Nix als Steine

08.09. – 30.09.2020

Unseren neunten Hochzeitstag, den wir mal wieder beinahe vergessen, verbringen wir in der City of Rocks in Idaho. Das Kletter- und Wanderparadies ist ein erfrischender Kontrast zum sonst eher kargen Farmland des für seine Kartoffeln (?) berühmten Staates (Schreiben die Idahoer zumindest selber auf ihr Nummernschild). Wir bleiben zwei Tage bevor wir von einem älteren Ehepaar den Tipp bekommen in den Logan Canyon zu fahren.  So fahren wir spontan 200 Kilometer weiter nach Utah und bereuen es nicht. Wir finden einen tollen Stellplatz im Wasatch-Cache National Forest und wandern am nächsten Tag auf 3.041 Meter, auf den Naomi Peak. Doch dann drängt etwas die Zeit – seit Ewigkeiten haben wir mal wieder einen Campground reserviert und zwar auf Antelope Island im Great Salt Lake. Vor unserem inneren Auge liegen zwei Tage Badeferien mit ausgiebigem Chillen im Salzsee, denn das soll hier möglich sein. Leider werden wir ziemlich enttäuscht. Der Salt Lake ist sehr flach, stinkt aufgrund des brackigen Wassers zum Himmel und ist noch dazu ein Paradies für Fantastilliarden  schwarzer Fliegen und allerlei weiteren Getiers. Gefühlte 5 Minuten verbringen wir im Wasser (man schwimmt tatsächlich wie ein Korken auf der Oberfläche), bevor wir die Flucht ergreifen und den doch recht schönen, und vor allem gestankfreien Stellplatz genießen. Am zweiten Tag bekommen wir hohen Besuch – ein stattliches Bisonmännchen kommt bis auf wenige Meter an uns heran – sehr respekteinflößend!

Bereits seit einigen Wochen fahren wir 20 Liter frisches Motoröl mit uns herum, ein Ölwechsel beim Dicken steht an. Bislang fehlte es an passender Gelegenheit, aber nun werden wir in Salt Lake City, in „Charlys Garage“ fündig. Louis, der mexikanische Chefmonteur, räumt uns den Vorplatz seiner Halle frei, stellt uns das nötige Equipment, wie eine Ölwanne für das Altöl zu Verfügung, und schon geht’s los. Wir können alles in supernetter Gesellschaft selbst erledigen und als wir Louis für seine Hilfe entschädigen wollen, winkt der nur lachend ab und sagt: „explore the world for me!“  Great!

Wir noch sind früh dran an diesem Tag und so nehmen wir noch den Guardsman Pass in Richtung Osten unter die Räder. Dieser führt sehr malerisch durch die Skigebiete des einzigen, von West nach Ost verlaufenden Gebirges der USA, in zahlreichen Serpentinen zunächst auf die Passhöhe, bevor es halsbrecherisch wieder nach unten geht. Das Gefälle von 10% ist mit dem Gewicht vom Dicken sehr anspruchsvoll zu fahren – die knapp 8 Tonnen schieben uns den Berg hinunter und die Bremsen glühen und stinken auch gewaltig als wir endlich unten ankommen. Da brauchen wir erstmal ein paar Erholungsbier am Strawberry Reservoir, unserem Platz für die Nacht.

Eigentlich so gar nicht auf unserer Liste hatten wir das Dinosaur National Monument – es liegt nicht wirklich auf unserer Route und einen weiten Umweg wegen ein paar Dinoknochen? Glücklicherweise widmet unser 10 Jahre alter Reiseführer dem Monument einen ausführlicheren Blick und schon ist die Entscheidung gefallen. Spricht dieser doch von „einem der schönsten Campingplätze im Westen der USA – dem Echopark“. Doch bevor wir dorthin kommen, kümmern wir uns erstmal um die Dinos. Eine beeindruckend über den Ausgrabungsfelsen gebaute Halle und eine toll gestaltete Ausstellung gibt einen faszinierenden Einblick in die Welt der Millionen von Jahren alten Tiere. Und in das Glück der Forscher, so viele unterschiedliche Exemplare auf einem Haufen zu finden. Nach einer Nacht auf BLM-Land, ein paar Meter ausserhalb der Parkgrenzen, suchen wir uns unseren Weg in Richtung Echopark über alte Farmstraßen, die kreuz und quer über die Hochebene verlaufen. Vom Navi etwas verlassen finden wir trotzdem die Asphaltstraße wieder, die uns zum Abzweig des angepriesenen Campingplatzes führt. Vor uns liegen nun 20 Kilometer herrliche Piste, nur mit 4×4 bei Trockenheit zu befahren. Wir danken dem Farmer, der vor zig Jahren diese Straße angelegt hat, um zu seinen Weideflächen zu kommen und der sein Land anschließend an die Regierung zur Errichtung dieses Parks verkauft hat. Wir fahren still durch den Golden Canyon und staunen. So schön ist es hier. Und als wir am Campingplatz ankommen, müssen wir dem Reiseführer uneingeschränkt recht geben – wir sind begeistert. Der Platz liegt direkt am Green River, der mäandernd seine Schleifen durch die von ihm gegrabenen Canyons zieht und wird eingerahmt durch hohe, rote Sandsteinwände, die von der Sonne angestrahlt magisch leuchten.

Drei Nächte bleiben wir, wandern toll angelegte Pfade am Ufer des Green River entlang und lernen Jodi und Andy aus Boulder kennen. Wir verbringen einen sehr launigen und interessanten Abend und wer weiß, vielleicht klappt tatsächlich ein Wiedersehen? Wir würden uns sehr freuen!

Wir bleiben noch etwas in Colorado (das Dinosaur National Monument teilen sich Utah und Colorado untereinander) und fahren über den Douglas Pass (sehr gut ausgebaut mit nur moderaten Steigungen …) nach Grand Junction. Es braucht einen großen Servicetag mit Einkaufen, Laundry, Baumarkt, Liquor Store und Friseur und dafür ist der Ort perfekt. Wir können alles zügig erledigen und so bleibt am späten Nachmittag noch etwas Zeit für typisch amerikanisches Sightseeing: die Scenic Road durch das Colorado National Monument, eine weitere Canyonlandschaft mit steilen Felswänden und fotogenen Monolithen, die wir noch zur Hälfte abfahren. Fotografieren aus dem Auto und steigen maximal für eine andere Perspektive mal kurz aus. Übernachten können wir gleich außerhalb des Parks auf einem Wanderparkplatz. So ist es am nächsten Morgen nicht weit für die Erkundung der zweiten Hälfte des Monuments.

Am Colorado River entlang gelangen wir am Nachmittag wieder nach Utah, bis zu den Fisher Towers und kommen pünktlich bei dunkelsten Wolken an. Der Himmel sieht aber bedrohlicher aus als es schlussendlich wird – nur etwa eine Stunde regnet und stürmt es und dann ist der Spuk auch schon vorbei und die Sonne lässt sich wieder blicken. Unser erster Regen seit Wochen! Da es für die Wanderung bei den Felsentürmen aber mittlerweile zu spät ist, lassen wir uns zwei Nächte auf dem BLM-Campground nieder, entzünden mal wieder ein Lagerfeuer und ärgern uns über die Generatoren einiger Mitcamper…

Im Arches Nationalpark bei Moab ist im September/Oktober Hauptsaison und so machen wir uns bereits am frühen Morgen auf den Weg in den Park. Und das ist auch gut so, ergattern wir doch einen der letzten Parkplätze am Ausgangspunkt der Wanderung in den Devil´s Garden. Ein paar Stunden sind wir unterwegs auf der Suche nach den Arches, die durch Wind und Wetter geformten Felsbögen im roten Sandstein. Fast noch mehr als die bereits vorhandenen Bögen faszinieren uns die vielen Stellen, an denen die Bögen der kommenden Jahrtausende bereits zu erkennen sind. Für die Nacht lockt uns ein Stellplatz, wieder einmal direkt außerhalb der Parkgrenzen, quasi an einem Hintereingang in den Park, nur über eine 8 Kilometer lange Piste zu erreichen. Diese hält ein paar fahrtechnische Schmankerl für uns bereit, aber alles geht gut und so stehen wir nach Überwindung einer großen Steinstufe oben auf einem Hügel und erleben einen fantastischen Sonnenuntergang. Am nächsten Morgen sind wir wieder früh unterwegs, um zum Highlight des Parks, dem Delicate Arch, zu wandern. Und der verspricht wirklich nicht zu viel, denn er steht völlig frei am Rande einer riesigen Suppenschüssel!

Unser nächstes Ziel liegt gleich neben dem Arches – der Canyonlands Nationalpark ist quasi nur „über die Straße“. Naja, einige Meilen sind es schon und so suchen wir uns erstmal ein schönes Ausgangsquartier auf BLM-Land für die nächsten Tage um von dort aus den Park zu erkunden.

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