Deutschland – Alles auf Anfang

24.03. – 01.08.2020

Der Flieger von New York nach München ist gut gefüllt, er bringt die letzten Ausreisewilligen aus den USA zurück nach Deutschland. Der Flughafen ist wie ausgestorben, ein leerer Zug bringt uns in unsere Übergangsheimat Straubing. Von Dieter und Elfriede werden wir bereits erwartet und es öffnet sich die Tür zu unserer Wohnung auf Zeit. Dieter hat noch kurz vor dem Lockdown die wichtigsten unserer eingelagerten Sachen organisiert und die Wohnung perfekt vorbereitet – inklusive einer Kiste Augustiner – da fühlt man sich doch gleich „dahoam“. Wir packen aus, wundern uns was wir mit so vielen Quadratmetern anfangen sollen und schnaufen danach erstmal richtig durch. So fühlt es sich also an, eine unfreiwillige Unterbrechung unserer Reise, ein unfreiwilliger Zwischenstopp in unserem Leben.

Wir sind sehr froh, bei unseren Freunden unterzukommen – so sind wir in den ersten Tagen und Wochen nicht alleine. Peter kann sich zudem die Langeweile mit Bastelunterstützung rund ums Haus vertreiben. Aufgrund der im März und April geltenden Kontaktbeschränkungen sind Besuche bei der Familie nicht erlaubt – so feiern wir Ostern eben über die Whattsapp Videotelefonie. Nach zwei Wochen in Straubing sind wir dann auch wieder mobil. Mit unserem Mietwagen-Flitzer unternehmen wir viele Wanderausflüge in den Bayerischen Wald. In der ersten Zeit sind wir komplett alleine auf den Wegen, aber so nach und nach trauen sich auch Andere wieder aus dem Haus und die Beschränkungen werden schrittweise gelockert. So sind wir zusammen mit unseren Freunden Kerstin und Marius auch die ersten im Hotel im Dahner Felsenland in der Pfalz, als dieses an Pfingsten wieder öffnen darf. Glücklich sind wir dann auch über die Möglichkeit, eine Ferienwohnung im Allgäu buchen zu können. Die Nagelfluhkette hat es uns in diesen zwei Wochen Wanderurlaub besonders angetan.

So ein unverhoffter Aufenthalt in Deutschland hat natürlich noch mehr Vorteile. Wir fahren übers Wochenende in den Schwarzwald zu Claudia und Olli, wir verbringen tolle Tage mit Sandra und Martin in Hessen und machen 10 Tage Housesitting inklusive Badeteich bei strahlendstem Sommerwetter in Seligenstadt, Peters alter Heimat. Verbringen wunderschöne Stunden mit unseren Familien und Freunden. Sogar Peters alljährliche Radtour lässt sich dank der Flexibilität der anderen drei Jungs umplanen und durchführen.

Doch dann merken wir immer mehr, dass uns unser Reiseleben, also das Leben in, mit und um unseren Dicken herum sehr fehlt. Die Zeit wieder sesshaft zu werden, ist definitiv für uns noch nicht gekommen. Wir lesen gefühlt tagelang in Blogs und Foren, können Reisehinweise und -beschränkungen, Flugverbindungen, Einreisebestimmungen irgendwann auswendig und treffen schlussendlich eine für uns sehr glückliche Entscheidung: Wir fliegen am 15.07.2020 in die Türkei, bleiben dort zwei Wochen in einem Airbnb in Antalya – Baden und Schwitzen in der Sommerhitze unter sehr wenigen ausländischen Touristen – und reisen am 31.07.2020 weiter in die USA. So verrückt es ist, die Türkei ist vom Einreisestopp der USA nicht betroffen und nach 14 Tagen „Quarantäne“ außerhalb der EU steht einer Rückkehr zu unserem Dicken nichts mehr im Wege. Und genauso hat es dann auch geklappt – die Homeland Security stempelt uns neue 6 Monate Aufenthalt in unsere Pässe!

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