Polen – abseits der Küste

Nach Danzig verlassen wir für eine Weile die Ostseeküste und fahren ins Landesinnere, genauergesagt nach Malbork. Hier steht die Marienburg, das größte Backsteinbauwerk Europas direkt am Ufer der Nogat. Die Burg wurde im 13./14. Jahrhundert vom Deutschen Orden erbaut, dem in seiner Blütezeit bis zu 3000 Ritter angehörten. 1409 kam es zum Krieg mit dem riesigen polnischen-litauischen Doppelreich, der 1410 in der legendären Schlacht von Tannenberg gipfelte. Der größten Schlacht des Mittelalters auf mitteleuropäischem Boden. 

Kurz überlegen wir, ob wir uns den dritten Audioguide in Folge wirklich antun wollen, machen uns aber dann doch auf den Weg über die Brücke von unserem Campingplatz auf der anderen Flussseite. Und wir haben es nicht bereut. Da es bereits später Nachmittag ist, und die zahlreichen Reisegruppen schon wieder auf dem Weg zum nächsten Ziel, können wir die beeindruckende Anlage in Ruhe besichtigen. Die Erzählungen des Guides waren zudem so anschaulich gemacht, dass wir uns richtig gut vorstellen konnten, wie das Leben damals auf dieser Burg abgelaufen ist. 

Um zu den geneigten Ebenen des Oberländischen Kanals zu kommen, dürfen wir weitere Finessen des polnischen Straßenbaus erleben. Unser Highlight ist diesmal mit Asphalt übergossenes, und an vielen Stellen wieder freigerumpeltes, krummbuckeliges Kopfsteinpflaster. Die ungeteerten Pisten waren uns auf dieser Etappe echt am liebsten. Dass die Landstraßen überwiegend von wunderschönen, großgewachsenen Bäumen malerisch eingefasst sind, entschädigt uns allerdings für alles. 

Im Kanal hilft den Kapitänen der Wunsch „immer eine handbreit Wasser unterm Kiel“ nur bedingt – werden die Schiffe doch, um die Höhenunterschiede auszugleichen, mittels einer Lore über Schienen auf einer schiefen Ebene gezogen. Die Lore nimmt die Schiffe quasi huckepack während ein Wasserrad mittels Kanalwasser für den nötigen Antrieb sorgt. Über 5 dieser geneigten Ebenen werden auf 9 Kilometer insgesamt 85 Höhenmeter überwunden. Ohne diese geniale Idee eines Königsberger Ingenieurs hätten 32 Schleusenkammern gebaut werden müssen, um Holz aus den oberländischen Wäldern an die Ostseehäfen zu transportieren. Heute dient der Kanal als Touristenattraktion und wird liebevoll in Stand gehalten und begeistert vorgeführt. 

Nach so viel Sightseeing, Kultur und Fahrerei freuen wir uns auf ein paar ruhige Tage an der masurischen Seenplatte. Wir landen in Mikolajki, grillen mal wieder ausgiebig und erkunden die Gegend mit unseren Klappgeschossen. Hier kommen wir auch das erste Mal in Kontakt mit der örtlichen Mückenszene – diese ist sehr gut vernetzt und es spricht sich schnell rum, welchen Weg die neuen Opfer in den nächsten Tagen und Wochen nehmen werden. 

Unsere letzte Station in Polen ist das kleine Örtchen Wigry an der suwalkischen Seenplatte. Ein traumhafter Stellplatz am Seeufer, in Sichtweite des bekannten Klosters beherbergt uns 4 Tage. Der Nationalpark ist ein beliebtes Paddelrevier und so heißt es auch für uns – Anpaddeln ! Und hätten wir nicht ein Date in Litauen, wohin unsere weitere Reise uns führt, würden wir wohl noch immer am Ufer sitzen, den Vögeln und Fröschen lauschen, die herrlichen Sonnenuntergänge genießen und, und, und… 

 

Besonders zu erwähnen ist noch, dass unser Dicker am 22. Mai 2018, um 14.31 Uhr, bei voller Fahrt quasi Geburtstag gefeiert hat. Er hat seine ersten 100 Tausend voll gemacht, davon bereits 32 Tausend mit uns. Herzlichen Glückwunsch nochmal an Dich und vielen Dank dass Du die Reise genauso gerne machst wie wir 🙂

2 Gedanken zu „Polen – abseits der Küste

  • 2. Juni 2018 um 16:25
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    Hi Peter and Michaela,
    We have not emailed but we are following your journey with great interest. We have decided to buy a camper, a more modest one than your own, and all you are telling and showing us looks wonderful.
    George and Morag.
    PS Your pizza sounded fab. A united europe in a dish.

    Antwort
  • 2. Juni 2018 um 13:45
    Permalink

    😁😍👍wie immer voll spannend

    Antwort

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