Southbound

18.08. – 10.10.2022

Unsere drei Wochen Heimaturlaub in Deutschland sind prall gefüllt, so vergeht die Zeit viel zu schnell und ruckzuck sitzen wir wieder im Flieger zurück nach Kanada. Liebe Familie, liebe Freunde – herzlichen Dank für die wunderschöne Zeit!

Am 09.09. kommen wir spätnachts am Dicken an und finden ihn genauso vor wie wir ihn zurückgelassen haben. Wir fallen hundemüde ins Bett, doch dank Jetlag ist das Schlafvergnügen eher kurz. Am nächsten Morgen machen wir uns erstmal ans Einräumen und Einkaufen, abends rollen wir in einen hübschen Stadtteil von Calgary zum Haus von Alison & Dave. Die beiden haben wir zusammen mit ihren Freunden in den Rocky Mountains kennengelernt und sie haben uns zu sich nach Hause eingeladen. Wir bewundern ihr tolles Townhouse, gehen lecker vietnamesisch Essen und bekommen einen kleinen Einblick in ihr Leben in Calgary. Die Stadt und das Umland haben sehr viel zu bieten, nur leider herrscht 7 Monate im Jahr Winter – wieder nichts für uns. Da die beiden auch sehr unternehmungs- und reiselustig sind, hoffen wir sehr auf ein Wiedersehen.

Dann heißt es für uns wieder „same procedure as every year“ – wir verbummeln unseren Hochzeitstag… Erst abends, an unserem gar nicht mal so tollen Stellplatz fällt es uns ein. Aber immerhin haben wir für ein Raclette eingekauft, so wird doch noch gefeiert! Die nächsten Tage verbringen wir im Südteil der Forestry Trunk Road, einer Forststraße die wir weiter im Norden bereits einmal kurz befahren haben. Wir genießen die Ruhe und Abgeschiedenheit und kommen langsam wieder an im Reiseleben.

Nach einer kurzweiligen Fahrt durch Prärieland taucht vor uns das Panorama der südlichen Rocky Mountains auf. Nirgendwo sonst in Kanada ist der Übergang von Flachland zu Hochgebirge derart abrupt. Unser Ziel ist der Waterton Lakes Nationalpark, er beherbergt mit dem Upper Waterton Lake den tiefsten See der Rockies (148 Meter). Der Campground, zumindest der Teil für die autarken Camper, liegt recht schön und hat zudem hat erstklassige Duschen. Wir unternehmen ein paar schöne Wanderungen zu versteckten Seen in den Bergen, leider ist der Wald im Park aber durch ein Feuer, dass vor ein paar Jahren hier durchgerauscht ist, arg in Mitleidenschaft gezogen worden.

Danach sagen wir Tschüß zu Kanada und machen uns auf in Richtung Grenze in die USA. Wie immer, haben zumindest Teile der Besatzung ein blödes Gefühl im Magen. Diesmal aber völlig unbegründet. Alle Grenzbeamten sind superfreundlich und wir bekommen ohne irgendwelche Fragen neue 6 Monate Aufenthalt. Warum kann das nicht immer so sein?  

So rollen wir gut gelaunt im Glacier Nationalpark ein – wir bekommen einen sonnigen Platz auf dem Campground und machen uns auf zur Wanderung zum Grinell Lake. Anders als der Name des Parks vermuten lässt, gibt es hier keine Gletscher mehr, allenfalls noch ein paar ganzjährige Schneefelder. Das tut der Schönheit des Gebirges aber keinen Abbruch. Wir sind sehr begeistert von dieser traumhaften Kulisse zumal sich der störende Rauch, der uns in den letzten Tagen öfter mal die Aussicht (und auch das Schnaufen) vermiest hat, verzogen hat. Bereits am nächsten Tag fahren wir allerdings ein Stück weiter bis zum St. Mary Campground. Von dort aus nehmen wir den kostenlosen Shuttle auf die Going-to-the-Sun Road. Lt. Reiseführer eine der schönsten Gebirgsstrecken der USA. Der Dicke ist zum Befahren der Straße zu hoch, es gibt einige Felsüberhänge, unter denen wir nicht durchpassen – macht aber nichts, wir sind eh Fans von diesen Shuttlebussen. Für uns ist es schleierhaft warum in den Nationalparks Individualverkehr zugelassen wird, wenn es doch so tolle, viel bessere Möglichkeiten gibt. Wir steigen am Visitorcenter zu und lassen uns über den Logan Pass bis zum Avalanche Creek chauffieren. Wir genießen die herrlichen Ausblicke auf die besondere Gipfelkulisse. Jeder Berg steht für sich und ist völlig anders ausgeprägt als sein Nachbar. Einzigartig. Zurück am Logan Pass steigen wir aus und spazieren 3 Kilometer zum Hidden Lake. Der See ist zauberhaft, aber noch mehr erfreuen wir uns an den zahlreichen Mitwanderern, die sich die 200 Höhenmeter hinauf quälen. Auf dem Rückweg werden wir mehrmals angesprochen, wie weit es denn noch sei und ob sich der Anmarsch wirklich lohnt. Typisch Amerikaner!

So richtig sind wir momentan allerdings nicht im Bleibemodus und ausserdem wartet in Missoula ein Paket auf uns. Wir brauchen dringend neue Wasserfilter. So schieben wir einen langen Fahrtag durch die wunderschöne Landschaft Montanas ein. So ein bisschen lässt sich der Gedanke, vielleicht doch nochmal einen Sommer hier oben, im Norden der USA, zu verbringen, nicht aus unseren Köpfen vertreiben. Naja, soll er sich es sich da mal gemütlich machen, vielleicht kommt er ja doch nochmal zum Zug.

Auf dem Charles Waters Campground, im Süden von Missoula, heißt es dann aber doch mal bleiben. Wir verbringen 3 Tage mit Basteln und Schrauben auf dem schönen Platz, werden vom Camphost mit Feuerholz versorgt und arbeiten so in toller Umgebung ein paar to-do´s auf unserer Liste ab. Aus Deutschland haben wir viele Ersatzteile mitgebracht, die natürlich auch verbaut werden wollen. So bekommt der Dicke neue Gummipuffer für die Stabis der Vorderachse und auch die Kabine wird hier und da wieder auf Vordermann gebracht. Dann kommt tatsächlich ein Regentag und erlöst uns von der Schufterei – wir nutzen die Gelegenheit und nehmen die Scenic Road entlang des Salmon River bis nach Idaho unter die Räder. Weil wir nun ja bereits im dritten Reisejahr die USA unsicher machen, haben wir die Gelegenheit auch weniger bekannte Gegenden zu erkunden. Der Iron Creek Nationalforest, am Fuße der Sawtooth Mountains in der Nähe des Örtchens Stanley ist so eine Gegend. Wir finden einen Traumplatz unter wunderschönen Kiefern, bekommen aufgrund des lichten Waldes ausreichend Solarenergie ab, unser Kühlschrank ist gut gefüllt und wir können tolle Wanderungen in der Wilderness unternehmen – so bleiben wir gleich 5 Nächte.  Wir stehen auf über 2000 Meter Höhe, die Tage sind sehr warm, aber sobald die Sonne weg ist wird es richtig zapfig. Perfekt für das abendliche Lagerfeuer.

Immer entlang des Payette River gibt es mehrere Stellen mit heißen Quellen – wir fahren wir zu den Pine Flats Hotsprings. Direkt aus den Felsen sprudelt das heiße Wasser in kleine Badepools – aber „leider“ brennt die Sonne bei über 30 Grad vom Himmel, es ist uns schlicht zu warm für ein Bad… Aber der Campground liegt sehr schön, also bleiben wir trotzdem.

Dann heißt es mal wieder Vorräte auffüllen und Wäsche waschen, das erledigen wir in Ontario, das bereits in Oregon liegt. Die Nacht verbringen wir, eigentlich sehr schön direkt am Snake River. Aber nachts frischt plötzlich der Wind auf und heftige Böen bringen den Dicken so zum Schaukeln, dass an Schlafen nicht zu denken ist. So packen wir nachts um 2(!) unseren Kram und fahren 3 Kilometer weiter hinter eine Kurve, weg vom Fluss. Und zack, schon ist es ruhig.

In mehreren Etappen fahren wir in das John Day Fossilbeds Nationalmonument. Wir machen ein paar Tage ein bisschen langsamer, Peter bastelt (unter anderem eine tolle Konstruktion damit wir unsere Solardusche auch drinnen verwenden können) und Michaela ruht sich aus. Sie hat sich leider eine fiese, schmerzhafte Ohrenentzündung eingefangen die nur im Ruhemodus auszuhalten ist. Ein paar kleinere Wanderungen machen wir in dieser tollen Gegend aber trotzdem. Im Blue Basin und in den Painted Hills sieht es aus als hätte jemand seinen Malkasten ausgeschüttet. Bob Ross vielleicht?

Nach einigen Tagen ist das Ohr zwar nicht gut, aber erträglicher und so geht es weiter zum Smith Rock State Park. Genial wie sich die rötlichen Felsen aus der Ebene erheben, fast so schön wie in Utah. Der Misery Ridge Trail ist zwar mit 6 Kilometer nicht besonders lang, geht dafür aber steil nach oben. Praktischerweise haben wir uns die Sonnenseite für den Aufstieg ausgesucht – macht nix, so frieren wir auf der Schattenseite wenigstens nicht, da wir immer noch schwitzen. Vielen Dank an Sonja & Philipp für den Tipp!

Bei Sisters suchen wir uns im Deschutes Nationalforest wieder ein Plätzchen für ein paar Tage. Wir freuen uns total, denn es gibt ein Wiedersehen mit Sandie und Karsten. Mal wieder kreuzen sich unsere Reisewege und wir können ein paar Tage miteinander verbringen. Wir kochen, radeln, quatschen, schrauben, trinken und tauschen fleissig Reisetipps, -führer und Karten aus. Wir saugen ihre Empfehlungen für die Baja in Mexiko auf, unserem Winterquartier für dieses Jahr. Michaela wird aus der sehr gut bestückten Reiseapotheke der Beiden mit Antibiotika versorgt, alles andere hat bei der Behandlung des Ohrs leider versagt. Aber dann heißt es tatsächlich irgendwann Abschied nehmen. Wir sind sehr gespannt wann und wo wir uns hoffentlich wieder sehen werden!

Über Bend fahren wir auf die Cascade Lakes Scenic Road, naja muss man jetzt nicht gemacht haben. Dadurch entdecken wir auf der Karte aber eine gestrichelte Linie, die uns weiter in den Süden bringt. Gestrichelt heißt, offizielle Verbindungsstraße, aber ungeteert. Es geht auch gut los – gut geschobene Piste, zweispurig. Dann wird der Gravel zu Sand und die Piste immer schmaler. Oben am Windigo Pass (so heißt auch die Straße), passen wir gefühlt gerade noch so durch. Wie gut, dass hier überhaupt kein Verkehr ist und so können wir die Fahrt durch den schönen Wald auch sehr genießen. Als Belohnung wartet nach 60 Kilometern der East Lemolo Campground, direkt am North Umpqua River auf uns. Wie auf allen Campgrounds, die wir in den letzten Wochen besuchen, ist auch hier schon Spätsaison, und wir sind alleine. So mögen wir das!

Für alle Nationalparks die wir in den USA besucht haben, klebt ein Aufkleber an unserer Eingangstür. Mittlerweile haben sich dort 32 Aufkleber angesammelt, also kaum zu glauben dass es immer noch Parks gibt, die wir nicht besucht haben… Aber es sind noch einige übrig, so unter anderem der Crater Lake Nationalpark, unser nächstes Ziel. Der See ist durch den Einsturz eines Berges nach der Explosion der darunterliegenden Magmakammer entstanden. Er ist knapp 600 Meter tief und gehört demnach zu den tiefsten der Erde. Gespeist wird der See nur durch Regen und Schnee, er hat keinen Zu- oder Abfluss. Dadurch gelangen auch keine Trübstoffe oder Schwebeteilchen ins Wasser und dadurch ist er so sauber, dass man bis zu 42 Meter in die Tiefe gucken kann. Wahnsinn. Berühmt ist der See auch für seine tiefblaue Farbe – leider ist der Himmel etwas rauchverhangen als wir am Kraterrand stehen und fasziniert in die Tiefe schauen. Aber das Blau ist auch so immer noch großartig.

4 Gedanken zu „Southbound

    • 2. November 2022 um 4:47
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      …und das nur weil Ihr dabei wart! Es war wie immer sehr, sehr schön!!!!

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  • 30. Oktober 2022 um 5:58
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    Ich habe in den letzten Tagen wiederholt an Euch gedacht und mich jetzt sehr über den aktuellen Bericht gefreut. Zum Einen wurden ein paar schöne Erinnerungen geweckt, da ich selber schon in Kanada und Oregon unterwegs war, und zum Anderen stärkt es die Vorfreude auf die Zeit, wenn Sandra und ich unseren Reisetraum erfüllen können. Vielen Dank dafür, Euch weiterhin eine gute Reise und liebe Grüße von Sandra und mir …

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    • 30. Oktober 2022 um 15:53
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      Liebe Sandra, lieber Holger, wir freuen uns total dass ihr unsere Reise begleitet und noch mehr natürlich dass wir uns überhaupt kennengelernt haben! Hoffentlich kreuzen sich unsere Wege bald mal wieder! Liebe Grüße aus Kalifornien

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