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Nordamerika / Mexico

Finally Alaska

27.05. – 06.06.2022

Von Whitehorse fahren wir mit Tanja und Thomas auf dem Klondike Highway zunächst wieder Richtung Süden – über den türkisfarbenen Emerald Lake geht´s zur Carcross Desert, einem kleinen Wüstengebiet inmitten schneebedeckter Berge. Wir machen uns, im Gegensatz zu vielen anderen, zu Fuß auf in den Sand und erklimmen die Düne für eine herrliche Aussicht. Unsere vorerst letzte Nacht in Kanada verbringen wir auf den Conrad Campground direkt am Tagish Lake. Das System der staatlichen Plätze im Yukon gefällt uns sehr gut, man darf sich mit mehreren Fahrzeugen einen Spot teilen und es gibt keine Reservierungsmöglichkeit. Am nächsten Morgen erleben wir auf der Fahrt über den White Pass eine sensationelle Winterlandschaft, es ist bitterkalt hier oben, doch sobald wir die Passhöhe hinter uns lassen reißt der Himmel auf und Alaska empfängt uns mit Sonnenschein. An der Grenze wird von den Zöllnern der Kühlschrank durchsucht. Der nette Grenzbeamte ist allerdings nicht sehr genau und wir quatschen eher über die Pfalz – er wurde in Zweibrücken geboren – und so bleibt es bei der Konfiszierung einer Avocado, die Frühlingszwiebeln dürfen bleiben, denn die sind made in Mexiko. Versteh wer will… Übrigens: bis wir hier am Grenzübergang das erste Mal Alaska betreten sind wir von Vancouver aus 2700 Kilometer durch Kanada gefahren. Das ist weiter als von Oslo nach Barcelona und für uns eindeutig zu viel Fahrerei. Nur langsam gewöhnen wir uns an diese völlig andere Art zu Reisen. Waren bisher eher immer die „Steher“ sind wir nun „Langstreckenfahrer“.

Skagway, das kleine Städtchen am Taiya Inlet und unser erster Stopp in Alaska, war zur Hochzeit des Goldrausches 1897/98 das Ende des Seeweges für die Prospektoren. Von da aus ging es zunächst zu Fuß weiter über den Chilkoot Pass auf die abenteuerliche Reise in den Klondike. Wer zum Sommer am Ziel sein wollte, musste den schroffen Pass (1000 Höhenmeter) im Winter erklimmen, am Seeufer des Lake Bennett (bis dahin 53 Kilometer) beim Bootsbau mithelfen (oder sogar in Einzelteilen zerlegte Boote über den Pass schleppen) und nach dem Aufbrechen des Eises in Richtung Yukon River ablegen. Ab Februar 1898 kontrollierten kanadische Grenzer hinter der Passhöhe, ob jeder den geforderten Ein-Jahres-Vorrat mitbrachte. Die legendäre Ton of Goods umfasste 520 Kilogramm Lebensmittel und 180 Kilogramm an Ausrüstungsgegenständen und Kleidung. Packtiere kamen wegen der heftigen Steigungen auf dieser Route nicht in Frage, also mussten die Prospektoren den Transport selbst übernehmen. Wer angesichts dieser Sisyhus-Arbeit nicht vorher aufgab, benötigte etwa 3 Monate bis er seine Ausrüstung Stück für Stück zum Lake Bennett verbracht hatte. Insgesamt kamen ohne weiteres 2.000 Kilometer Fußmarsch in Eis und Kälte zusammen. Etwa 30.000 überstanden im Winter 1897/98 diese Tortur. Sie kamen im Sommer, nach der nicht ungefährlichen Bootsfahrt in Dawson City an. Die allermeisten jedoch zu spät. Die aussichtsreichsten Claims waren längst vergeben und das wertvolle Metall bereits ausgebeutet. Das sehr gut gemachte Visitorcenter berichtet sehr eindrücklich von den unvorstellbaren Strapazen der Goldsucher in dieser Zeit.

Die zahlreichen Kreuzfahrtschiffe, die hier anlanden, sind glücklicherweise relativ leer und so können wir ohne Touristenmassen durch den hübschen Ort bummeln. Unser Quartier für die Nacht schlagen wir in der Ghosttown Dyea, etwas außerhalb von Skagway, auf. Hier treffen wir auch wieder auf Heather, Jon und Ivan und verbringen zusammen einen launigen Abend am Lagerfeuer, doch nicht ohne vorher selbst ein paar Meter auf dem legendären Chilkoot Trail gelaufen zu sein.

Am folgenden Nachmittag bringt uns die Fähre nach einer tetrisartigen Verladung übers Meer nach Haines, auf der 1,5 stündigen Fahrt zeigt uns sogar ein Humpback Wal seine beeindruckende Flosse. Unser Ziel für die nächsten Tage ist der Chilkat State Park. Von dort aus machen wir eine schöne Wanderung zu den Twin Coves (dabei haben wir das Bärenspray immer griffbereit, denn neben Schwarzbären tummeln sich hier auch Grizzlys) und lassen zum ersten Mal seit ewiger Zeit unser Kanu zu Wasser. Das Wetter ist traumhaft, wir können sogar die kurzen Hosen auspacken und werden mit dem Anblick eines mächtigen Weißkopfseeadlers aus nächster Nähe belohnt.

Der Haines Highway bringt uns schließlich zurück nach Kanada und so setzen wir unsere Route im Yukon Territory fort. Der Grenzübergang ist freundlich und mit vielen Fragen gründlich, aber da die Kanadier entspannter sind bei der Einfuhr von Lebensmitteln, bleibt der Kühlschrank zu.

Der riesige Kluane Nationalpark bleibt uns bis auf die informativen Visitorcenter und einem Blick durch das Fernglas auf einige Dall Sheeps verborgen. Das Gebiet ist für uns Touristen nur mit geführten Touren, in der Regel mittels kleiner Wasserflugzeuge, zugänglich. Auf die Wanderung von der Straße aus verzichten wir, haben wir doch direkt am Highway einen großen Grizzlybären entdeckt. Auf einem sehr schönen Wildcampingspot direkt am Donjek River, machen wir das ersten Mal Bekanntschaft mit neuen Reisebegleitern: die Mückensaison hat begonnen. Blieben wir bisher verschont, fallen sie nun gnadenlos über uns her. Innerhalb kürzester Zeit sind wir völlig zerstochen und so bleibt uns nur die Flucht nach drinnen. Wir kramen das aus unserer Zeit in Florida übriggebliebene „Deet“, die nordamerikanische Version von Autan, und unsere zusätzlichen Mückenschutzgitter aus den Schränken und lassen beides in Griffweite für die nächsten Wochen.

Ein Stück hinter Beaver Creek, steht schon wieder ein Grenzübergang an, nach „nur“ 500 Kilometern in Kanada geht es zurück nach Alaska. Das übliche Frage-Antwort-Spiel mit dem Grenzer ist kurz und schmerzlos, unser B2 Visum läuft ja auch noch bis Mitte Juli. An Lebensmitteln ist diesmal niemand interessiert. Bereits vor der Grenze wird der Zustand des Alaska Highway immer schlechter, wir müssen aufpassen, dass der Dicke nicht abhebt. Die Permafrostböden tauen auf und damit wird der Straßenbelag wild auf- und abgeworfen, es gleicht einem wilden Ritt.

Im Tetlin Wildlife Refuge wurde ein schöner, kostenfreier Campground an einem kleinen See eingerichtet und so beenden wir unseren Fahrtag schon mittags mit einem leckeren Barbecue. Am Abend machen wir dann noch eine kleine Ausfahrt mit dem Kanu, dabei paddeln wir auch durch einige Schilfgürtel am Ufer. Keine gute Idee wie sich beim Rausnehmen des Boots herausstellt – haben sich doch an die Unterseite einige Blutegel geheftet. Eklige kleine Biester – aber noch schlimmer war einer unserer Mitcamper: um 10 Uhr abends fällt ihm ein, auf einen anderen Spot umzuparken, dabei eine (Unter-) Hose anzuziehen hat er leider vergessen. Michaela wird wohl auf mindestens einem Auge immer blind bleiben…

Nach einigen Fahrtagen über Tok und Glennallen gelangen wir schließlich in den Wrangell-St. Elias Nationalpark. Ein Gebiet, zweimal so groß wie die Schweiz und nur durch zwei Stichstraßen mit Fahrzeugen erreichbar. Wir freuen uns sehr auf die Fahrt auf der McCarthy Road, eine 60 Meilen Schotterpiste auf der alten Bahntrasse der Copper River & Northwestern Railway. Die Straße endet am Kennicott River und wir beziehen zusammen mit Tanja und Thomas Quartier auf dem wilden Campground direkt am Fluss. Und dann geht es auch schon los, wir packen die Fahrräder aus und radeln 8 Kilometer, immer bergauf, zur alten Minenstadt Kennecott, 1911-1938 eine der reichsten Kupferminen der USA, heute ein National Historic Landmark. Neben der sehenswerten Ghost Town, ist unser Ziel vor allem der nahegelegene Root-Glacier – und nach einem kurzem Hike stehen wir auch schon drauf. Grandios! Der Gletscher ist quasi spaltenfrei und so können wir problemlos drauflosspazieren und uns am blauen Eis sattsehen. Müde und erschöpft von dem ereignisreichen Tag lassen wir uns im kleinen Dörfchen McCarthy im „Potatoe“ nieder. Und wir staunen nicht schlecht, steht doch auf der Getränkekarte ein Ayinger Weißbier – Peter ist im Himmel. Überhaupt gefällt uns die Atmosphäre in diesem Nest außerordentlich gut und so fallen wir abends sehr glücklich ins Bett. Leider kippt nachts das Wetter und es schüttet ordentlich, so wird die Rückfahrt zur Schlammpartie. Der Dicke sieht aus wie nach einem Moorbad, soll ja gesund sein – aber Spaß hat‘s gemacht zumal wir noch einen tapsigen Baby-Elch neben der Straße entdecken.

3 Gedanken zu „Finally Alaska

  • Dr. Ulrich

    Endlich Alaska. Wir haben bisher schon so viel gesehen. Und Alaska ist riesig groß, Da bekommen wir sicherlich noch etliche Berichte von euch. Prima!
    Bleibt weiterhin vorsichtig.
    Liebe Grüße
    Brigitte und Uli

    Antwort
  • Wie immer, saustark. Tolle Bilder
    Pa

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  • Denise

    Oh meine Güte, wie super! Die Photos sind wie immer ganz toll! Bleibt heile und Gute Fahrt!

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