Kreta – und ab nach Norden

16.02.2019 – 24.03.2019

In Paleochora haben wir mit der Lage des Campingplatzes am Rande des Örtchens Glück – der Sturm fegt haarscharf an uns vorbei und so bekommen wir nur die Ausläufer der heftigen Winde und Regenfälle ab. Wir lernen Judith und Flo mit ihrem griechischen Adoptivkater Werner kennen. Die beiden wollen in die Mongolei und liebäugeln bereits mit einem weiteren Mitfahrer, einem herrenlosen Hund (er wird es schlussendlich in den Iveco schaffen). Auch Edith und Peter stranden hier, nachdem ihre Fähre nach Gythio wetterbedingt nun schon die dritte Woche nicht fährt. Wir vertreiben uns die Zeit, reparieren die Solaranlage der Mongoleifahrer und warten auf besseres Wetter. Darin haben wir ja mittlerweile Übung!

Nach knapp einer Woche können wir wieder los und als wir Richtung Westen fahren, sehen wir die Schäden die der Sturm angerichtet hat. Viele Felsstürze, abrutschende Hänge und überflutete Bäche haben einige Straßen arg in Mitleidenschaft gezogen, in der Gegend rund um Chania sieht es noch düsterer aus. Hier hat sogar die ein oder andere Brücke nachgegeben. Die Aufräumarbeiten sind im vollen Gange und so haben wir einigermaßen freie Fahrt an einen der schönsten Strände der Welt: Elafonissi Beach. Das Naturschutzgebiet im äussersten Südwesten Kretas ist wirklich sehenswert. Der Sand ist durch Korallenbruch rosa gefärbt und bildet einen tollen Kontrast zum blauen Wasser und den schwarzen Felsen. Wir bleiben zwei Tagen und relaxen im Windschatten des Dicken, wandern über die Sanddünen zur kleinen Koundourakis-Kapelle und genießen die Ruhe nach dem Sturm. 

Doch nach dem Sturm ist vor dem Sturm!

Eigentlich wollen wir die Sonntagsfähre am 24.02.2019 zurück aufs Festland nehmen, nach intensiven Blicken auf den Wetterbericht und die Windvorhersage entscheiden wir uns bereits zwei Tage vorher einzuschiffen. Der nächste Sturm ist im Anmarsch, der die Insel so richtig durchschütteln wird. Alles was dem ersten Sturm noch standgehalten hat, wird beim Zweiten nachgeben. Der Südwesten wird für einige Tage vom Rest Kretas abgeschnitten, eine wichtige Verbindungsstraße von der Nord- an die Südküste wird für Monate unpassierbar bleiben. Sogar die Samara-Schlucht kann voraussichtlich in 2019 für Touristen nicht geöffnet werden (Stand 24.02.2019). Für unseren Aufenthalt auf Kreta haben wir uns den regen- und sturmreichsten Winter der letzten 60 Jahre ausgesucht. So wird uns die Zeit auf der Insel knapp und wir picken uns noch die Lagune von Balos für einen Besuch heraus. Die 8 Kilometer lange Schotterpiste schüttelt uns ganz schön durch und der Sand in der Lagune liegt ganz anders als auf den Fotos, die wir vorher gesehen haben. Schön ist sie natürlich trotzdem, auch wenn uns die vielen Schwerölrückstände auf der dem offenen Meer zugewandten Seite schon arg erschrecken. Um eine Runde um die Lagune zu spazieren, müssen wir an einer Stelle durchs Meer. Das klare Wasser sieht nicht tief aus, sicherheitshalber ziehen wir aber unsere Jeans aus, falls es uns doch bis zu den Knien gehen sollte. Naja, schlussendlich waren wir nass bis über den Bauchnabel – unser Augen sind als Tiefenmesser wohl ungeeignet.

Unser letzter Tag auf der Insel gibt nochmal alles. 20 Grad, strahlender Sonnenschein und so gesellen wir uns zu den vielen anderen Flanierern und Kaffeeschlürfern an Chanias Hafen. Abends gibt es dann noch ein tolles Wiedersehen mit Katha, Lasse und ihrer Hündin Lilly. Die Drei nehmen die gleiche Fähre und so stärken wir uns zusammen mit einer leckeren Pizza für die nächtliche Überfahrt – einen Giros Pita kann irgendwie keiner mehr sehen …

Γειά σου liebe Kreter, vielen Dank für Eure unwahrscheinliche Gastfreundschaft – wir kommen wieder, dann aber zu einer anderen Jahreszeit!

Nach einer sehr kurzen Nacht auf der Fähre kommen wir morgens in Piräus an und ab jetzt geht es für uns immer Richtung Norden, Mitte März wollen/müssen wir in Deutschland sein – unser Dicker hat einen Termin beim Fahrzeugbauer. Leider ist uns auf dieser Tour (vermutlich in Albanien) unser Zwischenrahmen gebrochen und wir konnten diesen, als wir es in Griechenland bemerkt haben, nur notdürftig flicken lassen. Also geht es früher als ursprünglich gedacht nach Hause, schließlich wollen wir rechtzeitig zu Beginn unserer nächsten Tour alle wieder fit sein!

Nach 4 laaaaangen Fahrtagen landen wir in Belgrad und stellen beim Schreiben dieses Berichtes fest, das wir dort nicht ein einziges Foto gemacht haben. Wir bleiben auch nur ein paar Stunden, denn unser eigentliches Ziel für einen längeren Stop heißt Budapest. An der serbischen Grenze haben wir etwas Mühe, den verschiedensten Ordnungshütern (Polizisten, Zöllnern, Grenzern u.a.) klarzumachen, dass wir ein Wohnmobil sind und nicht als LKW abgefertigt werden können. Nach mehreren Hausführungen klappt es und wir passen dann auch noch grade so durch die Schranke. Die ungarische Grenze ist dagegen gar kein Problem und so parkieren wir uns für 6 Tage auf den stadtnahen Campingplatz und tauchen ein ins Großstadtleben Budapests. Gerade die Abwechslung, die wir dringend gebraucht haben. Die Stadt gefällt uns sehr gut, das Wetter spielt mit und wir ziehen sogar mal wieder abends um die Häuser. Da wir in Budapest den Besuch einer Therme ausfallen haben lassen (das Wetter war eigentlich zu gut und die Meinungen zu durchwachsen), holen wir das nun am Neusiedler See nach. Wir verbringen einen schönen Abend in der nahezu menschenleeren St. Martins-Therme und schwitzen uns durch die große Saunawelt. Anschließend verbringen wir noch fast einen ganzen Tag im Outletcenter vor den Toren Wiens – wir haben das shoppen in all den vergangenen Monaten nicht verlernt, auch wenn wir uns zwischendurch mal für ne Stunde aufs Ohr hauen müssen. In dieser Nacht werden wir dann auch tatsächlich zum allerersten Mal auf unserer gesamten Reise vertrieben – von einem übereifrigen Securitytypen!

Wien ist dann auch die letzte Station unserer Heimreise. Wir freuen uns sehr über den Besuch bei unseren lieben Freunden Ingrid und Herbert und werden bei Kaiserschmarrn und Schnitzel (ok – und Heringssalat) so richtig verwöhnt. Leider spielt das Wetter bei unserem Ausflug auf den Kahlenberg nicht richtig mit und so frieren wir im leichten Schneegestöber, aber bei einem phänomenalen Ausblick über Wien. Die Einkehr im urigen Heurigen „Friseurmüller“ wärmt uns wieder auf – selbstverständlich auch von innen bei Gösser-Radler gemixt mit Almdudler – lecker! Vielen Dank nochmal an Euch Beide für den sehr gelungen Abschluss unserer Südosteuropa-Reise!

3 Gedanken zu „Kreta – und ab nach Norden

  • 27. März 2019 um 4:24
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    Wer ist den bei euch der Fotograf? Tolle Bilder.
    Denise

    Antwort
  • 26. März 2019 um 15:11
    Permalink

    Klasse Bericht, wie immer. Macht Lust auf weitere spannende Geschichten

    Antwort
  • 25. März 2019 um 19:46
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    Ein gelungenes Ende dieser kretischen Unwettertour!
    Wir wünschen viel Erfolg bei den anstehenden Arbeiten am,,Dicken“ und genügend Spaß bei der weiteren Tourenplanung.

    Liebe Grüße aus der Nähe von Gythio, Angela und Torsten

    Antwort

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