Litauen – Auftakt im Baltikum

25.05. – 02.06.2018

Um von Polen nach Litauen zu kommen nehmen wir die Straße 8, die später zur E67 wird – und da sind sie alle: die auf deutschen Straßen uns so vertrauten litauischen LKWs mit Ihren furchtlosen Fahrern. Wir müssen das Gaspedal beim Dicken ganz schön treten, um einigermaßen Schritt halten zu können. Mit 95 km/h kann man sich schon mal in die Kurven legen, auch wenn wir das nicht so elegant im Schlenkerkurs hinbekommen wie der große Fahrzeugtransporter vor uns. 

Einige Kilometer vor Kaunas wird die Straße dann zur Autobahn und so kommen wir doch noch entspannt auf dem Stadtcampingplatz an. Abends begrüßen wir unsere Freunde Gerlinde und Peter, die in den nächsten Wochen zusammen mit uns das Baltikum erobern, mit einem kleinem Barbecue. Am nächsten Morgen schwingen wir uns auf die Räder und erkunden die Innenstadt. Kaunas ist ein nettes Städtchen, aber die Sehenswürdigkeiten sind in einem Tag erkundet und so gehts für uns 4 noch am späten Nachmittag weiter nach Vilnius.  

Vilnius ist dann schon weit mehr unser Ding. 46 % der Stadtfläche sind Parks und Grünanlagen und an vielen Stellen ist die aufstrebende Entwicklung der Stadt zu sehen und zu spüren. Sehr gelungen fügen sich moderne Hochhäuser an der Neris an den alten Stadtkern mit seinen unzähligen Kirchen (übrigens der unterschiedlichsten Religionen) und barocken Gebäuden an. Sogar die Überbleibsel aus der Sowjetzeit passen hier irgendwie rein. Die St. Peter und Paul-Kirche mit ihren über 2000 Skulpturen und der Antakalnis-Friedhof waren für uns die Highlights. Trotz zwei intensiver Tage können wir uns nur einen Teil erschließen – hier könnten wir mal wieder mühelos viele Tage mehr verbringen. Immerhin für einen Besuch des Barbiers hat die Zeit gereicht, typisch Litauen gibts sogar ein Bier zur Schnippelei (und Brennerei !) dazu.

Im Historischen Nationalpark Trakai werfen wir als nächstes unseren Anker aus und besuchen die auf einer Insel im Galvé-See malerisch gelegene Burg. Für 3 von uns heißt es dann auch „Anbaden“ – eine schaut lieber noch vom Ufer aus zu 🙂

Bevor wir uns an der Nemunas (früher Memel) entlang in Richtung Ostsee treiben lassen, besuchen wir noch das ethnographische Freilichtmuseum in Rumsiskes. Hier stehen auf einer Fläche von 176 ha insgesamt 140 Originalgebäude aus ganz Litauen vom Ende des 17.  bis zum Anfang des 20 Jahrhunderts. Wir sind schlau und so dürfen wir uns mit dem Radl das weitläufige Gelände erschließen. In den Gebäuden findet man die komplette Ausstattung der jeweiligen Zeit und auch durch die aufwändig angelegten und gepflegten Aussenanlagen fühlen wir uns wie auf einer Zeitreise.

An der Ostsee angekommen suchen wir uns einen Stellplatz etwas nördlich von Klaipeda. Von dort aus wollen wir mit der Fähre und dem Fahrrad die Kurische Nehrung in zwei Tagen entdecken. Aber (mal wieder) haben wir Pech – der Katamaran, der die Orte Juodkrante und Nida verbindet, fährt in 2018 nicht. Auf der Homepage heißt es dazu nur lapidar „see you next summer“. Also planen wir um und fahren mit dem Beiboot – dem Auto von Gerlinde und Peter – nach Nida und radeln von dort aus los Richtung Norden. Wir bremsen für die Parnidder Düne und winken von dort aus nach Russland rüber, halten am Thomas-Mann-Haus und zum Baden suchen wir uns ein schönes Fleckchen am Ostseestrand. Die Haffseite stinkt leider zum Himmel und ist (zur Zeit?) wohl nur ein „Fischetot“. Wir vermuten dass sich die Abwässer, die die Nemunas mitbringt, hier am Haffrand sammeln. Wehe dem, der ein Ferienhäuschen auf dieser Seite der Nehrung gebucht hat… Alles in allem haut uns die Nehrung nicht vom Hocker – da hatten wir auf der bisherigen Tour schon schönere Sandberge, Strände und Städtchen. So lassen wir es auch bei einem Radeltag und verbringen den letzten Tag in Litauen noch an der Steilküste in Karkles.

Noch eine kleine Anekdote zu Litauen zum Schluss: nirgendwo auf der Welt wird mehr Alkohol getrunken als hier. Dagegen gibt es nun seitens der Regierung eine Reihe von Maßnahmen. Unter anderem wurden die Verkaufszeiten von Alkohol im Supermarkt eingeschränkt. Das wussten wir natürlich nicht – und so guckten wir ziemlich sparsam als die Kassiererin das Bier wortlos vom Kassenband genommen und weggestellt hat. Erst eine Kollegin klärte uns auf dass es am Sonntag nach 15 Uhr nichts mehr zum Saufen zu kaufen gibt 🙂

 

  

4 Gedanken zu „Litauen – Auftakt im Baltikum

  • 20. Juni 2018 um 21:13
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    Hallo Michaela, Peter – ich bin über den Link bei bodensee-overlander auf eurer Homepage gelandet.
    Die Ostsee-Umrundung habe ich mir auch auf die bucket list gesetzt – dauert aber noch etwas, bis wir starten können. Schön, dass ich jetzt schon mit euch reisen und ein bisserl mitträumen kann 🙂
    – ich hab‘ mich sehr gefreut, dass ihr ein LA-Kennzeichen habt; da wohnen wir nicht weit weg 🙂

    Viele Grüße und gute Fahrt.
    Maresa

    Antwort
    • 21. Juni 2018 um 7:38
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      Liebe Maresa, vielen Dank für Deinen Kommentar und fürs Mitreisen :-). Das Baltikum ist wirklich sehr sehr schön. In den nächsten Tagen kommt unser Bericht über Lettland – das topt Litauen aus unserer Sicht noch.
      Viele Grüße in die Heimat,
      Michaela und Peter

      Antwort
  • 17. Juni 2018 um 20:50
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    Hi Michaela und Peter,
    sehr schön, euch getroffen zu haben. Jetzt schon zum 3. MAL und das ohne Verabredung!
    Ich will euch noch sagen, dass ihr auf der Kurischen Nehrung großes Pech hattet. Wir waren vor gut einer Woche für 3 Tage dort und hatten überhaupt keine Geruchsbelästigung, auch keine toten Fische gesehen. Wir sind von Nida nach Preila und Karvaiciai geradelt mit direktem Abstecher direkt ans Haff; keine schlechte Luft. Kann vielleicht auch am Wind gelegen haben.
    In Preila haben wir direkt am Wasser ein sehr nettes und gutes Lokal gefunden mit dem sinnigen Namen Lyra! Sehr empfehlenswert.
    Wir sind inzwischen in Estland, haben aber leider noch keine empfehlenswerten Campingplätze gefunden. Nicht einmal Feuerstellen gab es…!
    Wir wünschen euch weiterhin eine gute Zeit!
    Liebe Grüße Uli und Brigitte

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  • 11. Juni 2018 um 17:35
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    Wie immer ein schöner Bericht 😍

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