Andalusien I – Schnee, Kultur und Tapas

Die ersten Schritte führten uns erstmal noch über den Nationalpark Cabo de Gata. Im kleinen, leider tief verschlafenen Nest San Jose haben wir -wie viele andere leider auch- den kommunalen Parkplatz für kostenloses, geduldetes Stehen genutzt. Die möglichen Stellplätze in den Nachbargemeinden waren da nicht besser oder besser gesagt unmöglich. Regelrecht belagert von seltsamen, fahrendem Volk, deren Karren genauso abgeranzt waren wie sie selbst. Also doch lieber in Gesellschaft der gesitteten Weißware-Rentner stehen 🙂

Cabo de Gata selbst ist landschaftlich der Hammer. Der vulkanische Ursprung ist überall beeindruckend zu erkennen, die Strände lang und weiß mit schönen Pinetas und Palmen im Hintergrund. So führte uns eine unserer Küstenwanderungen sowohl über die rauen Klippen als auch über eine große, begrünte Sanddüne hin zu einsamen Buchten.  

Die „Las Alpujarras“, die sog. Abdachungen der Sierra Nevada, waren unser nächstes Tagesziel. Da wir morgens bei der Abfahrt nicht recht aus dem Quark gekommen sind und der im Anschluß bereits gebuchte Campingplatz in Granada auf uns wartete, sind wir „nur“ bis Orgiva gefahren. Eher zufällig haben wir neben der Straße ein Schild mit dem Hinweis auf eine Wanderung entdeckt und daher spontan entschlossen um 3 Uhr nachmittags noch den kleinen Berg zu erklimmen. 3 Stunden und 800 Höhenmeter später haben wir die sauheiße, unbegrenzte Dusche auf dem Campingplatz bis fast zum Kreislaufkollaps genossen. Das Feierabendbier hat uns dann den Rest gegeben und so ging das Schlafen nachts diesmal trotz Regens ohne Ohropax – erstaunlich, oder? Die Alpujarras, gerade auch die höher gelegenen Regionen sind einen erneuten Besuch absolut wert. Das Wetter sollte dabei aber mit mehr als einstelligen Temperaturen und ohne eisigen Wind dazuhelfen.

In Granada angekommen stehen wir auf dem sehr netten, kleinen, stadtnahen Campingplatz Reina Isabel in La Zubia. Die orientalische Prägung der Stadt und die schneebedeckten Gipfel der majestätisch aufragenden Sierra Nevada („Beschneites Gebirge“) haben uns schnell in ihren Bann gezogen. Granada liegt auf 685 Metern und gerade zu unserem Besuch zieht hier der Winter ein. So besuchten wir bewaffnet mit dicker Jacke, Schal und Mütze das Highlight der Stadt – die Alhambra. Fast hätten wir dabei aufgrund einer kleinen Einkehr am Platz vor der Kathedrale in der Mittagssonne unsere vorgegebene Eintrittszeit in die Nasridischen Paläste verpasst. Aber dank eines kleinen Spurts auf den Palastberg ging alles gut. Zu den Grundmotiven der Alhambra gehört die angestrebte Verschmelzung von Architektur und Natur, also Licht, Wasser, Vegetation und Landschaft. Ganz bewusst sollten Bauelemente je nach Sonnenstand und Schattenwurf eine Art Metamorphose durchlaufen und dem Betrachter verblüffende Sinneseindrücke bescheren. Großartig und wunderschön. 

Granada war bis 1492 die letzte noch verbliebene muslimische Residenz auf der Iberischen Halbinsel (ja, ja liebe Leute – das südliche Europa war zu dieser Zeit großteils muslimisch bevor die Christen die Macht an sich rissen…) und das sieht man ihr bis heute an. So haben wir beispielsweise im Stadtviertel Albayzin das nasridische Lebensgefühl im labyrinthischen Gewirr der schmalen, teils steil ansteigenden Gassen mit wie zufällig eingestreuten kleinen Plätzen auf uns wirken lassen. Die Aussicht vom Mirador S. Nicolas auf die Alhambra genossen. Im Dorf in der Stadt wimmeln leicht verlotterte Aussteiger und Lebenskünstler, marokkanische Händler in wallenden Gewändern, Touristen und Einheimische in Businessklamotten wild durcheinander und alle scheinen problemlos miteinander auszukommen. Die wahrgewordene Vision eines mulitkulturellen Dorfes? Wie auch immer – wir sind mittendrin und sitzen mit einem Bier und einer dazugereichten Tapa in der Bar und freuen uns des Lebens. 

Die Sierra Nevada und ihre Gipfel wollten wir uns etwas aus der Nähe anschauen – da es oben im Skigebiet derzeit aber minus 12 Grad hat haben wir uns das auf 1000 Höhenmeter gelegene Dorf Güéjar Sierra für eine Wanderung ausgesucht. Dank der intensiven Sonneneinstrahlung und ohne Wind konnten wir an diesem Tag auf 1900 Höhenmeter zum Alto de Calar aufsteigen. Auch hier im Dorf im Restaurant La Hacilla gibt es die Tapa umsonst zum Bier dazu – und hier so reichlich, frisch gekocht und bei jedem Bier eine andere Variante so dass der Spruch „Was ich essen kann, kann ich auch trinken“ fast zutrifft 🙂

Nach 10 herrlichen Tagen in Granada brechen wir wieder auf – Andalusien wartet.

 

NS. Sehr erschrocken waren wir über die riesengroßen in Plastik eingeschlagenen Anbauflächen für Tomaten die sich kilometerlang an der Küste hinziehen. Dabei war es weniger die Scheußlichkeit fürs Auge sondern die Tatsache dass man bei manchen Plastikverschlägen nicht erkennen konnte, ob da Tomaten wachsen oder die Erntehelfer hausen müssen.  

Quelle: GoogleMaps

2 Gedanken zu „Andalusien I – Schnee, Kultur und Tapas

  • 21. Februar 2018 um 20:01
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    Liebe Grüße an die nettesten Campingnachbarn im Parque Ardales. Ich freu mich auf weitere schöne Stunden mit euch, sei es am Berg, am Grill, in einer Höhle oder … Carolin im Glück

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    • 21. Februar 2018 um 20:54
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      Das Kompliment geben wir sehr gerne zurück! Vielen Dank 🙂

      Antwort

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