Welcome to Canada

19.09. – 26.09.2019

Endlich geht’s los: Morgens bringt uns Michaelas Papa zum Bahnhof und wir nehmen den Zubringer zum Frankfurter Flughafen. Unsere Condormaschine hebt planmäßig ab und landet sogar fast eine Stunde früher als geplant in Halifax. Dank Zeitverschiebung ist es dort erst früher Abend, für uns schon tiefste Nacht. Aber die Aufregung hält uns wach und so sind wir mehr als überrascht, dass sowohl die Paß-, als auch die Gepäckkontrolle sehr freundlich und zuvorkommend ablaufen. Die Beamten fragen nach unserem Einreisegrund und wünschen uns mit einem Lächeln „safe travels“, als sie von unserem geplanten Roadtrip erfahren und wir erhalten ein Visa für 6 Monate. Mit dem Mietwagen fahren wir anschließend in Richtung Downtown und beziehen unser Motel: etwas verloddert im Charme der 60er, aber sauber und verkehrsgünstig gelegen. Der Jetlag schmeisst uns morgens früh aus den Federn und wir starten durch zu unserem Spediteur, der sich um die Erledigung der Einfuhrformalitäten für den Dicken kümmert. Mit den nötigen Papieren ausgestattet fahren wir in Richtung Zollbehörde. Als wir dort ankommen, sind wir erstmal falsch. Das Gebäude ist verwaist, doch an der Tür finden wir die neue Anschrift – umgezogen! Als wir endlich am richtigen Ort sind, werden wir von einem netten Beamten empfangen und nach 2 Minuten und einigen wenigen Routinefragen haben wir den erforderlichen Stempel schon in den Papieren. Wow – das ging schnell! Nun heißt es noch ein letztes Mal ein wenig Zittern, als wir zum Hafengelände kommen. Ist der Dicke auch gut angekommen? Peter wird in den Hafen gefahren und bekommt nach Erledigung des letzten Formalkrams den Schlüssel in die Hand gedrückt. Und da steht er dann, als wäre nichts gewesen, als wäre er nicht tausende Kilometer alleine übers Meer gefahren, als hätte das Schiff nicht aufgrund des Hurrikans Dorian einige Zeit auf dem Meer ausharren müssen, als hätten wir uns gestern erst in Hamburg verabschiedet. Der Dicke und wir sind tatsächlich in Canada angekommen – in den nächsten Tagen werden wir uns das noch einige Male vorsagen. Wir fühlen uns großartig!

Und dann kann es tatsächlich auch schon losgehen. Wir bekommen ohne Probleme unsere Gastankflasche gefüllt, kaufen Lebensmittel für die ersten Tage, nur das Wassertanken wird zur Geduldsprobe. Erst an der siebten Tankstelle haben wir Glück und können auch diesen Punkt abhaken. Am späten Nachmittag kommen wir schließlich am Peggys Cove an. Dem Leuchtturm in Nova Scotia. Zu unserem Glück ist es erlaubt, auf dem Parkplatz des Visitor Centers über Nacht zu stehen. Den Leuchtturm bekommen wir an diesem Tag allerdings nicht mehr wirklich zu Gesicht. Der Jetlag haut uns um 8 Uhr in die Federn und wir verbringen die erste ruhige Nacht in unseren eigenen vier Wänden. 

Als wir am nächsten Morgen aufwachen, trauen wir unseren Augen kaum: da steht uns gegenüber ein quietschgelber Mercedes T1 mit Landshuter Kennzeichen. Stephanie und Matthias sind gerade in den Endzügen ihrer 2-jährigen Panamericanareise und wohl ähnlich überrascht wie wir. Wir ergattern wertvolle Reisetipps und verquatschen den ganzen Vormittag. Zudem bekommen wir von den Beiden ein Bärenspray, das nun bereits in die vierten Reisehände übergeht. Wir werden es in Ehren halten und hoffentlich nie benutzen (müssen)! So schnell sich unsere Wege getroffen haben, so schnell trennen sie sich auch wieder – leider werden wir uns trotz ähnlicher Route in den nächsten Tagen nicht mehr wiedersehen. Viel Spaß Euch Beiden auf Cuba!

Wir werfen noch einen Blick auf den Leuchtturm und fahren dann entlang der Lighthouseroad nach Westen. Das Wetter ist herrlich und so landen wir abends im sehr schönen Lunenburg. Auch hier finden wir einen praktischen Parkplatz und erkunden den 1753 von deutschen Protestanten gegründeten Ort. Mittlerweile aufgrund seiner sehr gut erhaltenen Holzarchitektur UNESCO-Weltkulturerbe.

Der Carters Beach lässt uns am nächsten Tag nochmal zweifeln, ob wir wirklich in Canada sind. Weißer Puderzuckersand und glasklares, türkisblaues Wasser erwarten uns bei herrlichstem Sonnenschein und warmen Temperaturen. Als wir die Zehen ins Wasser halten, sind alle Zweifel aber sofort ausgeräumt.

Den schönsten Freistehplatz finden wir anschließend am Lewis Dump. Eine kleine Parkfläche direkt am Fluss, im Wald abseits der Straße haben wir in dieser Nacht für uns alleine. Der Platz liegt in Schlagweite zum Kejimikujik Nationalpark, den wir am nächsten Tag besuchen um uns ausgiebig die Beine zu vertreten und etwas wandern zu gehen. Leider wurde der Park durch Hurrikan Dorian arg in Mitleidenschaft gezogen, die meisten Trails sind gesperrt, nur ein paar kleinere können wir laufen. Etwas irritiert lesen wir allerdings die Beschreibung des Parks, die wir von den freundlichen Rangern im Visitor Center erhalten: Der Umgang mit Coyoten, und was wir im „unschönen Fall“ eines Angriffs tun sollen. An die für uns komplett neuen Wanderbegleiter wie eben Coyoten, Elche oder Bären müssen wir uns wohl erst noch gewöhnen.

Entlang des Annapolis Valley verlassen wir Nova Scotia und nehmen Kurs auf New Brunswick. Wir wollen zu den Hopewell Rocks. In der Bay of Fundy pulsiert ein mächtiger Gezeitenstrom, der an bestimmten Punkten der Bucht einen Tidenhub von bis zu 16 Metern erreicht. Dadurch werden die pilzartigen Felsformationen unterschiedlich stark erodiert, was ihnen das Aussehen von Blumentöpfen verleiht. Bei Flut steht den Töpfen das Wasser bis zum Hals, bei Ebbe kann man über eine Treppe auf dem Grund des Meeres entlanglaufen. Dabei ist Vorsicht geboten – die Flut kommt sehr schnell und sehr stark. Damit auch alle Touristen rechtzeitig wieder auf sicherem Terrain sind, gibt es unzählige Warnschilder und aufmerksame Ranger.

Im nicht weit entfernten Fundy Nationalpark beziehen wir für zwei Tage eine schöne und günstige Campsite und entzünden unsere ersten Lagerfeuer. Bei der Wanderung „Foster Brook“ erzählt uns die Rangerin von einem „River Crossing“. Na und, denken wir – müssen wir halt über ein paar Steine springen – aber weit gefehlt. Schuhe aus, rein ins kalte Nass und versuchen an den glitschigen Steinen nicht auszurutschen und vor allem die seichten Stellen finden. Es klappt, wir bleiben trocken und drüben angekommen brotzeiten wir erstmal in der warmen Sonne am Flussufer bevor wir uns auf den Rückweg machen.

Leider müssen wir dann auch schon Abschied nehmen vom schönen Canada. Wir wollen die Grenze in die Staaten noch im September überqueren, um die Dauer der Visa möglichst gut auf unseren geplanten Reiseverlauf abstimmen zu können. Vorbei die einfache Reiserei in Europa, wo es dank Schengen keine Visalaufzeiten und Grenzkontrollen gibt.

Die Canadier haben wir als sehr offen, aufgeschlossen und unglaublich freundlich kennengelernt. Bereits seit den ersten Stunden im Land werden wir immer wieder mit „Welcome to Canada“ begrüsst und über unsere Reise ausgequetscht. Es entstehen viele nette Gespräche und wir fühlen uns dadurch sehr wohl. Dass natürlich unser Dicker der Star der Show ist, und wir vornehmlich wegen ihm angesprochen werden, ist uns schon bewusst. Aber nach der einsamen Anreise gönnen ihm die Aufmerksamkeit von Herzen 😉

  

2 Gedanken zu „Welcome to Canada

  • 14. Oktober 2019 um 5:43
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    Schöner Bericht und weiterhin ganz viel Spaß 😘

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  • 14. Oktober 2019 um 3:50
    Permalink

    Herzlich Willkommen auf unserer Seite der Welt. Solltet ihr Angst haben vor Bären, gibt es auch ‚Bear Bells‘ zum kaufen. Bitte googeln. Unsere Schwarzbären hier in Colorado sind nicht so beängstigend wie ein Grizzly Bär. Bei uns gibt es auch Klapperschlangen, Koyoten, Schwarze Witwen, Bären etc aber man hält sich an ‚die Regeln‘ wenn man wandert und sieht auch das es 80 Jährige in Colorado gibt die hier schon ein Leben lang überlebt haben. Wir wandern viel in der Wallachei und haben viele kleine, aber auch grosse Berge bestiegen ohne Probleme. Ein bischen ‚Krach‘ leutet dann bei den Tieren an das man in der Nähe ist und generell laufen sie dann Weg. Respekt und Abstand helfen auch, und im heissen Wetter bleibt in der Mitte vom Pfad falls sich eine Schlange im Grass befindet. Wir hatten selbst eine Klapperschlange im Garten die Iain mit Schaufel abgefertigt hat. Schade, aber in dem Fall war es nicht zu vermeiden. Man sieht zwar hier und da mal eine Schlange, aber sie sind wirklich nicht an einem interessiert, und sollte man ausversehen doch zu Nah kommen, klappern sie erstmal zur Warnung. Dann kann man immernoch weglaufen. Aus dem Gestrüpp bleibt man aber besser raus. So, keine Sorge, einfach lernen aufmerksam zu bleiben (keine Kopfhörer beim Wandern), aber wir wandern hier schon seit Jahren ohne Vorfälle. Also viel Spass und je höher ihr seid, desto wichtiger ist es Wasser zu trinken. Viel Spass, freuen uns schon euch nächstes Jahr in Colorado zu sehen.

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