Ebbe in den Regalen, so brauchen wir mehrere Anläufe an mehreren Tagen bis wir unsere Lebensmittelvorräte wieder reisebereit aufgestockt haben. Covid lässt grüßen.

Nach soviel Aufregung gleich in den ersten Tagen brauchen wir erstmal Urlaub. Darum und auch weil es im Norden New Mexikos schweinekalt ist, fahren wir eine Woche früher als geplant zu unseren Freunden an die Hotsprings nach Gila. Dort verbringen wir eine schöne Woche mit Baden, Wandern, Grillen, Lagerfeuer und mit Selbstorganisation. Wir und auch unser ganzer Kram müssen sich im Dicken erst wieder zurechtrappeln. An einem Abend kochen wir wieder mit Carla und Allen in deren Haus (es gibt gegrillten Hirsch und Kaiserschmarrn), aber wenn Peter das nächste Mal wieder bei Mexican Train gewinnt, werden wir vermutlich nicht mehr eingeladen…

Unsere nächste Station ist Tucson – gähn, waren wir da nicht auch schon mehrmals? Stimmt, aber es ist super schön dort und bei Duke im Snowbirdsnest ist immer ein Plätzchen für uns frei. Zudem kennt der Amazonfahrer den Platz ziemlich gut und Duke hat eine komplett eingerichtete Werkstatt, die wir gerne nutzen. So können wir einige fällige Wartungsarbeiten an der Kabine komfortabel über die Bühne bringen. Wir flicken das Abwasserrohr und isolieren es gleich bei der Gelegenheit (was für Füchse wir doch sind), streichen unsere Staukisten neu (jetzt strahlen sie wieder in schwarz, und nicht von der Sonne ausgebleicht in mausgrau), installieren eine Wasserfilteranlage und tauschen in dem Zusammenhang alle Schläuche unseres Wassersystems aus. Gewöhnen müssen wir uns wieder an die Sonne, bereits im Februar ist diese sehr stark und die Luft erwärmt sich auf über 25 Grad. Unsere bleichen Gestalten können in den ersten Tagen nur mit LSF 50 aus dem Haus. Den Februar über wollen wir das warme Klima in Arizona noch genießen bevor wir uns auf den weiteren Weg nach Westen und dann schließlich nach Norden machen. Wir halten euch auf dem Laufenden!

PS: Auch zuhause in Deutschland hatten wir natürlich eine sehr schöne Zeit:

Wir schließen Freunde und Familie in die Arme, wandern wieder ausführlich durch den Bayerischen Wald (und wieder kommt die Gegend auf die Liste der potentiellen späteren Wohnsitze), dürfen Sandras und Martins Schwedenhaus hüten, feiern die Hochzeit von Michaelas Bruder, machen eine tolle Hüttentour durch den Nationalpark Hohe Tauern in Österreich, verbringen 3 herrliche Urlaubswochen in Südtirol und am Gardasee und renovieren in den letzten drei Monaten noch das Haus von Peters Mama.

4 Gedanken zu „Back on the road – back at home

  • 18. Februar 2022 um 11:35
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    Wir freuen uns riesig für Euch, dass ihr nun endlich wieder unterwegs sein dürft! Auch wenn wir Euch natürlich sehr vermissen!! Die Zeit im letzten Jahr mit Euch war so schön und wir freuen uns schon jetzt Euch ganz bald wieder in die Arme schließen zu dürfen. Passt schön auf Euch und den Dicken auf! Grüße von der Kaktus Gäng

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    • 18. Februar 2022 um 16:19
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      Ihr Lieben, wir vermissen euch auch sehr und freuen uns schon aufs Wiedersehen ?

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  • 16. Februar 2022 um 21:32
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    Schön, dass ihr wieder on Tour seid. Genießt eure Zeit und freut euch des Lebens! Wir wünschen euch schöne Erlebnisse und immer gute Fahrt.

    Liebe Grüße von Win & Petra

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    • 17. Februar 2022 um 3:21
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      Ach ihr Zwei, eure Nachricht freut uns ganz besonders. Irgendwann, Irgendwo auf dieser Welt werden wir uns mal treffen, zumindest würden wir uns sehr darüber freuen! Liebe Grüße von Michaela und Peter

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