Steine & Friends

Für unser geplantes Treffen kommen unsere Freunde gefühlt aus allen Himmelsrichtungen im kleinen Örtchen Escalante an.  Mit Sandie und Karsten fallen wir uns nach 8 Monaten wieder in die Arme, Ivan erkennen wir auch gleich wieder und mit Saundra und Martin bereichern zwei neue Gesichter unser Reiseleben. Endlich haben wir genug Fahrzeuge um eine ordentliche Wagenburg zu bauen, was wir auf BLM-Land in der Nähe auch gleich tun. Zum Einstieg in unsere gemeinsame Zeit feiern wir erstmal Sandies Geburtstag und bekommen einen ersten Einblick in die schier unerschöpflichen Weiten der Vorratsschränke von Saundras und Martins Trailer.

Sandie und Karsten haben uns aus Deutschland einige Ersatzteile mitgebracht und so machen sich die Jungs auch sehr erfolgreich daran die undichte Untersetzung am Dicken zu reparieren. Und dann kann es auch schon los gehen ins Grand Staircase Escalante National Monument. Wir fahren 50 Kilometer entlang der Hole-in-the-Rock Road, eine Waschbrettpiste der übelsten Sorte. Alle Zahnfüllungen haben das Gerumpel erstaunlicherweise überstanden und wir finden ein schönes Plätzchen für die nächsten Tage. Unser Ziel sind die Slotcanyons Dry Fork, Peek-a-Boo und Spooky. Die Erosion hat hier ganze Arbeit geleistet und tiefe, enge Schluchten in den farbigen Sandstein gefräst. Alles geht ganz harmlos los und im ersten Canyon freuen wir uns darüber mit den Händen die Wände rechts und links gleichzeitig berühren zu können. Der Einstieg in den Peek-a-Boo ist da schon spannender. Mit vereinten Kräften schaffen wir es die ca. 4 Meter hohe Steilkante zu überwinden bevor wir nach ersten kleineren Engstellen auf eine Gruppe „beleibterer“ Amerikaner treffen, die sich entscheiden an dieser Stelle umzudrehen. Wir erkennen auch kurze Zeit später warum… Aber mit etwas Luft anhalten und Bauch einziehen (und sehr viel Gelächter) kommen wir am anderen Ende wieder heraus. Als wir zum Eingang des nächsten Canyon wandern, philosophieren wir noch darüber, warum dieser wohl „Spooky“ heißt. Und so viel sei gesagt, es war teilweise wirklich sehr gruselig. Ab einer gewissen Stelle gibt es keine Bilder mehr, alle sind mit sich selbst beschäftigt und vor allem damit sich längs, quer, gefaltet oder sonst irgendwie durch die Engstellen zu quetschen. Wobei Engstellen trifft es nicht ganz, auf einer Länge von ca. 300 Metern ist es einfach immer nur eng, und düster, und ziemlich spooky. Als uns der Canyon wieder ausspuckt, sind wir unglaublich glücklich und natürlich sehr stolz dass wir niemanden mit bleibenden psychologischen Schäden zurücklassen müssen. Und nach unserer Rückkehr beim Camp drehen wir uns die ein oder andere Belohnungspizza vom Grill rein. Und ein paar Bier. Und vielleicht auch einen Gin Tonic, oder zwei. Ein herrlicher Tag!

Um nicht erneut 50 Kilometer am Stück rumpeln zu müssen legen wir bei der Rückfahrt einen Stop im Devil’s Garden ein. Ungewöhnliche Felsskulpturen, sog. Hoodoos stehen hier in der Landschaft rum und lassen sich fantastisch beklettern. Eine weitere Wanderung führt uns von dort aus zum Zebra und Tunnel Slot Canyon, leider können wir nicht rein bzw. nicht durch da zuviel Wasser zwischen den Felsen steht. Aber die Gegend ist einfach unglaublich und an dieser Stelle Dank an Bill Clinton der das Gebiet 1996 unter Schutz stellen ließ.

Quasi im Konvoi verlassen wir Grand Staircase für das nächste Highlight – den Bryce Canyon. Im angrenzenden Dixie National Forest können wir wieder kostenlos und wunderschön stehen (wir können uns schon gar nicht mehr erinnern wann wir das letzte Mal für eine Übernachtung bezahlen mussten – das ist hier im Westen schon echt großes Kino!). Der Bryce Canyon Nationalpark ist wohl der spektakulärste Park im Südwesten – man steht an der Abbruchkante des Pansaugaunt Plateaus und blickt auf ein Gebiet aus bizarr-skurrilen Formationen erodierten Sandsteins, auf 40 Kilometern Länge. Im Laufe vieler Jahrtausende entstanden im rot-gelb-rostbraunen Gestein unterschiedlichste Säulen, Türme und Skulpturen. Wir wandern in das Tal hinein und machen ganz viele Bilder – Worte können kaum beschreiben was wir sehen.

Mittlerweile wird es bereits gegen 17.30 Uhr dunkel und die Nächte zunehmend zapfig. Zeit, dass wir die Hochplateaus verlassen (wir befinden uns seit einigen Wochen immer zwischen zwei- und dreitausend Metern Höhe) und uns in wärmere, tiefer liegende Gefilde begeben. Zufälligerweise liegt mit dem Zion schon der nächste Nationalpark auf unserer Route. Für die Einfahrt in den Park von der Ostseite müssen wir aber erstmal löhnen – 15 Dollar Höhenzuschlag für die Durchfahrt eines Tunnels. Die Ranger müssen ihn sperren, damit wir mit unseren Fahrzeugen in der Mitte fahren können und nicht an den Wänden entlangkratzen. Später lesen wir, dass dies etwa 35.000 mal im Jahr gemacht wird – interessantes Geschäftsmodell, wohl besser als den Tunnel auszubauen … Auch aufgrund des tollen Wetters ist im Park „die Hölle“ los – so viele Menschen sind wir gar nicht mehr gewohnt und da der Campground im Park ausgebucht ist (und der zweite aufgrund des Saisonendes bereits geschlossen?) fahren wir etwa 30 Kilometer weiter auf BLM-Land. Um den Menschen zu entgehen machen wir am nächsten Tag eine schöne Wanderung auf der Rückseite des Parks, entscheiden uns dann aber doch nochmal in den Park zu fahren und die Tour mit dem Shuttlebus zu machen. Der Zion Canyon ist für den Individualverkehr gesperrt (herrlich!) und die Shuttles sind sehr gut und vor allem „Coronasicher“ organisiert. Wir spazieren einige Zeit am Virgin River entlang und lassen uns von der Herbstlaubfärbung, die in tollem Kontrast zu den roten Sandsteinfelsen steht, verzaubern. Wir bleiben 4 Tage auf unserem Stellplatz, bekochen uns fürstlich und genießen erstaunlich milde Abende. Auch den Wahlkrimi verfolgen wir übers Internet – ist ja nochmal gut ausgegangen …

Und nach so vielen Highlights brauchts auch mal ein wenig Abwechslung – wir fahren in die Stadt St. George, stellen uns auf etwas trostloses und ungewöhnlich vermülltes Arizona State Trust Land und lassen das passend dazu schlechte Wetter an uns vorüberziehen. Die Stadt selbst bietet alles was wir nach einigen Wochen im Backcountry brauchen – Supermärkte, einen sehr guten Burgerladen, Laundry, Friseur, Baumarkt, einen Scheibendoktor und so sind wir gut beschäftigt. Und nach drei fantastischen und intensiven Wochen trennen sich hier auch zunächst die Wege unserer Reisefamilie und bei uns bleiben Sandie und Karsten. Und so ziehen wir, nachdem wir alles erledigt haben, zu Viert los zum nächsten Highlight – dem North Rim des Grand Canyon. Eigentlich haben wir gedacht dass wir dafür viel zu spät dran sind, üblicherweise liegt im November bereits der erste Schnee. Aber wir haben wie so oft Glück und das Wetter wird wieder frühlingshaft und so nehmen wir die 150 Kilometer Piste auf uns. 140 davon sind ok zum Fahren, die letzten 10 Kilometer haben es aber in sich. Sehr steinig, sehr viel Waschbrett und mitunter auch recht steil – so brauchen wir dafür fast 3 Stunden. Aber als wir um die letzte Kehre biegen ist alles vergessen – der Colorado River liegt wie von Bob Ross hingemalt unter uns eingebettet im Grand Canyon und wir sind fast alleine dort. Ein Wahnsinn. 4 Nächte bleiben wir fast direkt an der Abbruchkante, wandern runter zum Fluss und querfeldein im Whitmore Wash, grillen, entzünden Lagerfeuer und stauen über die Schönheit der Natur.

Nach ein paar weiteren Tagen in St. George – Sandie und Karsten bekommen einen neuen Kompressor – fahren wir weiter zum Valley of Fire State Park. Zum vorerst letzten Mal bewundern wir roten Sandstein, diesmal besonders eindrucksvoll bei der „Fire Wave“, bevor wir am Lake Mead Abschied feiern. Abschied von all den Steinen, in all den unglaublichen Variationen, Farben und Formen, die uns in den letzten Wochen begleitet haben und Abschied von Sandie und Karsten, die beiden fahren nach Osten, wir und der Dicke weiter nach Westen, nach Californien.  Ein Wiedersehen mit unserer tollen Truppe steht aber bereits fest – Weihnachten werden wir in zusammen in Tucson, Arizona verbringen!

NS. Als wir am Grand Canyon die Gelegenheit für ein paar Wartungsarbeiten nutzen, fällt uns zufällig ins Auge dass an unserer heißgeliebten Dieselpumpe schon wieder ein kleiner Tropfen Diesel hängt, der dort nun wirklich nicht hingehört. Peter zieht wieder alle Schrauben fest, aber als wir zurück in St. George sind, leckts schon wieder. Es sieht so aus als wäre diesmal tatsächlich die Membran kaputt und so durchflöhen wir das Internet auf der Suche nach Ersatz. Und wir können es kaum glauben – auf Ebay USA verkauft ein Händler eine Original MAN Dieselpumpe. Warum auch immer die bei ihm rumliegt – uns freut es riesig denn MAN ist in Nordamerika nicht vertreten, somit gibt es auch (eigentlich) keine Ersatzteile zu kaufen und wir hatten schon begonnen uns mit einer längeren Wartezeit auf ein Päckchen aus Deutschland anzufreunden. Wir schlagen natürlich sofort zu und können die Pumpe nach ein paar Tagen in Las Vegas abholen. Noch am selben Tag baut Peter sie ein und hurra: sie funktioniert und ist dicht! Hoffentlich ist damit das Kapitel „Dieselpumpe“ erstmal erledigt. Und falls nicht: zuhause bei Papa liegt das Nachfolgemodell. In zweifacher Ausfertigung. Sicher ist sicher 😊

Originalpumpe im Originalkarton – wir sind schwer begeistert!

10 Gedanken zu „Steine & Friends

  • 4. Dezember 2020 um 15:40
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    Ein sehr schöner Bericht! Man bekommt schon ein wenig feuchte Augen. Am meisten gelacht habe ich über die Stelle mit Bob Ross. Ich hatte die Geräusche seines 2-Inch Brush direkt im Ohr.
    Wir freuen uns, dass die Pumpe dicht ist und auf unser Weihnachstreffen!
    Sandie & Kasi

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    • 4. Dezember 2020 um 16:50
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      You can do whatever you want:-)

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  • 4. Dezember 2020 um 12:56
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    Grias eich, wieder ein supa Bericht, wahnsinnige Buiddl, Wia oawei. Freid mi, dass eich guad geht. Was ihr erlehm deifds is, i moan, ziemle oamolig. Weida ois ois guade eich zwoa. Bassds auf eich auf. No vui Spass. Gruas da Babba

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    • 4. Dezember 2020 um 16:52
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      Hey Babba, dank dir schee fürs Mitlesen – diesmoi kimmst du ja a drin vor als „Hüter der Ersatzpumpen“ 🙂

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  • 4. Dezember 2020 um 11:59
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    This is a wonderful addition to your travel log. And, how appropriate to be called „stones and friends“… lovely friends that are like rolling stones. In the words of Bob Dylan…
    „How does it feel?
    How does it feel
    To be on your own
    With no direction home
    A complete unknown
    Like a rolling stone?“
    Safe travel my stoned friends.

    Antwort
    • 4. Dezember 2020 um 17:00
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      You are absolutely right – friends make the world richer and we love sharing adventures and memories! Stay healthy!

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  • 4. Dezember 2020 um 11:30
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    Was mir noch einfällt. Eine Kameradrohne wäre doch auch was für euch! So die Wagenburg von oben…!

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    • 4. Dezember 2020 um 17:07
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      Mit den Drohnen stehen wir etwas auf Kriegsfuß – es nutzen zu viele Leute diese Dinger zu rücksichtslos. Aber die Bilder sind natürlich klasse!

      … Weihnachtskerzen aus Wachs haben wir tatsächlich noch nirgends gesehen. Wir halten mal die Augen offen, das hat uns neugierig gemacht…

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  • 4. Dezember 2020 um 11:28
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    Oh, Mensch, ihre lieben Leute! Was sind das wieder für Bilder! Einfach schön!
    Wir freuen uns, dass es euch gut geht und ihr offensichtlich Corona überhaupt nicht zu berücksichtigen braucht.
    Bei uns in Europa sieht es diesbezüglich sehr schlecht aus! Es gibt offensichtlich zu viele dumme Leute…!
    Als wir in den Weihnachtsferien 1980 unseren ersten Amerikaurlaub hatten, sind wir auch in die Gegend gekommen. Die „Fischerdübel“ waren leicht verschneit und das mit Sonne und blaustem Himmel. Dass Bild ist uns bestens in Erinnerung!
    So ausführlich wie ihr haben wir die Gegend natürlich in 3-wöchigem Urlaub nicht erkunden können. Aber eine sehr, sehr sehenswerte Gegen!! Etliche Nationalparks waren damals wegen Winterbedingungen leider gesperrt. Die Northrim war leider auch wegen Wintereinbruch zu, aber die Southrim war auch sehr beindruckend!
    Bleibt weiterhin gesund und guter Dinge, bleibt vorsichtig!
    Gibt es eigentlich immer noch keine Christbaumkerzen aus Wachs? Als wir in den 80iger Jahren Freunde in Kalifornien besucht haben, mussten wir welche aus D mitbringen!
    Schöne Adventszeit und beste Grüße aus Baden-Baden,
    Brigitte und Uli

    Antwort
    • 4. Dezember 2020 um 16:58
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      Liebe Brigitte, lieber Uli, wie immer freuen wir uns ganz besonders über Euer Mitlesen/-reisen und Euren Kommentar. Corona tangiert uns hier in den Weiten der USA wirklich kaum – denn wo kann man Menschen besser aus dem Weg gehen als hier in der unglaublichen Natur. Wir sind daher sehr froh hier sein zu können! Wenn wir im nächsten Sommer auf Heimaturlaub in Deutschland sind würden wir uns sehr über ein Wiedersehen mit Euch freuen – bis dahin bleibt tapfer und vor allem gesund und genießt die Vorweihnachtszeit! Herzliche Grüße von Michaela und Peter

      Antwort

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