Schweden – der Sonne entgegen

Die Fahrt gen Süden ist bei kräftiger Sonne so ziemlich die schlimmste Richtung, in die man mit dem Dicken fahren kann. Obwohl unsere „Klimaanlage“ dank manuell und sogar stufenlos verdrehbarer Fensterkurbel eigentlich alle Voraussetzungen für kühlenden Fahrtwind mitbringt, reicht auch das diesmal nicht. Dass der Fahrer zudem mehr Sonne abkriegt als der Beifahrer ist eigentlich unfair, führt aber dazu, dass die Fahrzeugsteuerung überproportional oft durch das weibliche Crewmitglied durchgeführt werden darf. Und dass trotz kräftigem Flüssigkeitsverlust bei ausdauerndem von oben nachfüllen auch exponentiell mehr in der Blase landet, mündet darin, dass wir fast einen Rastplatzführer für Schweden schreiben können. Kurzum, dieser Sommer ist unglaublich, vor allem unglaublich heiss!

Da wir aufgrund der vielen Waldbrände an der Küste bleiben, tingeln wir in den nächsten Tagen von Badeplatz zu Badeplatz. Mal an einem See, mal direkt am Meer – Freistehen ist in Schwedens Norden meist einfach und immer wunderschön. Wie schon in Finnland sind hier oben nicht viele Gleichgesinnte unterwegs und so genießen wir die Ruhe. Ab und an ist aber auch etwas Kultur angesagt und so besuchen wir Gammelstad bei Lulea. Hier befindet sich die größte spätmittelalterliche Steinkirche in Nordschweden aus dem Jahre 1492 sowie das größte, am besten erhaltene Kirchendorf des Landes mit über 400 Kirchenhütten, Wohnhäusern und Warenlagern. Wir bleiben in Lulea am Strand stehen und radeln abends in das kleine Städtchen und gönnen uns in einer Bar am Hafen zwei Weißbier – für je 8 Euro … Skandinavien hat echt auch Nachteile 😉

Die nächsten Tage verbringen wir in der Nähe von Lövanger an einem weißen Sandstrand. Erstaunlicherweise ist das Wasser hier sehr viel kälter als an den anderen von uns besuchten Plätzen und der Aufenthalt im Wasser verkürzt sich dramatisch – zum Ausgleich erhöht sich die Zeit des Reinkommens … Hier findet Peter auch nach vielen Stunden Sucherei unseren zweiten „Schaden“ am Dicken. Ein Problem kommt nämlich niemals allein, so ist exakt zum gleichen Zeitpunkt mit der Undichtigkeit der Dieselpumpe auch das Laden der Aufbaubatterie über die Lichtmaschine ausgefallen. Der Fehler liegt an einem angeschmorten Kabel, wir tauschen es gegen ein neues, dickeres aus und das Laden funktioniert wieder.  Aber da müssen wir wohl bei Gelegenheit nochmal ran, der ganze Aufbau dieses Teils der Technik ist uns ein bisschen zu sehr hingepfuscht. 

Nach dem vielen Rumgeliege an Strand und im Wasser wollen unsere faulen Knochen mal wieder bewegt werden. So fahren wir in den Skuleskogens Nationalpark und sofort bekommt Michaela ein Lied aus ihrer Kindheit nicht mehr aus dem Kopf, und leider auch nicht mehr aus dem Hals: „Wild heult der Wolf des Nachts im Wald, vor Hunger kann er nicht schlafen. Und seine Höhl’ ist bitterkalt, er giert nach fetten Schafen …“ Denn im Park liegt die Höllenschlucht, über die Ronja und ihr Freund Birk in der Geschichte der Räubertochter von Astrid Lindgren, springen. Und genauso wie in der Geschichte fühlt man sich in diesem tollen Gebiet. Jeden Moment könnten Wilddruden, Graugnome oder Rumpelwichte um die Ecke kommen – Zauberwald eben. 

Den nächsten Stop machen wir in Sörfjärden und finden einen Stellplatz direkt im Sand am Strand. Das Wasser ist hier wieder recht warm und die Sonne scheint in den nächsten drei Tagen dazu passend heiß vom Himmel. Wir verbringen einen superschönen Nachmittag/Abend mit den Kölnern Annika und Fabian und führen für uns sehr spannende Gespräche. Wir finden es immer wieder erstaunlich, wie schnell wir uns auf dieser, nun mehr als ein Jahr dauernden Reise, anderen Menschen gegenüber öffnen können. Und in welchem Maße wir diese Offenheit auch zurückbekommen. Wir möchten Euch beiden an dieser Stelle (wir haben gesehen dass ihr unserem Blog folgt und das daher bestimmt auch lesen werdet) für die neuen, sehr erfrischenden Erkenntnisse aus diesen, leider nur wenigen Stunden, sehr herzlich danken ! Komplettiert haben den Abend noch Rene und Olli, über deren Staudammbaukünste wir am übernächsten Morgen noch gemeinsam gelacht haben. Ein bisschen gearbeitet wurde auch, und das in der besten Werkstatt ever – direkt im Sand. Für das nötige Equipment um dem Dicken neue Deckenleisten in der Kabine zu verpassen, haben wir mehrere Baumärkte erfolglos abgeklappert – zum Erfolg führte das gute, alte, weil gewohnte (?) Bauhaus.

Die letzte große Stadt, die wir besucht haben war Helsinki und das ist schon einige Wochen her. Daher freuen wir uns sehr auf unseren Aufenthalt in Stockholm. Die Stadt ist genau unser Ding – nicht zu groß, direkt am Wasser, eine schöne Mischung aus alt und neu. Viele Kilometer laufen wir über die Inseln, auf denen die Stadt errichtet wurde, fahren mit den öffentlichen Fähren bis hinaus zum Freihafen, besuchen das beeindruckende Vasa-Museum und unternehmen eine Schiffsfahrt hinaus in die Schären. Bekommen abends in Södermalm (oh mann, hier könnte man schon wohnen) keinen Platz für einen Absacker, lassen uns den heftigen Wind um die Nase wehen, sehen eine Robbe im Hafen planschen und waschen endlich auch mal wieder unsere Wäsche. Nur auf dem Campingplatz, da fühlen wir uns so eng eingepfercht nach all den Wochen in freier Natur nicht mehr so recht wohl. Aber irgendwas ist halt immer 🙂

Schweden, Du gefällst uns… to be continued. 

2 Gedanken zu „Schweden – der Sonne entgegen

  • 28. September 2018 um 12:27
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    Hallo ihr zwei!

    Nun ist schon viel Zeit vergangen, seit diesem wirklich sehr schönen Abend an der schwedischen Küste. Der Alltag hat uns wieder und ich ärgere mich schon seit Wochen, dass ich mir hier noch nicht gemeldet habe. Nun denn, jetzt passiert es ja. Es ist immer wieder schön, hier rein zu schauen.
    Wir hatten noch eine wirklich tolle Zeit – Norwegen war landschaftlich phantastisch, aber einen so schönen Platz wie dort in Schweden haben wir nicht wieder gefunden. Und natürlich keine so angenehmen Gesprächspartner 😉
    Wir hoffen und sind sicher, dass ihr weiterhin eure Reisen genießt. Auf bald!

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    • 2. Oktober 2018 um 16:05
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      Hey Ihr zwei Lieben, das ist aber schön dass Ihr Euch nochmal meldet. Bestimmt haben Euch schon ein paar Mal die Ohren geklingelt – wir denken immer noch oft an Euch!
      Vielen Dank fürs Mitreisen und gerne bis bald, wo auch immer 🙂
      Liebe Grüße, Michaela und Peter

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