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Nordamerika / Mexico

Wald, Wald und noch mehr Wald

22.10. – 08.11.2019

Nach den aufregenden Tagen in Washington DC haben wir richtig Lust auf ein paar Tage in der Natur. Also führt uns unser Weg in den Shenandoah Nationalpark. Als Teil der Appalachen wurde das Gebiet 1936 von Franklin D. Roosevelt zum Nationalpark erklärt. Das Gebirge bildete einst die Grenze zwischen den besiedelten Gebieten an der Ostküste und dem riesigen, unbekannten Land westlich davon. Der Eintritt ist für uns, dank unserem Jahrespass, kostenlos und so fahren wir ein Stück entlang des Skyline Drive, einer 170 Kilometer langen Panoramaroute, bis zum Campground Mathews Arms. Der Park ist besonders im Herbst sehr beliebt und bekannt für „wildlife spottings“, schließlich gibt es hier einen Schwarzbären pro Quadratkilometer – ganz schön viel, finden wir. Da Mathews Arms für die Saison schließt, fahren wir nach zwei Tagen weiter zum Big Meadows Campground. In den 5 Tagen, die wir dann dort verbringen, gibt das Wetter alles. Von 5 Grad bis 26 Grad ist alles dabei. An den sonnigen, warmen Tagen machen wir tolle Wanderungen, zum Beispiel zu den Dark Hollow Falls oder entlang des bekannten Weitwanderweges Appalachian Trail. Der Dicke freut sich, dass er mal wieder abgeschmiert wird, ein wenig neues Öl bekommt er zudem in seine Achsschenkel. Besonders schön ist auch der feucht fröhliche Abend mit Lisa, Chris und ihrer Tochter Emily aus Virginia an ihrem Lagerfeuer. Wir genießen es sehr, wieder frische Waldluft zu atmen und den letzten farbigen Blättern in diesen Breiten beim Fallen zuzuschauen.  

Der Skyline Drive geht nach der Nationalparkgrenze direkt über in den Blue Ridge Parkway. Diese Panoramastraße verbindet den Shenandoah mit dem Great Smoky Mountains Nationalpark. Für die 750 Kilometer brauchen wir 6 Tage. Die für amerikanische Verhältnisse kleine Straße führt sehr kurvenreich in Höhen bis 2000 Meter durch fast unberührte Naturlandschaften. Die touristische Infrastruktur ist nicht sehr ausgeprägt und daher sind wir im nördlichen Teil auch fast alleine unterwegs. Vielleicht liegt es aber auch an einem beeindruckenden Herbststurm, der uns am zweiten Tag in niedrigere Gefilde auf eine Hauptstraße zwingt. Bereits am nächsten Tag ist der Spuk aber wieder vorbei und die gewaltigen Regenmengen sind weitergezogen. Zurück bleiben allerdings kühle Temperaturen und die ersten Nachtfröste. Wir entzünden unsere Campfire nun also schon am Nachmittag, und kuscheln uns abends in den von der Heizung aufgewärmten Dicken.

In den Great Smoky Mountains angekommen, verbringen wir zwei Tage auf dem Smokemont Campground und wandern den Smokemont Loop. Nach der vielen Fahrerei und Kurbelei der letzten Tage tut es richtig gut, auf unseren eigenen Beinen durch die Wälder zu streifen. Der Nationalpark besteht aus einem der größten zusammenhängenden Waldgebiete der USA und hat seinen Namen von den morgens aufsteigenden, bläulichen Nebelschwaden. Hier sind sogar zwei Schwarzbären pro Quadratkilometer zuhause, wir sehen aber (leider oder glücklicherweise?) wieder keinen einzigen. Nur eine kleine Klapperschlange stöbern wir im Laub auf. Anschließend sucht sie sich ihr Winterquartier hoffentlich etwas weiter weg vom Wanderweg. 

Von den Smokies aus gibt es viele Möglichkeiten, unsere Reise fortzusetzen. Wir sind unentschlossen, ob wir direkt an die Küste fahren oder noch einen „Abstecher“ (400 Kilometer einfach) nach Nashville machen sollen. Auch das Aquarium in Atlanta, eines der größten weltweit, würde uns interessieren. Da wir uns nicht so recht entscheiden können, beschließen wir zunächst einmal auf die Nordseite des Parks zu fahren. Doch soweit kommen wir nicht – kommt uns doch auf der Verbindungsstraße Ewald mit seiner Besatzung entgegen. Von Sandie und Karsten mit ihrem Ex-THW Truck Ewald haben uns bereits Trish und Doug, die wir in den Adirondacks getroffen haben, erzählt. Immer mal wieder haben wir überlegt, mit den beiden Kontakt aufzunehmen und dann ist das plötzlich gar nicht mehr nötig. Eigentlich auch logisch dass man sich in diesem ach so kleinen Land irgendwann mal über den Weg fährt ? Da wir uns gleich auf Anhieb super verstehen machen wir kehrt, fahren zusammen zurück auf den Campingplatz und ratschen uns durch den Abend. Am nächsten Tag trennen sich allerdings unsere Wege bereits wieder, aber wir sind sicher, uns an der Küste wieder zu treffen.

In den nächsten beiden Tagen kreuzen wir ein bisschen durch den Norden Georgias und landen zufällig auf der US64. Der scenic byway führt sehr malerisch entlang des Culassaja River, vorbei an den Dry Falls und den Bridal Veil Falls. Für die Nacht finden wir im Blue Valley Experimental Forest einen sog. dispersed campingspot. Das sind kostenlose Plätze, meist für Zelter, in diesem Fall aber auch für Wohnmobile, ohne Infrastruktur mitten im Wald. Wir folgen für etwa 10 Kilometer einer Schotterstraße und finden den tollen Platz, mit Feuerring und jeder Menge Totholz – ideal für ein wärmendes Feuer. Nach einer sehr ruhigen, einsamen Nacht sehen wir auf der Karte, dass die Straße, auf der wir gestern gekommen sind, zunächst tiefer in den Wald und dann später auf der anderen Seite wieder hinaus, in unsere Fahrtrichtung führt. Das Abenteuer lockt und wir fahren los. Ein paar umgefallene, und nur dürftig beiseite geräumte Bäume erfordern das ein oder andere Fahrmanöver. Zudem schrecken wir zwei Bärenjäger mit großen Schrotflinten, die von der Forststraße aus anlegen und zielen, auf. Die beiden sind „not amused“ – wir freuen uns aber für den Bären, der offenbar das Weite suchen konnte. Ein paar Kurven später ist für uns aber Schluss – ein großer Baum hängt quer über der Straße und wir sind zu hoch um darunter durch zu schlüpfen. Also wenden wir auf einer Briefmarke und fahren den ganzen Weg wieder zurück. Aber großen Spaß hat es trotzdem gemacht!

Unser nächstes Ziel ist Helen. Unser Reiseführer beschreibt den Ort im Stil eines bayerisch-schweizerischen Alpendorfes. Super denkt sich vor allem Michaela – einmal so richtig in den Kitsch und dazu vielleicht noch ein Weizen. Aber leider ist der Ort etwas heruntergekommen und nur so ein bisschen kitschig, zudem ist nicht viel los und das Wetter trübe. Als wir zum halblegalen Übernachten auf einem Motelparkplatz auch noch 20 Dollar abdrücken sollen, suchen wir schnell das Weite. Ein paar Kilometer weiter sind wir schnell wieder versöhnt, wir finden einen netten Trailheadparkplatz. Perfekt für die Nacht.

Nach fast 3 Wochen in den Wäldern und Bergen haben wir genug von den kühlen Temperaturen. Wir verwerfen die Pläne für Nashville und Atlanta und fahren durch an die Küste South Carolinas, hoffentlich in die Wärme!

2 Gedanken zu „Wald, Wald und noch mehr Wald

  • Frank Lochner

    Hi Ihr, in Hellen haben doch auch die Mülleimer Namen, oder ist das nicht mehr so wie um 1991?

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  • Markus Baldauf

    Hallo, witzig, der Ort Helen erinnert ein wenig an den Ort Solvang in USA (Westküste, denke Kalifornien) nur, dass es dort so holländisch/dänisch ist. Mit Windmühlen und so. Einfach furchtbar kitschig. Viel Spaß weiterhin.
    Markus Baldauf

    Antwort

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