Von Bergen und Bären

25.07. – 17.08.2022

Als wir auf den Mount Robson und damit auf die Bergkette der Rocky Mountains zufahren, ahnen wir schon, dass es uns dort sehr, sehr gut gefallen wird. Unsere Gedanken, wie wir die 3 Wochen bis zu unserem geplanten Heimflug nach Deutschland „überbrücken“, sind sofort weggeblasen.

Wir finden einen „zentral gelegenen“ (sprich direkt an der Straße gelegenen) Platz auf dem Robson River Campground und gehen gleich auf unseren ersten Hike in dieser Gegend. Wir laufen zu den Overlander Falls, der Weg führt direkt am eisblauen Fraser River entlang. Die Ausblicke auf den Mount Robson, der mit 3.954 Meter höchste Berg der Rockies, sind wunderschön. Wir stellen immer wieder fest, dass wir einfach Bergmenschen sind und uns mit hohen Gipfeln um uns herum immer wohl fühlen.

Am nächsten Morgen sind wir schon früh auf den Beinen und fahren in den Jasper Nationalpark. Wir parken den Dicken am Trailhead und schon geht’s hinauf auf den Whistler Peak – 1100 Höhenmeter auf 7 Kilometer bei mehr als 30 Grad Außentemperatur erwarten uns. Der Trail ist sehr schön angelegt, verläuft größtenteils im Schatten der Bäume und nur wenige andere Mitwanderer sind mit uns unterwegs – der Rest nimmt die Seilbahn… Perfekt für uns! In den Nationalparks der Rockies ist nix mit Wildcampen (sehr verständlich!) und so haben wir uns bereits im Vorfeld um Campingplätze bemüht. Gar nicht so einfach da „fully booked“, aber aufgrund der immensen Kapazitäten (mehr als 1000 Stellplätze verteilt auf 3 Campgrounds alleine in Jasper) gibt es immer wieder Stornierungen, bei denen man aber trotz allem sehr schnell zugreifen muss. So bleiben wir insgesamt 4 Nächte in Jasper, machen zwei weitere Wanderungen und eine Radltour mit unseren Klappgeschossen. Auf dem Webasso Campground lernen wir Alison & David und ihre Freunde Laurie & Gino kennen. Die Vier kommen aus Calgary und laden uns ein, den Abend mit ihnen zu verbringen. Da sagen wir natürlich nicht nein und so kommen wir in den Genuss von frisch gegrilltem Sockeye Salmon, leckerem kanadischen Rotwein und toller Gesellschaft. Ein Wiedersehen in Calgary ist geplant und darauf freuen wir uns schon sehr.

Der Icefield Parkway, die wohl schönste Gebirgsstrecke Kanadas, erwartet uns am nächsten Morgen. Wir fahren bis zum Icefield Center, einem großen Besucherzentrum mit entsprechenden Parkplatzkapazitäten direkt am Columbia Icefield. Das 325 km² große Eisfeld speist 3 bedeutende Flusssysteme Kanadas und ist damit z.B. auch Trinkwasserspender für die Einwohner Edmontons. Zumindest noch für die nächsten 100 Jahre, dann ist das Eisfeld lt. Schätzungen komplett geschmolzen. Gut, dass wir jetzt schon hier sind, so können wir die Zungen der Gletscher Athabasca, Dome und Stutfield noch bestaunen. Hier auf dem Parkplatz verbringen wir auch eine ruhige Nacht bevor wir am nächsten Morgen satte 5 Kilometer weiter auf den Wilcox Campground fahren. Dieser ist first come, first serve und wir bekommen mühelos einen schönen Platz. Von dort starten wir die Wanderung auf den Wilcox Paß, von oben haben wir nochmal einen sehr schönen Blick auf das Eis.

In Sasketchewan Crossing verlassen wir den Icefield Parkway und fahren entlang des touristisch kaum erschlossenen David Thompson Highway zum Lake Abraham. Der Stausee wird von Gletscherflüssen gespeist und hat eine Farbe wie aus dem Bilderbuch. Surreal blau leuchtet die große Wasserfläche im Sonnenschein. Hier wäre es auch schön zum Campen, doch es weht ein unangenehmer, kühler Wind und so entscheiden wir noch ein Stückchen weiter bis zum North Sasketchewan River zu fahren. Dafür biegen wir ab auf die knapp 1.000 km lange Forestry Trunk Road, eine Straße der Forstverwaltung, auf der man sogar bis nach Calgary fahren könnte. Direkt am Fluss finden wir einen wunderschönen, sehr ruhigen Platz und verbringen einen tollen Abend. Zurück auf dem Icefields Parkway machen wir Abstecher zum Mistaya Canyon und zum Aussichtspunkt über den Peyto Lake, bevor wir in Lake Louise in Richtung Yoho Nationalpark abbiegen.

Der Emerald Lake, ein Highlight im Park, ist uns zu voll und so fahren wir zügig weiter zu unserem eigentlichen Ziel: dem Glacier Nationalpark. Der Campground dort ist ebenfalls first come, first serve und sehr schön am Fluss gelegen. Direkt von dort starten auch die meisten Wanderungen im Park. Auf Empfehlung des Rangers wandern wir auf die Abbott Ridge und landen damit einen Volltreffer. Das Panorama auf dem Gipfelgrad ist überwältigend, 360 Grad Ausblicke auf Berge, Gletscher, Wasserfälle und ein wenig Kraxelei entlang des Grades  – mit Abstand die schönste Wanderung, die wir in Nordamerika gemacht haben. Knapp 6 Stunden sind wir dafür unterwegs, aber es hat sich absolut gelohnt. Am nächsten Tag drehen wir nur eine kleine Runde und auf dem Rückweg sehen wir tatsächlich einen Grizzly, ganz in der Nähe des Campgrounds. Er sucht in der Wiese nach Blumen und lässt sich erst stören, als von der anderen Seite eine größere Gruppe Wanderer auftaucht. Sehr beeindruckend! Die Grizzlys in diesem Park werden ziemlich genau beobachtet, es hat wohl in der Vergangenheit bereits Zusammenstöße zwischen Mensch und Tier gegeben, die nicht immer glimpflich abgelaufen sind. So kann es sein, dass man mindestens zu viert wandern muss, oder einzelne Wanderwege komplett gesperrt werden müssen.

Für uns geht es nun zurück in den Yoho, die Yoho Valley Road bringt uns zu den Takakkaw Falls. Erwartungsgemäß ist hier sehr viel los, aber bereits 200 Meter weg vom Parkplatz können wir nur mit einer Handvoll anderen Wanderern zu weiteren Wasserfällen marschieren. Das ist das Tolle an Nordamerika – die allermeisten Touristen gehen nur das Allernötigste zu Fuß und somit sind die bekannten Regionen zwar „voll“, aber man kann den Besuchermassen sehr einfach aus dem Weg gehen und hat die Berg- und Naturerlebnisse für sich alleine.   

Der Besuch der bekannten Seen Lake Louise und Moraine Lake ist nicht ganz so einfach, es gibt nur sehr begrenzte Parkmöglichkeiten, dafür aber einen Shuttlebusservice, der einen bis vor die Haustüre fährt. Aber auch die Tickets dafür müssen weit im Voraus reserviert werden. Doch wir haben wieder einmal Glück und ergattern Tickets für den späten Nachmittag. Ob die das wirklich so eng nehmen mit den Zeitslots? Wir probieren es aus und stellen uns bereits am frühen Vormittag in die (kurze) Schlange am Bus. Und tatsächlich, es ist kein Problem, dass wir viel zu früh da sind, lediglich der gebuchte Tag ist entscheidend und so stehen wir kurz darauf am Ufer des Lake Louise – zusammen mit vielen, vielen anderen. Aber auch hier sind wir bereits 200 Meter weiter wieder alleine. Unser Ziel ist der Moraine Lake, wir wollen hinwandern und dann den Shuttle zurücknehmen. Doch leider sind die Wege sehr schlecht ausgeschildert und so erwischen wir prompt den falschen Abzweig. Erst 300 Höhenmeter später fällt uns unser Missgeschick auf, zu spät zum Umdrehen. So planen wir um und wandern statt zum Moraine Lake zum Lake Anette. Mit Michele und Michel aus der Schweiz lernen wir sehr nette Mitwanderer kennen und so haben wir neben einer schönen Wanderung auch noch angenehme Gesellschaft. 18 Kilometer später kommen wir wieder am Lake Louise an, und da es ja mit dem Hinwandern nicht geklappt hat, nehmen wir eben den „Lake Connector“-Bus zum Moraine Lake. Und wir sind sehr froh, dass wir das noch gemacht haben – der See liegt absolut traumhaft, wie hingegossen, von der Farbe ganz zu schweigen. Fast schon surreal. Nach dem tollen Tag sind wir für die Nacht anspruchslos – ein einfacher Parkplatz tut es diesmal.

Für die nächsten 4 Tage haben wir einen Campground in Banff organisiert – wieder haben wir bei einer Stornierung zugeschlagen und wieder haben wir unglaubliches Glück mit der Lage des Platzes. Sehr viel Privatsphäre, beschattet – da könnte man glatt vergessen, dass um einen herum noch 1000 weitere Wohnmobile und Zelter ihre Lager errichtet haben…

Das Städtchen Banff gefällt uns ziemlich gut und auch hier ist alles sehr gut organisiert. Es gibt öffentliche Shuttlebusse die uns für kleines Geld zum Ausgangspunkt von Wanderungen bringen oder einfach nur vom Campground in die Stadt kutschieren. Auch hier addieren wir viele Kilometer und Höhenmeter auf unseren Wanderzähler. Auf dem Healy Creek Trail treffen wir dann tatsächlich noch unseren zweiten Grizzly auf einem Trail. Diesmal hören wir ein verdächtiges Knacken im Gebüsch und hinter der nächsten Kurve sehen wir den Bären, der direkt neben dem Trail entlang trottet. Michaela kriegt den Schock ihres Lebens und dreht sofort bei. Glücklicherweise hat er uns nicht bemerkt und Peter sieht ihn davongehen. Sicherheitshalber, und auch um die Herzfrequenz wieder zu senken, warten wir ein paar Augenblicke und schließen uns dann einer größeren Wandergruppe an, die uns quasi Geleitschutz gibt. Doch die Luft an diesem Tag ist raus und die Anspannung für den Rückweg zu groß, sodass wir nach 5 Kilometern umdrehen und die Tour für uns abhaken. Was für ein Erlebnis zum Ende unseres 3-wöchigen Aufenthaltes in den wunderbaren Rocky Mountains. Die Versuchung ist sehr groß, irgendwann nochmal hierher zurück zu kommen.

Für uns geht’s aber nun erstmal nach Calgary, in ein paar Tagen geht der Flieger, der uns in den Heimaturlaub nach Deutschland bringt. Wir freuen uns schon sehr auf Familie und Freunde, auf die Einladung zu einer mega Hochzeitstagssause bei Sandra und Martin und auf richtig gutes Essen und richtiges Bier!

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