Lettland – auf der Jagd nach dem Bernstein

03.06. – 18.06.2018

Lettland hat vor allem eins: NATUR – ist also genau das Richtige für uns. 

Als wir kurz nach der Grenze das erste Mal von der Hauptstraße abbiegen landen wir gleich auf einer Piste. Hier in Lettland sind nur die Hauptverkehrsrouten geteert, der Rest ist geschottert und daher legt sich unser Dicker einen neuen Look zu: sandfarben – sieht auch nicht schlecht aus 🙂

Das Abbiegen führt uns in den Pape Nationalpark. Dort wandern wir zunächst durch ein bewohntes Freilichtmuseum über einen schaurig-schönen Kiefernwald schließlich zu einem wunderbaren Strandabschnitt. Wir 4 (wir sind noch mit unseren Freunden Gerlinde und Peter unterwegs) sind uns gleich einig: was für ein toller Start ins neue Reiseland. 

Wie es beginnt, geht es auch weiter, denn die Küste Lettlands ist vor dem Kap Kolka nahezu unverbaut, naturbelassen und menschenleer. Zu Sowjetzeiten war hier militärisches Sperrgebiet -was früher Fluch für die Bevölkerung, ist heute Segen für Tiere, Pflanzen und auch für uns. Das Highlight ist der Strand bei Mikeltornis. Wo kann man schon kilometerlang in der leichten Brandung entlangwandern ohne auf jemanden zu treffen?

Mit unserem Beiboot (dem Auto von Gerlinde und Peter) machen wir einen Abstecher ins Landesinnere. Wir besuchen alte Burgen in Alsunga und Edole bevor wir am breitesten Wasserfall Europas in Kuldiga landen. Er ist zwar mit maximal 2 Metern Höhe eher Stufe als Fall und aufgrund der Trockenheit führt der Fluss momentan auch nicht besonders viel Wasser, aber mit einer Breite von 249 Metern beeindruckt er uns trotzdem. Seit der Unabhängigkeit 1991 wird hier viel unternommen um den historischen Stadtkern zu renovieren und zu pflegen und so wirbt Kuldiga aus unserer Sicht zu Recht damit die „malerischste Stadt Lettlands“ zu sein. Gefallen tut uns gerade das noch „Unperfekte“, so wie wir es auch im restlichen Lettland vorfinden. Farbenfroh frisch gestrichen steht neben halb verfallen – eine tolle Atmosphäre in den kleinen Städtchen und Dörfern. Zudem hat fast jeder Haushalt sein eigenes Storchenpaar – teilweise haben wir das Gefühl mehr Störche als Menschen zu sehen. 

In der Stadt Ventspils hat es der Hafen an der Venta Peter besonders angetan – aufgrund der vielen Fotomotive läuft die Kamera heiß. Und einige Kilometer weiter wartet gleich die nächste Attraktion auf uns: die Riesenteleskope von Irbene – früher eine geheime Spionagestation der Sowjets mit vielen hundert Mitarbeitern, heute das internationale Zentrum für Radioastronomie mit der achtgrößten „Schüssel“ der Welt. Da momentan nur noch wenige Forscher dort im Einsatz sind, wirkt das größtenteils ungenutzte Gelände wie ein gespenstisches Geisterdorf. 

An den Campingplätzen entlang der Küste sind Feuerstellen obligatorisch und so lassen auch wir allabends die bereitgestellten Hölzer und Kiefernzapfen brennen. Wir lernen bei diesen Gelegenheiten viele andere, sehr nette Reisende kennen und die weißen Nächte tun ihr übriges dazu, dass wir abends kaum den Weg ins Bett finden. Zudem haben wir seit Tourstart unglaubliches Glück mit dem Wetter – die Sonne scheint fast nonstop vom Himmel und so erwärmt sich auch die Ostsee so gar schon so weit, dass auch Michaela Mitte Juni endlich auch einen ersten Badeausflug unternimmt. Und das will echt was heißen 🙂

Nach einigen Tagen Beachlife steht mal wieder Sightseeing auf dem Programm und so machen wir einen größeren Satz nach Riga. Vom dortigen Stadtcamping erkunden wir an zwei Tagen die Stadt. Unser geplanter abendlicher Bummel am zweiten Abend entfällt – lernen wir doch Doris und Manfred mit ihrem Bremach kennen und so lauschen wir lieber spannenden Reisegeschichten aus Afrika und lassen die noch verbliebenen Sehenswürdigkeiten sausen. In Riga haben uns das Jugendstilviertel und der Markt in den alten Zeppelinhallen gut gefallen – die Stadt kommt aber nicht unsere persönlichen TopTen. Manchmal passiert es, dass der Funke nicht überspringt und so fahren wir am nächsten Tag weiter. Dies natürlich nicht ohne uns noch mit einem ausgiebigen Mittagessen von Gerlinde und Peter zu verabschieden. Nach knapp 3 Wochen geht unsere gemeinsame Reise zu Ende. Nochmal vielen lieben Dank an Euch Beide für die schöne Zeit! Für die 2 geht es langsam zurück in die Heimat, unser nächstes Ziel dagegen ist der Gauja-Nationalpark. 

Auf dem Weg dorthin besuchen wir zunächst die Gedenkstelle Salaspils, etwa 25 Kilometer ausserhalb von Riga. Vom ehemaligen Konzentrationslager ist nichts übrig geblieben. Trotzdem wird uns die ganz im Grünen gelegene Anlage noch lange im Gedächtnis bleiben. Hier wird nicht mit schrecklichen Bildern gearbeitet, sondern mit großen, ausdrucksstarken Steinfiguren und einem schmalen, länglichen, schräg ansteigendem Bauwerk, dass wie ein Tunnel wirkt, wenn man es betritt. Dieses Gebäude dient als Ausstellungsraum und verdeutlicht die Schrecken des Ortes ganz ohne ausführliche Beschreibungen. Auf dem ganzen Gelände ist ein Metronom zu hören und zu fühlen, das im Takt eines Herzens schlägt – sehr eindrücklich. 

Über die Burg von Turaida und nach einer kleinen Wanderung zu den Gutmannhöhlen fahren wir schließlich an die Gauja und finden ein Traumplätzchen direkt am Fluss. Wir grillen, wandern, radeln und unternehmen eine längere Paddeltour mit unserem Boot. Wir lernen Annika und Bene mit ihren Kids Tessa und Oskar besser kennen (wir haben uns bereits vorher zweimal an anderen Stellen getroffen) und verbringen mit ihnen viele sehr vergnügliche Stunden. Zum Lagerfeuer an den Abenden finden sich auch wieder viele andere nette Reisende ein und so genießen wir unser Nomadentum mal wieder in vollen Zügen. Als Peter mit Bene und Tessa noch eine Paddeltour unternimmt verquatschen sich die Beiden und werden schließlich von dem weitgereisten Paar Teresa und Pierre mit ihrem Unimog zurück chauffiert. Wenn schon verfransen, dann wenigstens standesgemäß zurückkommen und spannende Reisegeschichten fürs Lagerfeuer mitbringen. Unser Dicker, der alte Schwerenöter, hatte auch mal wieder seinen Spaß – hat er sich doch einen Hymer an Land / aus dem Sand gezogen 🙂

Achja, Bernstein haben wir übrigens auch gefunden. Reich werden wir davon wohl nicht, da kein Stein so groß ist dass er für einen Anhänger reichen würde, aber Spass gemacht hat’s trotzdem die kleinen, funkelnden Stückchen zu suchen …

Lettland – vielen Dank, dass Du uns so viele schöne Seiten von Dir gezeigt hast – bleib so wie Du bist!

Ein Gedanke zu „Lettland – auf der Jagd nach dem Bernstein

  • 24. Juni 2018 um 18:38
    Permalink

    We’re very impressed. You are so lucky to have the time to do this.
    Your weather gods are with you too. All your pictures sparkle. Either that or you don’t take photos on the rainy days!
    Keep it coming.
    George and Morag

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