Boxenstopp in Deutschland – wir haben Rücken!

13.03. – 06.06.2019

Seit Mitte März sind wir zurück in Deutschland – früher als geplant und viel länger als gedacht. Aber der Reihe nach:

Als wir unseren Dicken im September 2015 gekauft haben, war uns ein – durchaus gravierender – Nachteil am Aufbaus des Lasters und seiner Kabine bekannt und voll bewusst: Die Kabine war über den sogenannten Zwischenrahmen fest mit dem Fahrzeugrahmen verschraubt. Ein LKW Fahrgestell, insbesondere bei geländegängigen Fahrzeugen, lebt jedoch von der Verwindung, um bei Bodenunebenheiten nicht ein Bein in die Luft zu heben und damit Traktion zu verlieren. Ist die steife Kabine nicht vom Fahrzeugrahmen entkoppelt, gibt irgendwann, irgendetwas nach: Die Kabine oder der Fahrzeugrahmen, beides scheiße!

Da wir anfangs nicht wussten, ob uns die Langzeitreiserei wirklich Spaß machen wird, haben wir uns entschieden, zunächst keinen Umbau auf eine andere Lagerung zu machen, sondern erstmal ausgiebig zu testen und dafür öfter zu kontrollieren. Bei einer solchen Routinekontrolle im November 2018 in Griechenland haben wir dann festgestellt, dass ein Träger des Zwischenrahmens gerissen war. Eine provisorische Reparatur sollte eigentlich kein Problem sein, wenn man nur einen Träger in den richtigen Dimensionen unter der Kabine verkeilen würde. Ein handelsübliches Vierkantrohr in den gewünschten Dimensionen aufzutreiben, war jedoch ein größeres Drama. In einer griechischen Hinterhofwerkstatt haben wir das Ganze dann provisorisch richten lassen. Dieser Nachmittag in der Werkstatt wäre ein Blogeintrag für sich – mit rudimentärem Werkzeug (so eine Kabeltrommel kann einen das Fürchten lehren und wenn dann daran noch ein antikes Schweißgerät, vermutlich noch aus der minoischen Kultur, angeschlossen wird, erst Recht) – dafür aber mit umso mehr Engagement und Herz wurde über Stunden versucht uns zu helfen. Zum Schluss  waren wir froh, dass alle überlebt haben und Peters Lösung dann doch umgesetzt wurde: ein U-Stahl wurde der Länge (!) nach passend geflext und mit Holzkeilen aus unserem Vorrat unterm Rahmen verkeilt. Hält erstmal.

Doch dann ging der Spaß, vor allem für Peter, erst richtig los. Wochenlange Internetrecherchen und viele ernüchternde Telefonate mit den einschlägigen Fachfirmen, erstaunlicherweise alle im bayrischen Raum. Mit bis auf wenigen Ausnahmen sehr sperrigen „Fachleuten“ denen wir bei Gelegenheit das Seminar „Hear erstmoi zua wos dei Kunde wui, dann konnst Du schmatzn!“ anbieten werden, endete in der Eigenkonstruktion eines neuen und leichten Zwischenrahmens. Während unseres Heimaturlaubes an Weihnachten konnten wir zwei Besprechungstermine mit möglichen Fahrzeugbauern (keine in der Szene bekannten Zwischenrahmenbauerfachfirmen, dafür Beide umso engagierter) organisieren und nach weiteren Angebots- und Terminverhandlungen war der Auftrag dann Ende Januar endlich vergeben. Für Peter hörte die Arbeit jedoch nicht auf. Durch die andere Bauart des neuen Zwischenrahmens und der Notwendigkeit Gewicht einzusparen war auch klar, dass (endlich) die graue, umlaufende Schürze am Dicken der Geschichte angehört. Durch die Demontage dieser Schürze funktionierte allerdings auch das bisherige Staufachkonzept nicht mehr. Ebenso das Abwassersystem. Es wurde also weiter geplant, gezeichnet und gegrübelt. Schlussendlich, da wir ja schonmal „dabei“ sind, haben wir uns noch für die Umrüstung auf LiFePo-Batterien entschieden. Also wurde auch hier recherchiert, telefoniert und schließlich bestellt. 

Zurück in Deutschland haben wir fast eine Woche für die vorbereitenden Arbeiten gebraucht, ehe der Dicke zum Fahrzeugbauer konnte. Stauklappen demontieren, Schürze absägen, Abwassertanks und -leitungen abbauen, Gasleitungen trennen, Kotflügel abschrauben und viele Dinge mehr. 

Am 25.03.2019 war es dann schließlich soweit: Der Dicke wurde geschieden, dass heißt die Wohnkabine wurde vom Fahrgestell abgehoben. Vor dieser Aktion haben wir ganz schön geschwitzt, war uns doch bis dahin nicht so wirklich klar, wie gut die Kabine nach 20 Jahren wirklich noch ist und ob der Fahrzeugrahmen durch die falsche Lagerung nicht doch auch Schäden davon getragen hatte. Doch unsere Ängste waren unbegründet, beides ist prima in Schuss und durch die Erfahrung des Fahrzeugbauers und der Verwendung von Karosseriehebern ging das Abheben der Kabine einfacher als gedacht. 

3 Wochen später konnten wir den Dicken, wieder frisch vermählt und ausgestattet mit einem neuen, nun federgelagerten Zwischenrahmen, wieder bei uns aufnehmen. Kaum zuhause, durfte er sich einem Verwindungstest unterziehen, also quasi einem Yoga für Laster, damit wir die Federn optimal einstellen konnten. 

Patient 1, der Dicke war damit bereit für die Wiederinbetriebnahme – Patient 2, Peter, noch nicht. Ungefähr zur selben Zeit als uns der gebrochene Zwischenrahmen aufgefallen ist, begann auch Peter über Rückenschmerzen, bzw. viel mehr über Schmerzen im linken Bein zu klagen. Anfangs nicht ganz so ernst genommen, da die Schmerzen kamen und gingen, wurde es mit der Zeit allerdings schlimmer. So schlimm, das gerade das Sitzen schlussendlich kaum mehr möglich war. So ging der Dicke zum Fahrzeugbauer und Peter erst zum Orthopäden, dann zum Neurochirurgen und schließlich unters Messer. Eine Bandscheiben-OP später war dann auch Peter wieder soweit hergestellt dass die Arbeiten am Dicken in die letzte Runde gehen konnten. 

Unserem Arbeitskonto am Dicken haben wir wieder ein paar hundert Stunden dazugebucht und mittlerweile können wir mit Stolz sagen, dass wir den Dicken (fast) selbst aufgebaut haben – schließlich hatten wir jetzt wirklich jedes Teil mindestens einmal in der Hand! Zudem konnte der bisher handwerkskompetenzarme Teil der Besatzung erstaunliche Fähigkeiten beweisen: Sägen, Flexen, Nieten, Bohren, Kleben, Silikonieren. Michaela ist wohl die weltbeste Schürzenabsägerin (mehr 10 Meter alleine und die erstaunlich gerade gesägt!), aber auch die weltlangsamste Nieterin. 

Vielen Dank an dieser Stelle auch an unseren guten Freund Dieter – er kam zu Ostern mehrere hundert Kilometer zu uns nach Hannover gefahren um uns bei einigen kniffligeren Arbeiten zu helfen! Und Augustiner Bier hat er auch noch mitgebracht!

Auf einer Probefahrt durch die in dieser Jahreszeit leider noch nicht blühende, braune Heide, hat tatsächlich alles funktioniert. Naja, fast alles – hätte nicht eine Wespe in unserem Gasanschluss ihren Blütenpollenvorrat des Jahres 2019 angelegt. Kaum zurück haben wir vor lauter Langeweile (Warten auf Peters Kontrolltermin mit dem Operateur) sogar den Dicken gewaschen. Bestimmt schon das dritte Mal seit wir ihn haben und das sogar mit Shampoo!

Am Freitag (07.06.2019) geht es für uns nun endlich wieder los. Unsere diesjährige Sommertour führt uns nochmal nach Skandinavien und wir wollen Schwedens Osten und vor allem Norwegen mit den Lofoten und dem Nordkap nochmal genauer unter die Räder nehmen. 

 

6 Gedanken zu „Boxenstopp in Deutschland – wir haben Rücken!

  • 9. Juni 2019 um 19:50
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    Hallo Ihr zwei Weltenbummler, vielen lieben Dank für eure Geduld mit für unsere neugierigen Fragen und das mitten in der ‚heiligen‘ Welt eines Campingplatzes…dank euch schwirren uns Dreien grad tausend Ideen durch den Kopf und wir werden an eure Worte denken ‚Macht was aus eurem Urlaub und genießt es einfach‘….wir wünschen euch morgen eine gute Weiterfahrt und wie schon persönlich gesagt ‚einfach tolle (zwischenmenschliche) Erlebnisse. Liebe Grüße von Claudi, Andi und dem kleinen Ole

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    • 9. Juni 2019 um 19:59
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      Hallo Ihr 3, es war schön Euch zu treffen – und wer weiss, die Reisewelt ist klein – vielleicht stehen wir irgendwann, irgendwo wieder am gleichen Platz 🙂
      Viel Spaß beim Ideendrehen!
      Liebe Grüße von Michaela und Peter

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  • 9. Juni 2019 um 19:13
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    Hallo Ihr zwei,
    bin durch euer Avatar Bild auf euch aufmerksam geworden.
    Hab einen schönen MAN.
    Habt Ihr Bilder von eurem neuen zwischen Rahmen und passt das Gewicht noch 7,49t ???
    Würdet Ihr bei nochmaligen Kauf eines ExMo einen MB LN vorziehen
    oder wieder einen MAN nehmen !!!
    Gruß Schorsch

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    • 9. Juni 2019 um 19:38
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      Hallo Schorsch, schön dass er Dir gefällt. Wir haben persönlich keine Erfahrung mit Mercedes und sind mit unserem MAN und insbesondere mit dem Servicenetz hochzufrieden. Wir würden uns bei der Auswahl eines Fahrgestells nicht zu früh auf ein Fabrikat festlegen, das Angebot an geeigneten Fahrzeugen ist knapp genug. Die Einhaltung der 7,49 t ist nach unserer Erfahrung nur mit konsequentem Leichtbau zu schaffen. Wenn Du sehr große Wasser- und/oder Dieseltanks hast, oder ein Motorrad mitnehmen willst, ist es aus unserer Sicht nicht möglich. Die Forderung nach einem leichten Zwischenrahmen (ca. 220 kg) hat die Auswahl einer geeigneten Fachfirma deutlich erschwert. Bilder von der Federlagerung und dem Festlager findest in unserem letzten Blogeintrag. Viel Spaß bei der Fahrzeugauswahl!
      Viele Grüße von Michaela und Peter

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  • 6. Juni 2019 um 11:19
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    Ich hatte mich erst diese Woche gefragt, wann es denn wieder einen spannenden Bericht gibt und zack…. da ist er! Viel Spaß auf Euren nächsten Erkundungen dieser schönen Welt :-). Bleibt gesund und ich freu mich schon auf den nächsten Reisebericht.
    Liebe Grüße, Patricia

    Antwort
  • 6. Juni 2019 um 6:06
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    Alle wieder fit !!!! Prima!!! Dann nix wie los!! Viel Spaß und viele Abenteuer auf eurer Skandinavien-Reise – wir freuen uns auf eure Berichte und Bilder.

    P.S. Habt ihr jetzt etwa Kaninchen an Board? – Oder wofür ist das Streu auf dem Einkaufsband 🙂

    Die Sandmänner aus Osna

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