1. Woche 26.06. – 02.07.2017

Etappe 1
GAP – Kreuzeckhaus
12,4 km 989 hm ↗ 54 hm ↘ 4,5 Stunden

Los gings morgens um 08.00 Uhr mit dem Zug von Landshut nach Garmisch-Partenkirchen. Unser Wanderfreund Peter ist bereits am Vorabend angereist und so war die Zugfahrt zu Dritt bereits sehr launig. Nach der Ankunft mittags wanderten wir gleich los. Das Wetter war herrlich und so war der Weg durch die Partnachklamm sehr erfrischend. Bei der Einkehr in der Partnachalm haben wir die auf den ersten Höhenmetern verbrannten Kalorien gleich wieder aufgefüllt.  Ja nicht gleich zu Beginn ins Hintertreffen kommen – man weiß ja nicht was die Tour noch so bereit hält …

Übers Bayernhaus, das Garmischer Haus und die Kreuzalm kamen wir noch so rechtzeitig im Kreuzeckhaus an um noch ein Belohnungsbier auf der schönen Terrasse in der Sonne genießen zu können. Nach einer heißen Dusche haben wir das leckere Abendessen verschlungen.  

In einem schönen Dreierzimmer fielen wir nach einem schönen Abend mit dem kurzweiligen Hüttenwirt müde aber glücklich in unsere Hüttenschlafsäcke. 

 

Etappe 2
Kreuzeckhaus – Reintalangerhütte
11,5 km 1022 hm ↗ 1319 hm ↘ 6,5 Stunden

Bereits an Tag 2 waren wir froh dass die Hüttenkapazitäten Ende Juni nicht voll ausgeschöpft waren, da wir die ursprünglich geplante Etappe einkürzen mussten. Ein durch Bauarbeiten gesperrter Wanderweg bescherte uns eine Umgehung mit über 500 zusätzlichen Höhenmetern auf 5 weiteren Kilometern. Ursprünglich wollten wir an diesem Tag bis zur Knorrhütte gehen, entschieden uns aber bereits in der Reintalangerhütte zu bleiben. Der Umweg führte uns über die Hochalm an den beeindruckenden Bernadeinwänden entlang. Hier haben wir auch unseren ersten Alpensalamander und einen Gamsbock gesehen. Mittags in der Bockhütte haben wir uns mit leckeren Schinkennudeln gestärkt, bevor es, immer an der Partnach entlang relativ eben bis zur Reintalangerhütte ging. Beim Abstieg zur Bockhütte ist Michaela auf einem feuchten Holzstück ausgerutscht und unsanft auch auf dem rechten Zeigefinger gelandet. Was sich zunächst harmlos anfühlte wurde bis zum Abendessen schlimmer und an ein Beugen des Fingers (und damit Halten der Wanderstöcke) war dann nicht mehr zu denken. Klar war dass der Finger nicht gebrochen, aber dafür ziemlich gestaucht wurde – aber dank professioneller Versorgung durch Dr. Peter und dank des Equipments von Bergführer Karsten, den wir mit seiner Wandergruppe bereits auf dem Weg getroffen haben, hat es Michaela nur zwei Tage wirklich gehandicapt. Und ein Bier hilft ja so über manchen Schmerz hinweg. Es tat aber auch sakrisch weh …

Die Reintalangerhütte selbst ist sehr rustikal, hat aber dank der Betreiber geiles Hüttenflair. Die Lagerplätze (60 cm breite Matratze) und je eine Dusche für Wanderer/Wandererin und das Essen haben uns eher nicht beeindruckt – die Livemusik und der kräftige Jodler zum gemeinsamen Wecken um 06.30 Uhr am nächsten Morgen dafür umso mehr. 

 

Etappe 3
Reintalangerhütte – Tillfußalm
10,2 km 945 hm ↗ 939 hm ↘ 5,5 Stunden

Nach dem Wecken brach am Morgen in unserem Lager zunächst mal das Chaos aus. Während wir das Treiben von der Matratze aus verfolgt haben stürzte sich der andere Peter munter mit hinein. So wurde auf engstem Raum und im größten Trubel der gesamte Inhalt des Rucksacks erst aus-, dann um- und schließlich wieder eingepackt. Bereits an den vorangegangenen Tagen hatten wir ähnliche Packerei beobachtet, was ihm schließlich den Spitznamen „Gruschel-Peter“ einbrachte. Aber das Amüsieren darüber sollte uns, und vor allem Michaela, noch eine Lehre sein. Die am Morgen desweiteren durch einen anderen, unbekannten Wanderer entstandene Frage, warum man sich mitten im Lager unter wildfremden Menschen (die das vermutlich nicht sehen wollen) komplett ausziehen muss, blieb bis dato unbeantwortet. 

Nach einem kräftigen Frühstück machten wir Drei uns an den Anstieg zur Knorrhütte. Los gings im T-Shirt als plötzlich und vollkommen ohne Vorwarnung (naja, fast) ein heftiger Regenguss auf uns niederprasselte. Während Michaela immer noch in ihrem Rucksack gekramt hat (die Regenjacke war nämlich ganz unten drin feinsäuberlich aufgerollt), hatte Peter seine Regenjacke schon fast ganz übergezogen während unser Gruschel-Peter seinen Rucksack bereits wieder geschultert hatte. In seiner morgendlichen Umpackaktion hat er nämlich seinen DDR-Gedächtnis-Regenponcho bereits griffbereit verstaut. Nachdem Michaela dann auch noch ihren Rucksack zumindest wieder grob von der Schafscheiße befreit hat, in die sie ihn zu allem Überfluss noch geschmissen hatte, konnte es auch schon weitergehen. 

Nach einem Mittagessen auf der Knorrhütte wurde das Wetter schlagartig wieder besser. Die Sonne schien auf unserem Gang durch das Gatterl (Grenzübergang nach Österreich) fein vom Himmel. Nach dem kurzen, seilversicherten Abstieg zum Feldernjöchl wähnten wir unsere Kondition bereits in Sicherheit. Mit dem folgenden Aufstieg auf den Kamm bevor wir auf der anderen Seite zum Steinernen Hüttl absteigen konnten, haben wir nicht gerechnet. Entsprechend erschöpft kamen wir beim Hüttl an und mussten uns erstmal stärken. Das ein oder andere Märzen musste dran glauben. Dass es den Apfelstrudel nur kalt gab – mei, irgendwas is immer. Den anschließenden, sehr schönen Abstieg durch den Wald haben wir in Rekordzeit hinter uns gebracht. Durch den Vormittag schlauer haben wir etwas besser auf den Himmel geachtet – und der verhieß nichts Gutes. Aber man muss auch mal Glück haben – so kam der Regenguß erst in dem Moment als wir unsere Rucksäcke auf der überdachten Terrasse der Tillfußalm abgesetzt hatten. 

Die Tillfußalm hat 12 schöne Lagerplätze und noch schöner war ,dass wir unter uns geblieben sind. Auf der heutigen Etappe hatte kein anderer Wanderer das gleiche Ziel und hat damit die sensationellen Kaspressknödel verpasst. 

 

Etappe 4
Tillfußalm – Untermieming
18,1 km 719 hm ↗ 1300 hm ↘ 5,5 Stunden

Nach einem leckeren, aber nicht ganz günstigen Frühstück haben wir alle Drei sorgfältig gepackt, unsere Rucksäcke geschultert und auf der Kuhweide erstmal das ein oder andere Rindvieh beiseite geschoben, um wieder auf den Weg zu kommen. Der Aufstieg auf die Niedere Munde war ein herrlicher Streckenabschnitt mit kleinen Kletterabschnitten im 1. Grad. Das Wetter war uns dabei hold und es hat immer nur auf der anderen Bergseite oder ein paar hundert Meter neben uns geregnet. Wir blieben trocken, doch der strenge Wind hat uns bald vom Gipfel vertrieben. Über den schönen Hintereggensteig ging es teilweise zackig bergab bevor es, je näher wir an unser Mittagspausenziel kamen, wieder flacher wurde. Die Neue Alplhütte hat uns im warmen Sonnenschein erwartet. Das Essen war richtig gut und die Hütte hat uns auch so sehr gut gefallen. Ideal auch zum Übernachten. Doch für uns ging es weiter nach Untermieming. Nach einem gefühlt unendlich langen Marsch über Asphalt durch die Dörfer Wilder- und Obermieming haben wir schlussendlich unser Ziel erreicht: den Gasthof Neuwirt. Nach einer heißen Dusche ohne Zeitbegrenzung und einem Riesenschnitzel warteten die ersten Gasthofbetten auf dieser Tour auf uns. 

 

Etappe 5
Untermieming – Stamser Alm (mit 4×4 Unterstützung)
15,2 km 1564 hm ↗ 497 hm ↘ 5 Stunden

Nachdem wir unseren Wanderfreund Peter in Stams zum Zug gebracht hatten (leider war Stams die vorerst letzte gute Möglichkeit aus der Tour auszusteigen und Peter wollte den Geburtstag seines Sohnes nicht verpassen), ging es für uns beide weiter. Auf diese Etappe hatten wir uns schon von Beginn an nicht gefreut – eine lange, öde Forststraße stand uns bevor. So fielen uns die ersten Meter auch ziemlich schwer und die Stimmung war wie das Wetter: betrübt. Doch weit mussten wir nicht gehen ehe unser Retter vor uns stand: ein sehr netter Handwerker aus dem Dorf der mit seinem Unimog auf dem Weg zur Stamser Alm neben uns zum Stehen kam. Seine Frage: „Soi i eich mitnemma? Der Weg is ja scheißlich“ wurde von Peter zunächst sehr zaghaft verneint (wir wollten ja auf Verkehrsmittel eigentlich verzichten), da war Michaela schon auf die Ladefläche geklettert. Wir hatten sehr viel Spaß auf der rumpeligen Fahrt. Einige Zeit nach Fahrtantritt stoppten wir wieder und unser Retter fragte uns ob wir eine Karte der Gegend dabei hätten. Klar, hatten wir und so kamen wir in den Genuss einer Tourempfehlung durch Einen, der sich wirklich auskannte. Am Einstieg zum Weg hüpften wir vom Unimog und stiegen gespannt auf einem alten Jägersteig zur Jochalm auf. Der Anstieg hatte es wirklich in sich – sehr steil, allerdings durchgehend zumindest schwach markiert und mitten durch Zauberwald. Unglaublich schön! Unser Pausenplatzerl auf der Jochalm hat der dort ansässigen Kuh nicht so gefallen und so mussten wir zackig unsere Brotzeit wieder einpacken und Reißaus nehmen. Über den weiteren Weg kamen wir dann quasi von hinten zur Stamser Alm – leider konnten wir unserem Retter nicht nochmal danke für die tolle Tour sagen – gerade als die Alm in Sicht kam fuhr er ab zurück ins Dorf. 

Die Stamser Alm, auf der man erst seit kurzem übernachten kann, ist echt ein Fall für sich. Wir hatten hier die urigste Hütte auf unserer Tour. Sehr spartanisch ohne Dusche und ohne Strom (nur je 1 Stunde morgens und abends während dem Melken). Essensauswahl: Speck und Käse, Käse und Speck oder Hauswurst. Schlafplätze gibts im ausgebauten Dachboden. Hier allerdings ohne Heizung und auch ohne dicke Decken. Wir hatten daher eine eiszapfige Nacht und mussten uns morgens in der geheizten Stube erstmal aufwärmen. Das deftige und sehr günstige Frühstück hat uns aber sogleich entschädigt. Die Hütte blieb uns aber noch lange in Erinnerung – trotz aller „Entbehrungen“ haben wir uns dort sauwohl gefühlt!

 

Etappe 6
Stamser Alm – Dortmunder Hütte
9 km 964 hm ↗ 878 hm ↘ 5 Stunden

Seit gestern Abend war klar, dass wir nun nicht mehr alleine auf dem Weg sind, sondern dass noch zwei weitere Pärchen in den nächsten Tagen die gleiche Route gehen werden. Heute morgen waren wir die ersten die aufbrachen und so stapften wir, bedingt durch den Regen der letzten Tage, durch teilweise tiefen Matsch und über nasse Weiden. Die erste Wegmarkierung, das Bärlehnkreuz, war schnell erreicht und dank unserer echt tollen Wanderstiefel hatten wir auch noch trockene Füße. So stand uns nun der Aufstieg auf den Pirchkogel bevor, der trotz guter Karte gar nicht so einfach zu finden war. Die Wegmarkierungen sind hier eher Mangelware und das Gebiet, auch dank des teilweise dichten Nebels eher unüberschaubar. Irgendwann haben wir ihn dann noch noch gefunden – den richtigen Weg und somit lag der Besteigung eigentlich nichts mehr im Weg. Eigentlich – bis auf ein, vermutlich vom vergangenen Winter aufgesprengtes Geröllfeld das wir queren mussten. Leider hat sich das Geröll erst bemerkbar gemacht als wir schon mitten auf dem Feld waren. Das klack-klack-klack der losen Steine, die mit uns drauf bergabwärts drängten, haben wir heute noch im Kopf. Als wir endlich wieder sicheres Terrain erreicht hatten, warnten wir noch unsere Nachwanderer bevor wir aufgrund unserer immer noch schlagenden Herzen auf die letzten Meter zum Gipfelkreuz verzichteten. Wie so oft, zeigte sich die andere Bergseite auf dem Weg nach unten ganz anders. Festes Gestein und ein baldiger Übergang auf Wiesen und Weiden waren gut für unsere Nerven und unseren Adrenalinhaushalt. Schön war der Abstieg ins Kühtai allerdings nicht – ein vom Skitourismus zerstörtes Tal im Sommer ist kein schöner Anblick. Glück hatten wir wieder einmal mit dem Wetter – erst als wir die Tür zur Dortmunder Hütte (ein älteres zur Hütte umfunktioniertes Hotel) aufmachten, ging der Regen los. Am Abend konnten wir uns noch mit den anderen Wanderern austauschen, denen das Geröllfeld einen ähnlichen Schrecken eingejagt hatte. Über die Hüttenwirtin verständigten wir noch die für den Pirchkogel zuständige DAV-Sektion. 

 

Etappe 7
Dortmunder Hütte – Schweinfurter Hütte 
9,9 km 897 hm ↗ 800 hm ↘ 5 Stunden

Am nächsten Morgen wanderten wir wieder über einige Kuhweiden zuerst zum Finstertaler Speicher hoch. Ein furchtbarer Anblick. Erst am Ende des Speichers stiegen wir über verblocktes Gelände (darauf achteten wir nach der gestrigen Erfahrung ziemlich genau!) hinauf zur Finstertaler Scharte. Das Wetter war uns heute nicht so hold und daher hatten wir zum ersten Mal alle unsere Regenklamotten an. Der tolle Abstieg über den Guben zur Schweinfurter Hütte war trotz Nebel und Regen herrlich. Wie mag dies erst im Sonnenschein sein? Die Hütte wird kräftig umgebaut und daher gab es nur einige Notplätze. Wobei von Notplatz wirklich nicht die Rede sein kann – wir bekamen die beste Verpflegung auf der bisherigen Tour und ein tolles 6er Zimmer für uns alleine. Unser Platz  1 der von uns besuchten Hütten!

2 Gedanken zu „1. Woche 26.06. – 02.07.2017

  • 2. April 2018 um 13:13
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    Schön was aktuelles vom L1 zu lesen, haben auch geplant ihn ab Ende Juni diesen Jahres zu gehen. Hoffentlich kommen bald noch die anderen Berichte.

    Antwort
    • 2. April 2018 um 13:17
      Permalink

      Hallo Felix, ich hoffe das schaffen wir diese Woche… Als Reisender hast Du eigentlich nie Zeit 🙂
      Wenn Du fragen hast, melde Dich gerne. Wir sind allerdings am Stausee Vernagt auf den Meraner Höhenweg abgebogen.
      Viele Grüße Michaela und Peter

      Antwort

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