Montenegro – Bullen & ein fettes Kätzchen

16.10.2018 – 21.10.2018

Als wir auf den Grenzübergang nach Montenegro zurollen sind wir ganz aufgeregt – schließlich bekommen wir den allerersten Stempel in unsere nagelneuen Reisepässe. Das erste Mal auf unserer Reise verlassen wir die EU und das auch noch mit einem kleinen, schlechten Gewissen. Haben wir doch eine Winterration Nutella und andere Genußmittel eingepackt und offiziell darf man kaum Lebensmittel in das kleine Land mit hineinbringen. Der Grenzbeamte ist aber ganz relaxt, interessiert sich nicht weiter für uns und so sind wir nach wenigen Minuten auch schon „drin“. 

Der erste geplante Stopp in Herceg Novi fällt dann gleich mal aus – wir finden schlicht keinen Parkplatz. Unser kleiner Laster hat manchmal auch kleine Nachteile. Als wir dann ein paar Kilometer weiter, an der inneren Bucht von Kotor, einen netten Campingplatz mit einem sehr freundlichen Betreiber finden, beginnen wir anzukommen, im neuen Land. Das kennen wir bereits aus den letzten Monaten – die ersten Stunden, manchmal auch die ersten Tage, brauchen wir um uns zurecht zu finden.

Am späten Nachmittag fahren wir mit dem Bus (die Klappgeschosse schließen wir aufgrund der sehr schmalen Uferstraße aus) zum viel beworbenen Highlight der Bucht, in die Stadt Kotor. Wir haben wieder Glück, ein kleineres Kreuzfahrtschiff legt gerade ab und auch sonst sind nur wenige Touristen unterwegs. Kotor ist sehenswert, haut uns aber nicht vom Hocker und so sind wir bald zurück beim Dicken und am nächsten Tag wieder auf der Piste. 

Auf der Fahrt ins bergige Hinterland in Richtung Niksic fallen uns die ständigen Verkehrskontrollen auf. Gefühlt hinter jeder zweiten Kurve steht ein Polizeifahrzeug, da werden Papiere kontrolliert und fleissig die Radarpistolen geschwungen. Wir lesen nach, dass in Montenegro jeder zehnte (!) männliche Einwohner bei der Polizei beschäftigt sein soll. Durch die vielen Kontrollen wird versucht, der vorherrschenden, doch etwas risikofreudigen, rasanteren Fahrweise beizukommen und die Anzahl der Unfälle zu minimieren. Leider nur mit mäßigem Erfolg. Dies belegen mahnend die vielen hübschen Gedenksteine an den Fahrbahnrändern. Kurz danach werden wir dann auch tatsächlich durch einen heftigeren Unfall mit drei beteiligten Fahrzeugen ausgebremst und jetzt heißt es erstmal warten… und dann staunen. Unsere Mitverkehrsteilnehmer versuchen den Stau über einen parallel verlaufenden Feldweg zu umfahren. Erst tasten sich nur Einzelne vor, dann gibt es kein Halten mehr. Kreuz und quer und vor allem aus beiden Richtungen wird versucht, die Unfallstelle zu umfahren. Das dann zwischenzeitlich gar nichts mehr geht, die Feuerwehr auch irgendwie durch will und ein deutsches Wohnmobil von den irgendwann eingetroffenen Polizisten festgesetzt wird, amüsiert uns dann schon sehr. Nach einiger Zeit des Zuschauens und Palaverns greift die Polizei dann doch durch und bringt Ordnung in das Chaos. Auch wir werden schließlich für geeignet empfunden, über den Feldweg zu fahren und so bedanken wir uns artig und ziehen nach 90 Minuten weiter unserer Wege. Die Polizisten werden wir übrigens später am Tag bei einer Verkehrskontrolle, die dann uns gelten soll, wiedersehen.

Unser heutiges Ziel ist das Monastir Ostrog, eines der bedeutendsten serbisch-orthodoxen Klöster. Die Kirche wurde direkt in den Fels gebaut und ist jährlich das Ziel tausender Gläubiger. Als wir nach einem strammen Fußmarsch oben ankommen, besichtigen wir zuerst die vom Kerzenrauch der letzten Jahrzehnte schwarzverrußte und total verräucherte Kapelle. Angelockt durch eine kleine, geöffnete Türe, schlüpfen wir gebückt hindurch und stehen plötzlich und ohne Vorwarnung in einem beengtem Raum direkt vor den Gebeinen des Heiligen Vasilij. Daneben steht ein Geistlicher in voller Montur und ein junger Typ in Jeans und Sneakers. Wir verstehen, dass der Typ als Übersetzer fungieren soll. Leider spricht er so gebrochenes, genuscheltes Englisch, dass wir nicht kapieren, was er uns sagen will. Stammen die Gebeine aus dem 17. Jahrhundert oder kostet es 70 Cent um über den Geistlichen für ein Wunder des Heiligen zu bitten (seventeenth century/seventy cents)? Wir sind sehr peinlich berührt, haben wir doch als Ungläubige dort drinnen wirklich nichts verloren, bedanken uns für die „Erklärung“ und suchen schnell das Weite. 

Den Tag und unser Gewissen kann da nur noch ein feistes Abendessen retten und das bestellen wir im Restaurant, bei dem wir auch über Nacht stehen können. Für kleines Geld bekommen wir zwei üppige Grillplatten, einen superfrischen Salat, selbst gebackenes Brot, diverse Biere, zwei Slivovice zum Spülen und nette Gesellschaft der Einheimischen. Travellerherz was willst Du mehr? Bombastische Natur vielleicht? Die serviert uns Montenegro dann am nächsten Tag …

Wir fahren in den spektakulären Durmitor Nationalpark und wählen dafür die Route über den Sedlopass – eine 50 Kilometer lange, einspurige Panoramastrasse. Das waren wahrscheinlich die schönsten 50 Kilometer, die wir je gefahren sind. Anfangs schraubt sich der Weg über Serpentinen und Tunnel (oder beides gleichzeitig und unbeleuchtet) auf eine Hochebene. Weiter gehts entlang grandioser Bergpanoramen, die uns immer wieder zu Staun- und Fotostopps zwingen bis wir schließlich die Passhöhe auf 1907 Meter erreichen. Hier verewigen wir uns stilecht mit unserem Logo. 

In Zabljak, im Herzen des Parks finden wir einen Stellplatz mit überwältigender Aussicht, bekommen zur Begrüßung zwei Slivovice verpasst und suchen nach einer geeigneten Wanderung. Da Peter Geburtstag hat, wünscht er sich eine Tour „außerhalb der Komfortzone“. Und nun ja, die haben wir dann auch gemacht. Wir erklettern die Gipfel des „grossen und kleinen Bären“, eine sehr steile Route auf, entlang und herunter von einem 1 Km langen Grat.  Aus unserer Sicht eigentlich ein fast durchgehender B-Klettersteig, nur haben die Montenegriner an vielen, teilweise sehr ausgesetzten Stellen, die Seilsicherungen vergessen. Dazu wuchern die Latschenkiefern über den Gratweg und zwingen uns an mancher Stelle näher an den Abgrund als dies sein müsste. Die Runde fordert uns körperlich und mehr noch geistig immens. Als wir schließlich nach 7 Stunden zurück beim Dicken sind, wars das auch für diesen Tag. Das geplante Geburtstagsabendessen im Dorf fällt aus. Noch Tage danach pflegen wir unser ausgeprägtes Muskelkätzchen.

Leider schlägt am nächsten Tag das Wetter um, es wird kalt und regnerisch, und so verlassen wir den Durmitor bereits nach so kurzer Zeit wieder. Hier waren wir aber bestimmt nicht zum letzten Mal. Wir ziehen eine große Schleife, um entlang der Taraschlucht fahren zu können. Dies bekommen wir mit einem Indian Summer belohnt, den selbst Kanada nicht besser hinkriegt. Den Abstecher zum Biogradska Gora hätten wir uns allerdings sparen können. Für 6 Euro Eintritt hätten wir uns mehr erwartet als nur einen „See, der im Wald liegt“. Die Hauptstadt Podgorica nutzen wir noch zum Auffüllen unserer Vorräte ehe wir uns ein Plätzchen am langen Sandstrand von Ulcinj suchen. Hier erholen wir uns und unser Kätzchen für zwei Tage bevor wir aufbrechen, zur nächsten Grenze nach Albanien.

3 Gedanken zu „Montenegro – Bullen & ein fettes Kätzchen

  • 6. November 2018 um 18:59
    Permalink

    Hallo Peter,
    Dir alles Gute zum Geburtstag nachträglich !! Bleib gesund und munter !!! 🙂

    LG
    Claus

    Antwort
  • 28. Oktober 2018 um 17:19
    Permalink

    Hi ihr 2, echt toll was ihr schon gemacht und erlebt habt! Euer Dicker fühlt sich total wohl in der Bergwelt. Passt weiterhin auf euch auf – toi toi toi. Wir freuen uns auf die nächsten Berichte.

    Antwort

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