Florida – fully booked

13.12.2019 – 12.01.2020

Als nächsten Stop in unserem Pauschalurlaub in Florida hatten wir uns eigentlich den Long Pine Campground in den Everglades ausgesucht. Geplagt durch die No-Seeums finden wir die Idee aber plötzlich nicht mehr so gut und so buchen wir uns über Boondockers Welcome in den Redlands, nahe Miami, ein. Um dort hin zu kommen, planen wir eine Zwischenübernachtung  am Leuchtturm in Jupiter. Da wir wissen, dass Freistehen in Florida schwierig ist, sind wir gespannt was uns erwartet. Kurz vorm Ziel,  Sandie und Karsten fahren ein paar hundert Meter vor uns, taucht plötzlich neben Michaela (sie sitzt an diesem Tag am Steuer), ein Polizeifahrzeug in kompletter Festbeleuchtung auf. Der Polizist ruft uns über Megafon etwas zu, was wir allerdings nicht verstehen. Mit klopfendem Herzen fahren wir rechts ran, sind unsere Erfahrungen mit den Offiziellen doch bisher nicht so gut gewesen. Doch alle Aufregung ist unbegründet – Jim, der Polizist, ist einfach nur begeistert von unserem Dicken, strahlt übers ganze Gesicht und bittet uns, Fotos schießen zu dürfen. Darf er natürlich und zu unserer Freude klärt er auch die Übernachtung in Jupiter für uns, funkt den für die Region zuständigen Sheriff an und eskortiert uns zu dem schönen Parkplatz am Leuchtturm, wo Sandie und Karsten bereits auf uns warten. So verbringen wir eine ruhige, legale Nacht und fahren am Morgen weiter in Richtung Süden bis zum Miami Airport. Wir nehmen für die nächste Woche einen Mietwagen mit, um nicht mit unseren Lastern im unglaublich dichten Verkehr in dieser Gegend unterzugehen. Unser Stellplatz im großen Vorgarten bei Jennifer und Sam in den Redlands, einer landwirtschaftlich geprägten Gegend, ist super, und vor allem Stechviecher-frei!  Die Farmen und Plantagen dort sind fest in lateinamerikanischer Hand, in der Nachbarschaft gibt es also viel Musik und beim Einkaufen kramen wir unsere Paar Brocken Spanisch wieder hervor.

Unser erster Ausflug mit dem Mietwagen führt uns auf die Keys, zunächst in den John Pennekamp Coral Reef State Park. Wir lesen, dass man dort vom Ufer aus gut schnorcheln kann, werden aber ziemlich enttäuscht. Ein Strand ist nicht wirklich vorhanden, das Wasser ist ziemlich trübe und die Sicht nahe null. Nur aus Interesse schauen wir uns den Campground an und sind danach froh, dass wir hier keinen Platz bekommen haben. Wir fahren bis auf die Key Islamorada, finden allerdings keinen Weg an den Strand, alle Grundstücke sind in privater Hand. Zur Steigerung der Laune kehren wir auf ein paar Cocktails ein, Alkohol hilft ja bekanntlich immer, und können dann doch noch ein paar Schritte im flachen Wasser vorm Lokal machen. Da gefällt uns Miami Beach am nächsten Tag schon besser. Wir spazieren lange am kilometerlangen, sehr gepflegten Stadtstrand entlang und anschließend durchs angrenzende Art-Deco Viertel. Die Wartezeit bis zur Dämmerung überbrücken wir in einer Bar und begutachten erstaunt das Selbstbewusstsein so mancher Flaneure. Zum Abend fahren wir in die Calle-Ocho, ins cubanische Viertel Miamis und lassen den schönen Tag mit sehr gutem Essen ausklingen. Entgegen vieler Warnungen werden wir in Miami weder angepöbelt, noch angeschossen, noch gibt es sonst irgendeine komische Situation. Manchmal muss man sich einfach selbst ein Bild machen und wenn Amerikaner „it´s so dangerous“ sagen, dann vielleicht erst Recht.

Bei schwülwarmen Wetter (die Luftfeuchtigkeit beträgt hier im Süden meist um die 90%) checken wir die Stechviecherlage in den Everglades. Wir sprechen mit ein paar Campern und den Rangern und alle versichern uns glaubhaft, dass der stetige Wind einen juckfreien Aufenthalt ermöglicht. Also entscheiden wir, unsere Reservierung aufrecht zu halten und die Weihnachtswoche wie geplant auf dem Flamingo Campground, am südlichsten Punkt des amerikanischen Festlands, zu verbringen. Nach 6 Nächten in den Redlands bringen wir den Mietwagen zurück, verabschieden uns von Jennifer und Sam, füllen unsere Lebensmittelvorräte bis zum Bersten auf und ziehen um in die Everglades.

Dort verbringen wir zu Viert eine schöne Woche. Fahren Fahrrad, besuchen die Manatees (Seekühe) und Alligatoren in der Marina, unternehmen eine rangergeführte Paddeltour, sehen „Krokzilla“ – ein 5 Meter langes und 1 Meter breites Krokodil – der ganze Stolz der Ranger, überbrücken einen regnerischen Nachmittag mit Kino in Ewald (dem Truck von Sandie und Karsten). Auch unsere Reifen wollen mal wieder durchgetauscht und an diversen anderen Kleinigkeiten muss geschraubt werden. Dazwischen bekochen wir uns fürstlich, schmücken den Weihnachtsbaum und köpfen sogar eine Flasche Nürnberger Glühwein (Aldi sei Dank).

An unserem letzten Tag in den Everglades gibt es plötzlich keinen Wind und der Aufenthalt im Freien wir unerträglich. Selbst über unser aggressives Insektenspray lachen die Viecher nur und so wird das Zusammenräumen zum Spießrutenlauf mit vielen Flüchen. Pünktlich dazu kommt dann noch ein heftiger Regenschauer und so haben wir alle die Schnauze voll von der „Natur“. Wie geplant trennen sich nun die Wege unserer Reisegemeinschaft und für uns geht’s nun in einem Rutsch durch an die Westküste Floridas.

Unser erstes Ziel ist Naples, wir wollen dort zum Frühstücken an den Strand. Doch das gelingt uns nicht – das Parken von Wohnmobilen ist dort verboten, macht aber nix denn bei genauerem Hinsehen ist das Städtchen auch so gar nicht unser Ding. Big Tits, big lips, size zero und das Gesicht durch den Schönheitschirurgen zu einem Ausdruck verdammt. Nur Weiße flanieren mit Coffee-to-go (sie selbst nennen es vermutlich sporteln) auf der Straße, die Mexikaner mähen solange den Rasen oder putzen die Auffahrt zu den prächtigen Villen. Wir fühlen uns wie in Disney-Land – Abteilung „heile, weiße Welt“ – und ergreifen schnell die Flucht. Irgendwann finden wir außerhalb dann tatsächlich noch einen Platz wo wir den Dicken lassen können und gehen die 5 Minuten bis zum Strand (kein Amerikaner würde das auf sich nehmen, daher war der Parkplatz auch leer).  Das Wasser im Golf von Mexiko ist überraschenderweise deutlich kühler als auf der anderen Seite im Atlantik, aber genau richtig um uns zu erfrischen.

Für die nächsten Tage haben wir einen Platz im Koreshan State Park ergattert und wir gehen auf dem nahegelegenen Flüsschen etwas paddeln. Für Silvester verabreden wir uns nochmal mit Sandie und Karsten. Die beiden haben bei Venice einen Parkplatz entdeckt, an dem das freie Stehen toleriert wird. So genießen wir lange Spaziergänge am Strand, schlürfen ein paar Drinks in der Tiki-Bar und zaubern uns für den Jahreswechsel ein leckeres Raclette auf dem Grill.

Auf dem Fort de Soto Campground wären wir gerne noch ein oder zwei Tage länger geblieben, aber leider heißt es wie so oft: fully booked. So trennen sich die Wege von Sandie, Karsten und uns wieder – die beide zieht es schnell nach Norden, wir wollen noch ein wenig in Florida rumdümpeln und die warmen Temperaturen genießen. So verschlägt es uns nach Dunedin – dem für uns bezauberndsten Städtchen in Florida. Es gibt dort keine Fastfoodketten und große Hotelkomplexe, sondern ausschließlich kleine Läden, nette Restaurants, eine hübsche Marina, grüne Parkanlagen und einen toll angelegten Fahrradweg auf einer alten Bahntrasse. Und die Krönung: die Stadt duldet overnightparking auf einem sehr zentral gelegenen Parkplatz. So bleiben wir gleich zwei Nächte, radeln raus auf die Honeymoon-Island, gucken von der Pier aus in den Sonnenuntergang und gehen beim Mexikaner sehr lecker essen. 

In Crystal River etwas weiter nördlich gibt es warme Quellen und deshalb verbringen Manatees dort gerne die Wintermonate. Mit unserem Kanu können neben den beeindruckend fetten, zugegeben hässlichen aber auch irgendwie süßen Tieren herpaddeln. Peter geht mit Schnorchel und Taucherbrille sogar noch näher ran und überzeugt sich, dass die ersten Seefahrer sich definitiv geirrt haben als sie dachten es handelt sich bei den anmutigen Schwimmern um Meerjungfrauen.

Unser absolutes Highlight in Florida finden wir am nächsten Tag: die Rainbow Springs. Aus diesen, ebenfalls warmen Quellen, entspringt ein Fluss, dessen glasklares Wasser uns umhaut. Wir paddeln, schwimmen und schnorcheln, bestaunen viele Fische, zahlreiche Schildkröten und einen kleineren Alligator, der sich, entgegen seiner Artgenossen, im sauberen Wasser pudelwohl fühlt. Auch der dazugehörige Campingplatz ist sehr schön angelegt und wir können zwei Nächte bleiben.

Freistehen ist an der nördlichen Westküste wieder deutlich entspannter und so finden wir an der Inglis Boatramp einen genialen Platz, bevor es am nächsten Tag zu unserem nächsten Boondockingwelcome-Abenteuer geht. Direkt am Fluss Suwannee bieten Judy und Butch ein Paradies mit Entertainment-Programm. Zunächst können wir uns ihre Kayaks ausleihen und wir paddeln mehr als 10 Kilometer bis zu den Manatee Springs. Abends werden wir, und andere Boondocker die ebenfalls auf dem weitläufigen Grundstück untergekommen sind, zu einem Konzertabend in ihrem Wohnzimmer eingeladen. Die wirklich sehr gute Band der Nachbarn spielt und singt auf und wir werden in die Gemeinschaft aufgenommen ganz so als wären wir ebenfalls gute Freunde. Am nächsten Tag unternehmen wir zusammen eine Fahrradtour und treffen uns abends zum Kartenspielen. 3 Nächte bleiben wir und räumen dann das Feld für die nächsten Gäste. Denn auch hier: fully booked ?

3 Gedanken zu „Florida – fully booked

  • 20. Januar 2020 um 21:59
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    Just saw you guys on the beach here in the Crystal Beach/Port Bolivar area on Bolivar Peninsula, TX. Welcome to our little community. Hope your stay is pleasant.

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    • 22. Januar 2020 um 15:13
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      Hi Lynn, thanks for your warm welcome. Unfortantely we spent too much time on beaches so far and have to move on. Enjoy your time and safe travels!

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  • 19. Januar 2020 um 7:52
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    Schöner Bericht ?

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