Kreta – nix los (mit uns) auf der schönen Insel

11.01.2019 – 15.02.2019

Lange haben wir nichts berichtet, weil es auch nicht viel zu berichten gibt. Kreta ist eine wunderschöne Insel mit aussergewöhnlich netten Menschen, nur sind wir einfach zur falschen Zeit hier. Das Wetter ist sehr unbeständig, es regnet viel und wenn mal die Sonne scheint weht dazu ein kräftiger, kühler Wind. Wanderungen in den unzähligen Schluchten fallen aufgrund der hohen Steinschlaggefahr oft flach und wegen des geringen urbanen Lebens gibt es auch wenig Abwechslung. Großer Vorteil ist allerdings, dass nur wenige andere Camper auf der Insel sind und damit ist freies Stehen ohne Einschränkungen an den wunderschönsten Plätzen möglich. Wehmütig denken wir trotzdem an den letzten Winter in Spanien zurück. Das Wetter war insgesamt viel besser und im Rückblick war die Mischung aus Natur und Stadt ideal für uns, nur die Küste war halt nix.

Aber trotzdem schreiben wir mal auf was wir so gemacht haben:

Nachdem wir uns von der Rakisause am Hafen in Malia erholt haben, machen wir uns auf, die Insel zu umrunden. Wir fahren nach Elounda, um die Halbinsel Kalydon zu umwandern. Das Wetter hält gerade solange, bis wir wieder zurück beim Dicken sind, den wir auf dem malerischen Isthmus (One for you, Hank!) geparkt haben. Über das Allrad-LKW-Forum bekommen wir von Hermann den Tipp, dass wir unseren defekten Generator in der Marina von Agios Nikolaos vielleicht repariert bekommen können. Das kleine Städtchen liegt auf dem Weg und so bleiben wir ein paar Tage dort. Zum einen braucht der hilfsbereite Mechaniker etwas Zeit und zum anderen kündigt sich eine Schlechtwetterfront an. Den Regen und Sturm wettern wir neben Lydia, Albert und ihrer Hündin Kaouki ab. Die drei sind mit ihrem Unimog auch zum Überwintern auf der Insel und wir tauschen unsere Reisegeschichten aus. Leider kann unsere Art Generator auf der Insel nicht repariert werden und so holen wir das gute Stück mit dem Werkstattwagen wieder ab. Bezahlen dürfen wir nichts – griechischer Service. 

Der Wetterbericht verspricht 3 Tage Sonne (Am Stück!) und so fahren wir durch an die Ostküste bis zum bekannten Palmenstrand nach Vai . Der Palmenwald ist zwar mittlerweile eingezäunt (den übriggebliebenen Hippies, die im Wald wochen- und monatelang gehaust haben, sei Dank), die Palmen am Strand vermitteln aber immer noch Südseefeeling pur. Und wenn wir schon mal hier im Osten sind nehmen wir mit der „Deads Gorge“ unsere erste Schlucht in Angriff. Zu Beginn müssen gleich mal die Schuhe runter, um den Einstieg zu erreichen. Das kleine Flüsschen hat aufgrund der Regenfälle der vergangenen Wochen einen recht hohen Wasserstand, wir schaffen es trotzdem fast ohne nasse Socken. Und da nach der Schlucht bekanntlich vor der Schlucht ist, begehen wir ein paar Tage darauf die sehr beeindruckende Perivolakia-Schlucht an der Südküste. 600 feine Höhenmeter, kleine Kletterpassagen und Balanceakte über Wasserstellen inklusive. Beim Rückweg geben wir ordentlich Fersengeld, hängt doch eine dicke schwarze Wolkenfront drohend über dem Berg.

Das Regengebiet holt uns am nächsten Tag auch ein und so suchen wir Unterschlupf und einen Stromanschluss auf dem Camping Koutsounari. Der lange, schöne Sandstrand liegt uns für wetterbedingt kurze Spaziergänge zu Füßen und wir lernen Angela und Torsten kennen, die mit ihrem Iveco auch quer durch Europa unterwegs sind. Wir sind uns gleich sympathisch und so verbringen wir die nächsten Tage zusammen. Nachdem das Wetter sich wieder bessert, fahren wir im Konvoi ein Stückchen weiter. Über Keratokampos landen wir schließlich in Tsoutsouros. Eine geöffnete Taverne und ein Küstenwanderweg locken uns an und versprechen nicht zuviel. Für Angela und Torsten heißt es schon langsam Abschied nehmen von Kreta und so ziehen wir alleine weiter. Am Strand von Komos bleiben wir wieder ein paar Tage hängen (nein, nicht weil wir uns zweimal fast im Sand festfahren, sondern weil es uns gut gefällt) und erkunden von dort aus das Hippiestädtchen Matala. Leider mag in der Wintersaison, wo dort fast alles geschlossen ist, kein Flair aufkommen. Im Sommer lohnt sich bestimmt dann auch die kurze Wanderung zum red beach, wir werfen nur von oben einen Blick auf den leider völlig zugemüllten Strand. Zur Ehrenrettung von Kretas Stränden sei gesagt, dass viel Müll – vor allem Plastikmüll – vom Wind über das Meer an- und je nach Windrichtung auch wieder weggespült wird. Sicherlich das Wenigste wird durch die Bewohner Kretas selbst verursacht – obwohl sie wahrlich keine Musterschüler in Müllbeseitigung sind. Wir selbst unternehmen einige Säuberungsaktionen und denken nach über die Schattenseiten unserer modernen, konsumorientierten Wegwerfgesellschaft. Was braucht es eigentlich noch, um jeden Einzelnen von uns zum Umdenken zu bewegen – oder ist es dafür eh schon zu spät?

Unsere geplante Übernachtung am Preveli-Beach lassen wir sausen, wenn man den Palmenstrand in Vai gesehen hat, kann Preveli nicht mehr mithalten. Zudem sind Zündler am Werk, die herabgefallene Palmwedel dem Feuer übergeben. Ein Blick auf google.maps und wir finden ein schönes Plätzchen direkt am Ammoudibeach. Perfekt für uns, da fast windstill und zudem ein guter Ausgangspunkt für einen Spaziergang nach Plakias. Wir werden begleitet von Katha, Lasse und ihrer Hündin Lilly und lassen uns zusammen einen Girospita schmecken. Platz eins in der Pita-Challenge belegt im Übrigen aber immer noch Olympia! Nach ein paar Tagen chillen (und Müllsammeln und Weißware aus dem Sand ziehen) am Strand kippt das Wetter und wir fliehen in die „Großstadt“, nach Rethymnon. Wir finden einen prima Parkplatz am Ende der Promenade und flanieren in die Stadt. Zufälligerweise ist Markttag und wir probieren und kaufen uns durch das Olivenangebot. Mit Edith und Peter, die wir schon ein paar Mal auf der Peloponnes und auch hier auf Kreta getroffen haben, kehren wir noch zum Mittagessen ein (es gibt tatsächlich Schnitzel) und verziehen uns dann wetterbedingt wieder in den Dicken. Rethymnon hat uns sehr gut gefallen – die Mischung aus türkischen und venezianischen Spuren ist wunderschön. Zudem ist die Stadt winterbedingt nicht ausgestorben, die meisten Geschäfte, Restaurants und Bars haben offen und es ist zur Abwechslung für uns mal richtig trubelig. 

Aufgrund der guten Wetterprognosen für die Südküste packen wir unseren Kram zusammen und fahren nach Frangokastello. Wir wollen mal wieder unsere eingerosteten Kadaver etwas plagen. Die Imbrosschlucht führt von Komitades nach Imbros und besitzt teilweise sehr schmale und imposante Durchlässe. An der engsten Stelle kann man mit ausgebreiteten Armen die steil aufragenden Felswände berühren. Wir gehen nur die Hälfte des Weges, die Wolken ziehen sich zu und dann und wann kullern kleine Steine von den Hängen in die Schlucht. Schade. Am nächsten Tag sind wir bei Hermann eingeladen. Er und seine Frau besitzen hier seit mehreren Jahren ein kleines Häuschen und wenn sie nicht mit ihrem MAN auf Reisen sind, verbringen sie die Winter auf Kreta. Wir verquatschen den ganzen Nachmittag und werden am nächsten Tag zum „Sonntagsstammtisch“ eingeladen. Wir treffen in einer Taverne auf drei sehr nette Ehepaare, die ebenfalls vor vielen Jahren auf Kreta hängengeblieben sind und viel aus ihrem Leben zu erzählen haben. Dabei werden wir herzlich in der Runde aufgenommen und mit Fragen zu unserer Art des Lebens und Reisens gelöchert.

Die Sonne spielt noch mit und so können wir am nächsten Tag ein Stück auf dem Fernwanderweg E4 von Chora Sfakion nach Loutro gehen. Der Weg an der Küste entlang ist sehr abwechslungsreich und einsam. Naja fast – auf dem Rückweg treffen wir Lea. Lea ist begeisterte Wanderin und hat mit ihren 24 Jahren bereits einige beeindruckende und lange Touren auf der ganzen Welt begangen. Derzeit wandert sie mal eben den kompletten E4 auf Kreta ab. 550 Kilometer in zwei Wochen. Alleine. Wir sind superneugierig und so verabreden wir uns für den nächsten Tag in Paleochora. Wo es für Lea „nur“ an der Küste entlang weitergeht, müssen wir hoch an die Nordküste um dann wieder nach Süden abzubiegen. Zwischen Chora Sfakion und Sougia liegt die Samariaschlucht, seit 1962 Nationalpark und rundherum eingezäunt – und damit für Fahrzeuge nicht passierbar. Die Schlucht selbst ist im Winter leider nicht begehbar. Zuviel Schnee liegt am Einstieg in 1200 Meter Höhe und die Boote, die den erschöpften Wanderer am Ziel aufnehmen, fahren nicht. 

In Paleochora nisten wir uns auf dem Campingplatz ein – ein Sturmtief ist im Anmarsch und so heißt es für uns wieder mal „abwettern“. Lea kommt am nächsten Tag wie geplant ebenfalls hier an und so verbringen wir einen superspannenden Abend bei leckerer Steinofenpizza. Die Wandergeschichten von Lea machen auch uns wieder Lust auf eine längere Tour…

Zum Schluss wollen wir noch die Misere mit den kretischen Kettenhunden erwähnen. Auf der ganzen Insel gibt es diese bemitleidenswerten Geschöpfe, die als Schafsperren, als Wachhunde oder einfach nur so ihr Dasein an einer kurzen Kette fristen müssen. Manchmal sind diese Hunde auch im Nirgendwo angebunden, mit Glück kommt der Besitzer bei Zeiten zum Füttern und Wässern vorbei. Mehrere Tierhilfsorganisationen kümmern sich so gut es geht, führen viele Gespräche und stellen Hütten zur Verfügung, damit sich die Hunde wenigstens vor Wind und Wetter schützen können. Die allermeisten Hunde, die wir treffen sind verhaltensauffällig bzw. -gestört. Entweder zum Fürchten aggressiv oder total verängstigt. Es wird uns erzählt dass sich die Situation im Vergleich zu früheren Jahren bereits gebessert hat. Im Sommer sind die Hunde für die Touristen meist nicht sichtbar, da sie dann ihre „Arbeit“ oben in den Bergen auf den Weideflächen verrichten müssen. Zwar verbietet das griechische Tierschutzgesetz eine Haltung an Ketten, aber leider wird dies nicht überwacht oder gar unter Strafe gestellt. Wir hoffen auf ein baldiges Umdenken der Besitzer damit künftigen Hundegenerationen dieses Leid erspart wird. 

5 Gedanken zu „Kreta – nix los (mit uns) auf der schönen Insel

  • 15. März 2019 um 9:44
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    Ein herzliches Hallo an euch beide und hello also to George und Murag,
    so nice to read from you all – waking up our spanish time in Ardales ….
    Toll, dass ihr uns an euren Erlebnissen teilhaben lasst. Danke.
    Nach einem arbeitsreichen Jahr haben wir uns für Februar/März 19 den Israel National Trail vorgenommen gehabt – 1000 km, davon 400 in der Wüste. Wir haben in 10 Tagen 200 km wunderschöne Wüstenerlebnisse mit viel warmem Sonnenschein und ganz schön kalten Nächten erleben dürfen. Große Weiten, viel Stille, heftige Regenfälle, viel Grün und Blühen in den Bachbetten …. Und nun samma wieda daheim und Sonntag gehts arbeiten wieder los. Unser Tipp für einen Weitwanderweg: Zeit lassen, Pausen machen, genießen – dann klappts auch mit den Knien. Die haben uns nämlich leider zu frühzeitiger Heimkehr veranlasst. Und Ultraleicht Gepäck hat auch Vorteile.
    Seid herzlichst gegrüßt und umarmt von Carolin und Mathias :-))

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  • 27. Februar 2019 um 13:27
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    Hallo ihr Lieben,
    seid ihr noch auf euerer Winterinsel. Hoffentlich geht es euch gut. Hier haben wir sehr schlechte Unwetter-Nachrichten. Wir drücken euch die Daumen, dass nichts passiert ist oder noch passiert.

    Da habt ihr diese Saison auf Kreta wirklich Pech gehabt. Der Westen, wie Spanien ist da doch gefälliger….!

    Weiterhin alles Gute und viel Glück!
    Beste Grüße aus Baden-Baden, Uli und Brigitte

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    • 27. Februar 2019 um 18:07
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      Hallo Ihr zwei Lieben, vielen Dank dass Ihr an uns denkt. Vor allem der Westen Kretas wurde von zwei Unwettern heimgesucht. Aufgrund des vielen Regens und der starken Winde gab es zahlreiche Felsstürze, Murenabgänge und Überschwemmungen. Zahlreiche Strassen hnd Brücken wurden zerstört. Wir haben die Insel verlassen bevor die zweite Front hereingebrochen ist. Wir haben in der Tat nicht den besten Winter erwischt 🙁
      Aber das Reisen macht uns nachwievor sehr großen Spaß.
      Wir würden uns sehr freuen Euch mal wieder zu treffen. Gibt es schon Reisepläne für den Sommer?
      Herzliche Grüße aus Budapest, Michaela und Peter

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  • 21. Februar 2019 um 22:59
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    You might think you had lost us, but that’s not so. We have been following your journey, jealously! We envy your freedom, and the wonderful adventure you have had.
    We are soon to become grandparents, which is also wonderful, but limits us, at least for a while. This is a shame because we bought a campervan last year and planned to be in Portugal now. Life always plays tricks on us.
    We have been looking at the Spanish pictures from last year and we have fond memories of our meeting.
    Keep going,
    George and Morag

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    • 9. März 2019 um 10:42
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      The BEST wishes to you grandma & granddad! Well done! We are glad to read that you are fine and you finally bought the camper. Next winter we are planning stay in Spain/Portugal again – time to meet! Lots of love, Michaela & Peter

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